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Düsseldorf
Flughafen startet PFT-Entgiftung

Flughafen Düsseldorf startet PFT-Entgiftung
Die Entgiftungsanlage am Flughafen ist seit gestern in Betrieb. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Der Boden und Teile des Grundwassers im Düsseldorfer Norden sind durch das im Löschschaum enthaltene Gift PFT verseucht. Jetzt hat der Flughafen für zwei Millionen Euro eine Anlage zur Grundwasserreinigung in Betrieb genommen. Von Thorsten Breitkopf

Am Flughafen Düsseldorf ist Deutschlands erste Großanlage zur Reinigung des Grundwassers auf dem Gelände in Betrieb gegangen. Wie viele deutsche Airports hat der in Düsseldorf ein Problem mit dem Giftstoff PFT. Dieser ist in Löschmitteln enthalten, die eingesetzt werden, wenn Flüssigkeiten wie Flugbenzin brennen. Vor 2007 war nicht bekannt, dass PFT giftig ist. Besonders die Stellen, an denen Löschschaum in großer Menge eingesetzt wurde, sind kontaminiert. Betroffen ist vor allem der Bereich am Ende der Startbahn, wo vor einigen Jahren eine Boeing 747 von Atlas Air ausgebrannt war.

Das ist der Düsseldorfer Flughafen bei Nacht FOTO: Bretz, Andreas

Genauso belastet ist das Gebiet um das ehemalige Feuerlöschübungsbecken. An dieser Stelle steht nun die neue Anlage. Sie hat zwei Millionen Euro gekostet. Der Flughafen hatte insgesamt sechs Millionen Euro zur Beseitigung der PFT-Verseuchung zurückgestellt. Durch den Bau und Erkundungen ist die Hälfte davon nun aufgebraucht. Die Anlage filtert das Grundwasser in sechs Schritten. Aus drei Brunnen wird mit einer Pumpe Wasser nach oben befördert. Insgesamt schafft die Anlage 54 Kubikmeter pro Stunde. Das Wasser wird dann mit Sauerstoff angereichert, um das darin enthaltene Eisen zu lösen. Anschließend fließt es durch ein Kiesbett, wodurch sich Schwebstoffe absetzen. Bei jedem Schritt wird erneut die PFT-Konzentration gemessen. In einem speziellen Ionenaustauschfilter werden dann durch Absorptionsprozesse die PFT-Reste fast vollständig aus dem Wasser entfernt. Zuletzt läuft das Wasser noch durch einen Aktivkohlefilter, ähnlich denen, die auch Aquarienbesitzer kennen. Allerdings ist der des Flughafens mit 15 Kubikmetern Volumen deutlich größer. Über einen Vorfluter wird das Wasser schließlich in den Kittelbach abgeleitet. "Das Wasser wird wie das Regenwasser aus dem neuen Regenrückhaltebecken kontrolliert abgegeben. Überschwemmungen oder Hochwasser des Kittelbachs werden so ausgeschlossen", sagt Flughafenchef Ludger Dohm.

Ziel der Anlage ist es, durch ständiges Abpumpen von Grundwasser eine Art natürliche Barriere zu schaffen, die verhindert, dass immer mehr vergiftetes Wasser in die Bereiche außerhalb des Flughafengeländes sickert, sagt Düsseldorfs Umweltdezernentin Helga Stulgies. Fachleute nennen das Verfahren "hydraulische Abschirmung". Noch ist nach ihren Angaben aber völlig unklar, wie lange die PFT-Anlage in Betrieb bleiben muss, bis das Grundwasser vollständig gereinigt sein wird.

So schön ist Deutschland aus der Luft FOTO: dapd, Hero Lang

"Für die Reinigung PFT-belasteten Grundwassers gibt es bisher keine Verfahren 'von der Stange'. Umso erleichterter bin ich, dass nun unsere erste großtechnische Grundwassersanierungsanlage in Betrieb gehen kann. Sie wird einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass das Grundwasser in der Landeshauptstadt nachhaltig von Schadstoffen befreit wird", sagt Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Bis Ende März 2016 plant der Flughafen die Inbetriebnahme von zwei weiteren vergleichbaren Anlagen, eine zur "hydraulischen Abschirmung" der PFT-Verunreinigung an der Feuerwache Nord des Flughafens und eine im Bereich der Unfallstelle der Atlas Air von 2005 am westlichen Ende der Südbahn.

Ein Anwohner aus Kaiserswerth habe den Flughafen inzwischen wegen der Verunreinigung mit PFT verklagt, sagt Ludger Dohm.

Quelle: RP
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