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Flughafen Düsseldorf
Zum Ferienstart fehlen täglich bis zu 75 Sicherheitskräfte

Flughafen Düsseldorf: Zum Ferienstart fehlen täglich bis zu 75 Sicherheitskräfte
Sicherheitskräfte am Flughafen (Archivaufnahme). FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf . Am Düsseldorfer Flughafen kann es zum Ferienstart lange Warteschlangen an den Passagierkontrollen kommen. Laut Verdi fehlen täglich bis zu 75 Sicherheitskräfte. Bei der Bundespolizei soll es ein Pausenverbot zu den Stoßzeiten geben. Von Christian Schwerdtfeger

Am kommenden Freitag ist der letzte Schultag in Nordrhein-Westfalen. Viele Familien fliegen dann und in den darauffolgenden Tagen in den Urlaub. Für viele könnten die schönsten Wochen des Jahres allerdings mit langen Wartezeiten an den Gepäck- und Personenkontrollen beginnen – zumindest für die, die vom Düsseldorfer Flughafen in die Ferien starten wollen.

Denn nach Informationen unserer Redaktion fehlen an den Passagierkontrollen zu Urlaubsbeginn viele Sicherheitsleute. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi seien es an manchen Tagen sogar bis zu 75 Kräfte unter Plan. "Das wird dazu führen, dass die Abfertigung der Fluggäste länger dauern wird und es Warteschlangen geben kann", sagt Gewerkschaftssekretär Özay Tarim. Passagiere werden bereits gebeten, einige Stunden vor Abflug bei der Sicherheitskontrolle zu erscheinen. Ein betroffener Security-Mitarbeiter befürchtet: "Die Unterbesetzung im Juli kann sehr böse enden."

Keine Pausen zu Stoßzeiten

Durch den Personalmangel verschärft sich das ohnehin schon zu erwartende Chaos zu Ferienbeginn, das zwangsläufig durch das erhöhte Passagieraufkommen entsteht. Die Fluggesellschaft Eurowings hat den spätesten Zeitpunkt für die Gepäckabgabe deshalb bereits von 30 auf 40 Minuten vor Abflug verlegt. Die Bundespolizei soll wegen des Personalmangels für das private Sicherheitspersonal die Anweisung herausgegeben haben, zu den Stoßzeiten keine Pausenzeiten mehr zu vergeben. Nur in begründeten Einzelfällen sei das noch möglich. Als Stoßzeiten gelten die Zeiträume vier bis sechs Uhr morgens, vormittags von neun bis zwölf Uhr und 16 bis 18 Uhr.

NRWs größter Airport wächst derzeit stärker als jeder andere größere deutsche Verkehrsflughafen. Das Passagieraufkommen ist in diesem Jahr um mindestens zwölf Prozent gestiegen, die Zahl der Flüge um acht Prozent. Durchschnittlich zählt der Flughafen rund 60.000 Passagiere pro Tag; in den Sommerferien können es regelmäßig 80.000 Fluggäste pro Tag werden, an den Spitzentagen sogar bis zu 100.000, heißt es beim Flughafen.

Die Sicherheitsfirma Kötter, die im Auftrag der Bundespolizei die Kontrollen am Düsseldorfer Flughafen durchführt, wollte die von Verdi genannten Zahlen zum Personalmangel nicht bestätigen. "Wir werden die Aufgabe gemeinsam mit unserem Auftraggeber Bundespolizei und dem Flughafen energisch angehen", sagte Geschäftsführer Peter Lange und verwies auf personelle Verstärkungen den zurückliegenden Monaten. "Entscheidend für die Kontrollen sind weniger nackte Kopfzahlen, als vielmehr zielgenaue Einsatzplanungen", sagte Lange.

Die Dienstleistungsgewerkschaft sieht das anders: Durch den Personalmangel spitze sich die Belastung für die zur Verfügung stehenden Sicherheitskräfte drastisch zu, sagt Tarim. "Das bedeutet eine enormen psychischen Stress. Die Mitarbeiter müssen dann vermutlich mehrere Stunden ohne Pause stehen und kontrollieren. Darunter leidet die Konzentration und die Gesundheit", betonte er.

Nach Angaben des Flughafens kann eine personelle Unterbesetzung im Einzelfall in einem bestimmten Maß kompensiert werden. "Die Bundespolizei sowie der Dienstleister haben uns in intensiven Gesprächen versichert, dass alles unternommen wird, um das gestiegene Passagieraufkommen auch in den Ferien bewältigen zu können", sagte Flughafensprecher Christian Hinkel.

"Kötter hat das Problem. Verursacher aber ist die Bundespolizei"

Die Bundespolizei fordert vom Security-Unternehmen in einer sogenannten Wissensmitteilung die Personalstärke an, die ihrer Meinung nach für die Personenkontrolle benötigt wird. So hat die Bundespolizei zum Beispiel für den 14. und 15. Juli rund 500 Kräfte angefordert. Kötter könne laut Verdi an diesen Tagen allerdings jeweils nur rund 430 stellen. Aus Kreisen der Sicherheitsbranche heißt es, dass die Personalanforderung der Bundespolizei zu spät gekommen sei für Kötter, um noch effektiv reagieren zu können. "Die Ausbildung eines Luftsicherheitsassistenten dauert mindestens drei Monate. So viele, wie angefordert worden sind, kann man in der Kürze der Zeit nicht ausbilden", so ein Insider. Das bestätigt auch Verdi. "Kötter hat jetzt das Problem. Verursacher aber ist die Bundespolizei", so Tarim.

Nach Informationen unserer Redaktion versucht Kötter derzeit, den Personalmangel zum Teil mit hauseigenen Kräften vom Airport Köln/Bonn halbwegs aufzufangen. "Die Kollegen dort sollen an einem ihrer freien Tage in Düsseldorf aushelfen – auf freiwilliger Basis", heißt es aus Flughafenkreisen.

 
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