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Düsseldorf
Flughafen: Mehr Gewinn mit Handel und Parken

Düsseldorf: Flughafen: Mehr Gewinn mit Handel und Parken
Mit dem klassischen Flughafengeschäft werden nur noch 40 Prozent des Gewinns erwirtschaftet. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die FDP plädiert für einen Verkauf von Flughafen-Anteilen. Ein Argument ist, dass der Airport eher Shopping- und Eventcenter ist. Von Uwe-Jens Ruhnau

Es war wie das berühmte Kaninchen, das ein Zauberer aus dem Hut zaubert: FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann regte in ihrer Rede zur Verabschiedung des Düsseldorfer Haushalts im Plenarsaal des Rathauses an, einen Verkauf von Flughafenanteilen zu untersuchen. "Müssen wir eigentlich den Flughafen Düsseldorf zur Hälfte in kommunaler Regie führen?", fragte die Liberale am Donnerstag rhetorisch und führte später im Gespräch mit der Rheinischen Post aus, der Flughafen entwickle sich immer stärker zu einem "Einkaufs- und Veranstaltungszentrum mit angeschlossener Startbahn" und es sei die Frage, ob die Stadt an solchen Unternehmungen beteiligt sein müsse.

Tatsächlich haben die meisten großen Flughäfen innerhalb der letzten 20 Jahre ihr Gesicht verändert. Der Düsseldorfer Flughafen ist nach dem verheerenden Brand 1996 quasi neu gebaut worden. Dabei hat man sich auf die neuen Chancen eingestellt und reichlich in Geschäftsflächen investiert. Sie wurden zudem erweitert. Aus Aufsichtsratskreisen heißt es, heute gebe es am Flughafen mehr als 7000 Quadratmeter Gastronomie- und gut 9000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche. Das sind veritable Größen und der Flughafen lockt mit seinen Eventsonntagen nicht umsonst Tausende Bürger nach Lohausen. Die können sich nicht nur unterhalten, sondern auch Geld ausgeben.

Die Entwicklung hat dazu geführt, dass sich die Anteile der Geschäftsfelder verschieben. Vom Gesamtumsatz, zuletzt knapp 430 Millionen Euro, entfallen zwar noch 60 Prozent auf das klassische Flughafengeschäft (Aviation-Geschäft), aber beim Ertrag ist es genau andersherum: Mit Gastronomie, Handel, Parken, Werbeflächen etc. (Non-Aviation-Geschäft) werden 60 Prozent des Gewinns erwirtschaftet. Es verwundert von daher also nicht, dass die Diskussion um einen möglichen Anteil von Flughafen-Anteilen auch ordnungspolitisch geführt wird.

Die FDP schlägt allerdings nicht vor, sämtliche 50 Prozent, die der Stadt gehören (die andere Hälfte ist privatisiert), zu veräußern. Die Stadt solle eine Sperrminorität von 25,1 Prozent behalten, um wesentlichen Einfluss zu sichern. Während die Grünen im Rathaus der FDP zustimmen und die SPD einen Verkauf nicht generell ausschließt (die CDU ist dagegen), meldet die Wirtschaft Bedenken an.

IHK-Hauptgeschäftsführer Udo Siepmann weist darauf hin, dass anders als bei den verkauften Stadtwerkeanteilen - der Strom ist mittlerweile ein freies Handelsgut - Flughäfen und Messen standortgebundene Infrastruktureinrichtungen seien, die große Wichtigkeit für die heimische Wirtschaft hätten. "Die Umwegrentabilität ist enorm, deswegen ist es richtig, dass die Städte an diesen Gesellschaften beteiligt sind und auf ihr Wohlergehen achten", sagt Siepmann. Studien haben belegt, dass die Messe bei Firmen in der Region Umsätze von zwei Milliarden Euro auslöst, beim Flughafen sind es gar 3,4 Milliarden Euro. Siepmann schlussfolgert daraus, dass eine Stadt als Anteilseigner teils andere Beschlüsse fassen dürfte als private Eigentümer.

Quelle: RP
 
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