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Düsseldorf
Flughafen streicht trotz Millionen-Gewinn 380 Stellen

Düsseldorf: Flughafen streicht trotz Millionen-Gewinn 380 Stellen
Der Flughafen Düsseldorf erwirtschaft einen Millonen-Gewinn. Dennoch sollen Mitarbeiter der Bodenabfertigung gehen. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Das Sanierungsprogramm für die Bodenabfertigung am Düsseldorfer Flughafen steht vor dem Abschluss: Fast die Hälfte der 800 Jobs bei der Flughafentochter "FDGHG" sollen wegfallen. Von Thorsten Breitkopf und Thomas Reisener

"Wir planen, die FDGHG auf 428 Mitarbeiter bis Ende 2014 zu verkleinern", sagte ein Sprecher, "betriebsbedingte Kündigungen können wir nicht ausschließen." Damit bestätigte der Sprecher einen Bericht unserer Redaktion vom November 2011. Neu ist: 120 der Mitarbeiter sollen Stellen bei einer anderen Flughafentochter, der "Flughafen Security GmbH" angeboten werden. Wer diesen Jobwechsel akzeptiert, muss sich auf ein niedrigeres Einkommen einstellen.

Gegen dieses Angebot und die Lohnsenkung läuft die Gewerkschaft Verdi Sturm. "Nur einem Teil der Mitarbeiter eine Beschäftigung anzubieten ist ein Spiel mit der Angst der Einzelnen", sagte Peter Büddicker, Verdi-Landesbeauftragter und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens.

Die Bodenabfertigung übernimmt Dienste wie die Be- und Entladung von Flugzeugen, Enteisungen und Bus-Transfers. Seit der Markt auf Druck der EU 1999 liberalisiert wurde, herrscht massiver Wettbewerb. Neben der FDGHG, die zu 100 Prozent dem Flughafen gehört und von Mitarbeitern mit recht gut dotierten Altverträgen geprägt ist, hat sich in Düsseldorf auch die wesentlich kostengünstigere Firma "aviapartner" etabliert. Nach der Lufthansa will auch Air Berlin von der FDGHG zu aviapartner wechseln.

In Kreisen der Fluggesellschaften heißt es, aviapartner habe 30 Prozent weniger Personalkosten. Bei der Abfertigung machen die Personalkosten 66 Prozent der Gesamtkosten aus. Durch die Stärkung des Billiganbieters aviapartner entstehe am Airport ein neues Monopol, kritisiert Verdi.

Den Mitarbeitern, die gehen müssen, will der Flughafen über die übliche Abfindung hinaus einen üppigen Zuschlag zahlen, so der Sprecher. Dabei seien Zahlungen in fünfstelliger Höhe möglich. Die FDGHG werde 2012 ein Minus von zwölf bis 13 Millionen Euro erwirtschaften. Der Flughafen geht im laufenden Jahr von einem operativen Gewinn von rund 40 Millionen Euro aus. Büddicker: "Dass der Flughafen Leute entlässt und gleichzeitig Millionengewinne macht, ist mehr als zynisch". Er forderte Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers zum Handeln auf. Die Stadt ist mit 50 Prozent größter Gesellschafter des Airports.
 

(jco/sap/jco)
 
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