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Düsseldorf
Forschungscenter für die Böhlerwerke

Düsseldorf: Forschungscenter für die Böhlerwerke
Die Böhlerwerke an der Stadtgrenze von Düsseldorf und Meerbusch. Bis 1992 war dort ein Stahlwerk. FOTO: Böhler-Uddeholm
Düsseldorf. Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine will in Düsseldorf testen, wie man mit metallischen Werkstoffen dreidimensional druckt. Dazu wird nächstes Jahr ein Forschungs- und Entwicklungszentrum eröffnet. Von Thorsten Breitkopf

Düsseldorf erhält ein neues Forschungszentrum für innovative Metallverarbeitung. Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine wird an seinem Standort vor Ort ein Entwicklungscenter für das "Drucken" von dreidimensionalen Teilen aus Metall eröffnen. Geplant ist die Eröffnung mit zunächst acht bis zehn Arbeitsplätzen im kommenden Jahr. "Für den Standort Düsseldorf haben wir uns unter anderem wegen des guten Forschungsumfelds entschieden", sagte der Vorstandsvorsitzende von Voestalpine, Wolfgang Eder, bei einem RP-Interview im Düsseldorfer Wirtschafts-club. Die Böhlerwerke werden Standort der neuen konzerneigenen Forschungsstelle sein. Die Firma Böhler-Uddeholm, Namensgeber und Eigentümer der Böhlerwerke, ist eine hundertprozentige Tochter von Voestalpine.

Im Kunststoffbereich ist der 3D-Druck bereits bis zur Serienreife gelangt. Mit speziellen Maschinen konnten zunächst kleine, inzwischen auch mehrere Meter große Teile aus verschiedensten Materialien gefertigt werden. "Bei der Metallverarbeitung steckt der 3D-Druck aber noch in den Kinderschuhen", sagt ein Voestalpine-Sprecher. "Wir werden nun alle Kompetenzen unseres Konzerns auf diesem Gebiet in Düsseldorf bündeln", sagte Eder. Die Fertigung metallischer Produkte im 3D-Verfahren sei weitaus komplexer als beim Kunststoff. "Der große Anreiz aber ist, komplexe Formen aus Metall im 3D-Verfahren ohne Materialverlust fertigen zu können", so der Voestalpine-Chef weiter. Ausgangsmaterial sei Metallpulver in entsprechender Legierung, zum Beispiel Werkzeugstahl oder Titan. Als größte Abnehmer von so gefertigten Produkten sehen die Österreicher die Automobil- und Automobilzulieferindustrie.

Der Standort im Rheinland hat eine lange Tradition in der Metallverarbeitung. Der erste Spatenstich für das Düsseldorfer Werk an der Stadtgrenze zu Meerbusch erfolgte im März 1914. Der Standort befindet sich laut Voestalpine damals wie heute in einem Kristallisationspunkt wirtschaftlicher Energien. "Hier laufen die Fäden vieler Industrien und innovativer Wirtschaftszweige, Forschungseinrichtungen und wichtiger Verbände zusammen", so ein Sprecher. Bereits 1915 konnten die ersten Bereiche die Produktion aufnehmen, im Jahr 1919 umfasste die Belegschaft bereits mehr als 2500 Mitarbeiter. Als erstes Stahlwerk in Europa gründete Böhler in Düsseldorf 1929 eine Betriebswirtschaftsstelle. 1933 begann ein großzügiger Ausbau des Werkes und später die teilweise Umstellung auf Rüstungsproduktion. Im März 1945 wurde das Werk von den Amerikanern besetzt. Bereits am 25. April nahmen rund 300 Werksangehörige die Arbeit wieder auf. Ab 1947 kam nach Streichung des Werkes von der Demontageliste ein geordneter Betrieb wieder in Gang. Nach der Fusion mit der schwedischen Firma Uddeholm gab es im Konzern Überkapazitäten. Als Konsequenz daraus wurden 1992 und 1993 das Stahlwerk und die Schmiede in Düsseldorf geschlossen. Seitdem sind in Düsseldorf die Vertriebsaktivitäten angesiedelt.

Quelle: RP
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