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Serie Mein Tag
Frau Philipps und die Schmöker

Serie Mein Tag: Frau Philipps und die Schmöker
Wenn Barbara Philipps in die Bücherei an der Westfalenstraße kommt, liegt diese noch im Dunkeln. Noch in der Jacke bereitet sie alles vor. FOTO: Julia Brabeck
Düsseldorf. Wir begleiten Düsseldorfer durch einen für sie typischen Tag. Heute: Barbara Philipps (53) ist Leiterin der Stadtteilbücherei Rath und für ihre Kunden eine wandelnde Informationsstelle. Seit 17 Jahren sorgt sie für den richtigen Lesestoff und viele Kulturveranstaltungen im Stadtteil. Von Julia Brabeck

8.30 Uhr Der Arbeitstag von Barbara Philipps beginnt. Oft hat sie um diese Zeit schon ein ganz schön sportliches Programm hinter sich, denn die Leiterin der Stadtteilbücherei in Rath fährt gerne mit dem Rad zu Arbeit- und zwar von Wuppertal aus. Heute ist sie aber mit dem Auto gekommen, denn es regnet. Sie ist die Erste in der Bücherei an der Westfalenstraße, fünfeinhalb Stunden bevor die Einrichtung öffnet. Noch in der Jacke fährt sie den Computer hoch, um schnell loslegen zu können.

8.45 Uhr Philipps sichtet zunächst in ihrem Büro die E-Mails, um dringende Anliegen direkt zu bearbeiten oder von der Technik angekündigte Updates zu starten. Danach bereitet sie sich auf eine Sitzung vor, die um 11 Uhr stattfinden wird. Währenddessen treffen Anna Bruske und Sören Grävingholt ein. Beide sind Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste und fangen an, Bücher einzusortieren. Mehrere Kisten sind über die Zentralbücherei angekommen, in den sich von Lesern bestellte Bücher, neu erworbene Bücher und in anderen Zweigstellen abgegebene Medien befinden. Diese werden nun zurückgebucht, auf Vollständigkeit überprüft und an den richtigen Ort gestellt.

Die Bestelllisten nimmt sich die Leiterin der Stadtbücherei schon früh am Tag, wirklich bearbeiten kann sie sie aber erst am Abend. FOTO: Julia Brabeck

9.30 Uhr Philipps wendet sich ihrer Hauptaufgabe zu, der Pflege des Bestandes, der rund 27.000 Medien umfasst. Dazu gehört es, neue Medien zu bestellen und nicht mehr aktuelle, verschlissene und zu wenig nachgefragte Bücher auszusortieren. Für die Neubestellung werden ihr lange Listen von den Lektoren der Zentralbücherei zur Verfügung gestellt, in denen sich Vorschläge für Neuerscheinungen befinden. Philipps schaut sich jede Empfehlung an, informiert sich in Datenbanken über den Inhalt und liest Kommentare, die sie immer wieder zum Schmunzeln bringen. Dann prüft Philipps, ob zu dem Thema nicht schon ausreichend Material in den Regalen steht. Ein Wanderführer durch den Hunsrück weckt ihr Interesse. "Wir haben schon ein ähnliches Buch, aber das wurde nicht mehr häufig ausgeliehen. Vielleicht, weil es nicht mehr aktuell und auch nicht mehr ansehnlich ist." Die Leiterin läuft deshalb zum Regal für Reiseliteratur, sucht sich das Buch heraus und schaut es sich an. "Das ist echt nichts mehr und wird aussortiert und der neue Führer bestellt."

10 Uhr Eine kleine Frühstückspause in der Küche steht an. "Wir sind mit vier Leuten, Sabine Durst ist zurzeit in Urlaub, ein kleines, aber tolles Team und machen deshalb gerne gleichzeitig Pause. Dann sprechen wir aber nicht nur über private, sondern auch über berufliche Dinge." So oder so, gescherzt wird zu beiden Bereichen.

Die Hauptaufgabe von Barbara Philipps: die Pflege des Bestandes von rund 27.000 Medien. FOTO: Julia Brabeck

10.20 Uhr Barbara Philipps hat die Uhr aus den Augen verloren und muss sich beeilen, um rechtzeitig zur S-Bahn-Haltestelle zu kommen, denn sie will zur Zentralbücherei fahren. Dort trifft sie sich mit Kollegen zu einer Sitzung. Auf der Fahrt werden noch einmal die Unterlagen gesichtet.

11 Uhr Philipps freut sich, ihre Kollegen aus den anderen Zweigstellen zu treffen, zumal sie mit einigen über viele Jahre zusammengearbeitet hat. Die Atmosphäre ist herzlich, aber unter der Leitung von Klaus Peter Hommes, Abteilungsleiter Bestandsaufbau, wird konzentriert zum Projekt "Willkommen in Düsseldorf" gearbeitet. Dabei geht es um die Ausstattung der Büchereien mit Medien, die Flüchtlingen die Integration und das Deutschlernen erleichtern sollen. Diskutiert wird beispielsweise, mit welchem Aufklebern sie gut kenntlich gemacht werden können, wo in der Bücherei ein guter Platz für das Regal wäre und ob alle benötigten Bücher auf der schon sehr langen Bestellliste stehen.

Mit der S-Bahn fährt die Leiterin der Rather Stadtbücherei in die Innenstadt zur Zentralbibliothek. Sie schaut schnell noch einmal ihre Unterlagen durch. FOTO: Julia Brabeck

12 Uhr. Die Sitzung ist beendet und Philipps macht sich auf die Rückfahrt. Ärgerlicherweise fährt ihr die S-Bahn vor der Nase weg. Die Wartezeit wird aber genutzt, um sich ein Brot für die Mittagspause zu besorgen. Als sie wenig später in der Bücherei in Rath ankommt, bespricht sie kurz mit ihren Mitarbeitern, was für den Rest des Tages anliegt.

13.15 Uhr Das Team legt eine Pause für das Mittagessen ein, und Philipps fasst kurz die Ergebnisse der Sitzung zusammen. Weil Sören Grävingholt diesmal Sushis verputzt, entsteht eine Diskussion über die besten japanischen Restaurants in der Stadt.

13.45 Uhr Philipps will eigentlich den Bestellvorgang von neuen Medien fortsetzen. Doch nachdem um 14 Uhr die Bücherei geöffnet wird, kommt sie kaum dazu. Immer wieder wenden sich Kunden mit unterschiedlichen Anliegen an die Bibliothekarin. Eine Mutter lässt sich von Philipps den Automaten erklären, über den die Leser die Medien zurückgeben können. Ein Herr möchte wissen, ob in der Bücherei der Film "Honig im Kopf" vorhanden ist und wo er ihn finden kann. Zwei Schüler des Friedrich-Rückert-Gymnasiums fragen nach, ob die Flyer schon vorliegen, mit denen die traditionelle Schulausstellung in der Bücherei angekündigt werden soll. Das ist noch nicht der Fall und veranlasst Philipps, nach dem Grund zu fahnden. Eine Dame sucht einen Bildband des Malers M.C. Escher. Der ist nicht in Rath vorhanden, aber Philipps bestellt das Buch aus einer anderen Zweigstelle und verspricht: "In zwei Tagen ist der dann hier." Drei Freundinnen wollen wissen, ob die Bücherei über W-Lan verfügt. Philipps will ihnen den Zugang zum Netz erklären, doch die Mädchen hören nur halb zu und tippen stattdessen wie wild auf ihren Handys herum. Das allerdings ziemlich aussichtslos und so muss Frau Philipps noch einmal alles von vorne erklären. Zwischendurch kommt auch noch eine wichtige E-Mail an. Ein Geschichtenerzähler bestätigt, dass er bei der nächsten Nacht der Bibliotheken im kommenden Jahr Zeit hat, in der Rather Bücherei aufzutreten. Philipps ruft ihn umgehend an, um das Programm zu besprechen. Bevor sie den Künstler aber fest bucht, bespricht sie sich kurz mit ihren Mitarbeitern.

15 Uhr Sozialarbeiter Nabil Hagui trifft sich mit Philipps. Sie hat den 35-Jährigen eingeladen, weil er viele Kontakte zu den Flüchtlingen im Stadtteil pflegt und Philipps ihm das Projekt "Willkommen in Düsseldorf" vorstellen will. Zudem hat sie viele Fragen an Hagui. Sie will zum Beispiel erfahren, ob und welche Zweitsprachen die Flüchtlinge beherrschen. Danach will sie entscheiden, ob sie besser arabische oder englische Bücher für diese bestellt. Sie vereinbart mit Hagui, gemeinsam eine Flüchtlingsunterkunft zu besuchen, um dort für die Angebote der Bücherei Werbung zu machen. Zudem möchte sie gerne herausfinden, ob es unter den Flüchtlingen Künstler gibt, mit denen eine Veranstaltung in der Bücherei organisiert werden könnte.

16 Uhr Nabil Hagui ist gegangen und Philipps macht einen erneuten Anlauf, die Bestellliste zu sichten. Diesmal ist es etwas ruhiger, als direkt nach der Öffnung der Bücherei und so kommt die Büchereileiterin jetzt gut voran.

19 Uhr Offiziell ist jetzt Feierabend. Allerdings geht die Büchereileiterin noch mit Anna Bruske ins Literaturbüro NRW. Dort stellt der Autor Abbas Khider sein Buch vor. "Das ist eine halb private, halb berufliche Veranstaltung für uns. Wir überlegen, den Autor auch einmal einzuladen, und wollen ihn uns vorher anschauen."

Quelle: RP
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