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Düsseldorf
Frauen zur Prostitution gezwungen: Zuhälter gesteht

Düsseldorf. Mit einem Geständnis hat beim Landgericht gestern der Rotlicht-Prozess gegen einen 37-jährigen Angeklagten begonnen. Er habe Frauen über Internat-Portale angeflirtet, ihnen eine gemeinsame Zukunft versprochen, sie dann aber mit Gewalt zur Prostitution gezwungen. Mit auf der Anklagebank sitzt auch seine Partnerin (36), die ihm bei dieser Ausbeutung von sechs Frauen geholfen haben soll. Auch habe sie ihren eigenen Liebeslohn als Prostituierte verheimlicht, wurde vom Jobcenter weiter gefördert. Für die Verhandlung sind bisher zehn Prozesstage bis Anfang 2017 vorgesehen.

Nicht mit eigenen Worten, sondern nur in einer schriftlich vorbereiteten anwaltlichen Erklärung ließ der Angeklagte das Gericht zu Prozessbeginn wissen: "Die Vorwürfe sind im Wesentlichen richtig." Demnach hatte der sogenannte "Liebes-Grieche" in Partner-Portalen im Internet von Mitte 2014 bis Anfang 2016 serienweise nach jungen Frauen gesucht, die er in Bordelle und Sauna-Clubs schicken konnte, um dann von ihren Einkünften zu leben. "Ich habe alle Skrupel verdrängt. Ich habe geflirtet und die Frauen neugierig gemacht. Es ging mir darum, dass die Frauen im Milieu anschafften. Ich habe möglichst viel Geld einsammeln wollen, es war teilweise wie ein Rausch", ließ der 37-Jährige durch seinen Anwalt verlesen. Der gelernte Elektriker, der zeitweise aber auch als Vize-Chef in einem Brauerei-Ausschank tätig war, räumte ein, er habe die Zuwendung und die Gutgläubigkeit der meist jungen Opfer gezielt ausgenutzt, habe deren Zwangsprostitution von vornherein angestrebt. Ganz so brutale Methoden wie in der Anklage behauptet, habe er allerdings nicht angewendet. So habe er keineswegs aus Grausamkeit einmal sein Auto gestartet, als eines seiner Opfer sich gerade durch eine Seitenscheibe ins Wageninnere beugte. Das sei "nur ein Versehen" gewesen. Und seine Partnerin, die nach ihren eigenen Angaben schon im Alter von 17 erste Bordellerfahrungen gesammelt hat, habe ihn auch "nicht beraten", sie habe kaum Einblicke gehabt in seine kriminellen Geschäfte.

Die Anklage geht bei dem 37-Jährigen nun von Zuhälterei aus, schwerer Körperverletzung und von Raub. Seine Geliebte bekräftigte, sie habe "keinen konkreten Einblick" gehabt in das, was ihr Freund tat. Ob sie zu den Anklagevorwürfen noch mehr sagen will, wird sich am nächsten Prozesstag Anfang November zeigen.

(wuk)
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