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55 Dinge, Die Nur 30 Minuten Von Düsseldorf Entfernt Sind
Auf den Spuren des Heiligen Quirinus

55 Dinge, Die Nur 30 Minuten Von Düsseldorf Entfernt Sind: Auf den Spuren des Heiligen Quirinus
Im Quirinuszimmer steht ein goldener Reliquienschrein, der 1597 angefertigt wurde. FOTO: Andreas Woitschützke
Düsseldorf. Der Heilige Quirinus bescherte Neuss im Mittelalter Pilgerströme aus ganz Europa. Das Clemens-Sels-Museum widmet dem Heiligen ein eigenes Zimmer. Von Isabelle de Bortoli

Ein Bewacher des Papstes soll er gewesen sein, ein Militärtribun auch, ein Märtyrer, der gestorben ist, weil er sich zu Jesus Christus bekannte. Wer ihn anbetet, der wird von Krankheiten geheilt. Sein Wappen zieren neun Kugeln, gekleidet ist er in Rüstung. Der heilige Quirinus, Stadtpatron von Neuss, findet sich auf Gemälden und in Stein gehauen an vielen Orten in der Stadt. Ihm und seiner Geschichte hat das Clemens-Sels-Museums im Neusser Obertor ein Zimmer gewidmet.

Auf großen Ölgemälden an den blauen Wänden ist dort die Legende des Heiligen verewigt - denn wie seine Gebeine nach Neuss gekommen sind, ist historisch nicht genau belegt. Eine wichtige Rolle scheint aber eine Bewohnerin des hiesigen Damenstifts gespielt zu haben, in dem viele Frauen des Hochadels untergebracht waren. "Die Legende besagt, dass die Äbtissin Gepa aus Neuss ihren Bruder, den Papst, um die Gebeine des Quirinus als Reliquie für die Stadt gebeten hat", sagt Carl Pause vom Museum. "Das soll im Jahr 1050 gewesen sein. Wie die Bilder zeigen, sollen die Gebeine daraufhin von Rom aus über den Rhein, an Köln vorbei nach Neuss verschifft worden sein."

Im Neusser Obertor ist das Clemens-Sels-Museum untergebracht. Dort befindet sich auch das Quirinuszimmer. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Doch der Archäologe hat - wie auch einige Historiker - seine Zweifel an der Geschichte. "Es gibt andere Quellen, die belegen, dass die Gebeine bereits im neunten Jahrhundert in Neuss gewesen sein müssen." Auch, dass Quirinus gleichzeitig Tribun und Bewacher des Papstes gewesen sein soll, sei nicht wahrscheinlich. Fest steht aber: Es gab einen wahren Ansturm auf die Reliquien und damit auf die Stadt Neuss. "Um 1200 waren die Pilgerströme besonders groß", sagt Pause. "Dass die Pilger von weit her kamen, belegen die so genannten Pilgerzeichen aus Neuss, die man in ganz Europa gefunden hat." Eines der Zeichen, eine kleine Silbermünze mit Löchern zum Annähen an den Hut, findet sich auch im Quirinuszimmer. Darauf zu sehen ist natürlich ein Bild des Stadtheiligen.

Einen großen Auftrieb erhielt das Neusser Pilgerwesen übrigens nach der Belagerung durch Karl den Kühnen 1474/75. "Man schrieb es der Hilfe des heiligen Quirinus zu, dass die Stadt nicht eingenommen werden konnte", sagt Pause. In der Hauptsache betete man Quirinus aber zur Heilung verschiedener Leiden wie etwa der Pest an.

Beinahe wäre übrigens im Jahr 1586 Schluss gewesen mit der Verehrung des heiligen Quirinus. Während des Truchsessischen Krieges zwischen Katholiken und Protestanten in Neuss kam es zu Plünderungen und einem verheerenden Stadtbrand. Der Brand katapultierte Neuss vom Status einer angesehenen Handelsstadt zurück in die Bedeutungslosigkeit eines kleinen Landstädtchens. Davon zeugt auch der kleine goldene Reliquien-Schrein, der im Clemens-Sels-Museum aufbewahrt wird. "Er ist kaum verziert und wenig prunkvoll", sagt Carl Pause. Er wurde erst 1597, elf Jahre nach dem Brand, gefertigt, mit dem, was man so eben erübrigen konnte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde der prächtige Schrein gefertigt, der bis heute in St. Quirin steht.

Quelle: RP
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