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Kolumne Auf Ein Wort
Fremden zum Nächsten werden

Düsseldorf. Schon vor dem Flüchtlingsstrom der vergangenen Monate war Düsseldorf eine internationale, multikulturelle und multireligiöse Stadt. Ganz egal, in welchem Stadtteil man lebt, man hört den Klang unterschiedlicher Sprachen und trifft auf Menschen verschiedener Hautfarben.

Wenn ich durch die Stadt gehe und diese Menschen sehe, kommen mir immer wieder die Fragen: Wie lebt diese Afrikanerin, die mit vollen Tüten in der Bahn sitzt? Was bewegt das türkische Mädchen mit Kopftuch und wird es von seinen Schulkameradinnen akzeptiert? Welches sind die Freuden und Sorgen von diesen vier arabisch sprechenden Jugendlichen? Welche Probleme muss der Ausländer bewältigen, der in den Abfalleimern nach Flaschen sucht? Was kennzeichnet die Lebensgeschichte und die Lebenserfahrung der japanischen Familie, die mir im Nordpark begegnet?

Mit solchen Gedanken kommen mir diese Menschen näher - und bleiben gleichzeitig fern. Seit 20 Jahren ist es Ziel der "Gesellschaft für Interkulturelle Seelsorge und Beratung - Society for Intercultural Pastoral Care and Counselling - SIPCC" mit Sitz in Düsseldorf, sich den Lebensgeschichten, Sorgen und Nöten von Menschen aus anderen Kulturen und Religionen auszusetzen, in Kontakt zu kommen, Beziehungen auf einer persönlichen Ebene einzugehen. Die Mitglieder kommen aus vielen Ländern der Erde - Einübung in interkulturelle und interreligiöse Begegnungen ist überall in unserer globalisierten Welt eine Herausforderung, der wir uns nicht entziehen können.

Es ist ja nicht so einfach, für andere offen zu sein, gegenseitige Vorbehalte und Ängste wahrzunehmen und zu überwinden und mit Fremden in eine hilfreiche Beziehung zu kommen. Denn es ist eine Beziehung in Differenz. Aber bei aller Unterschiedlichkeit, die nicht aufgehoben werden soll und kann, ist es möglich, sich Anderen zu nähern, sich gegenseitig zu würdigen und deutlich zu machen, dass man miteinander zusammenleben will.

Gerade Fremde stellen uns die Frage, ob wir ihnen zum Nächsten werden - eine Frage, die Jesus durch seine Geschichte vom barmherzigen Samariter uns allen stellt. Jesu lesenswertes Gleichnis endet mit den Worten: "Geh, werde zum Nächsten!"

Quelle: RP
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