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Düsseldorf
Freundin über 500 Mal verprügelt?

Düsseldorf. Die rekordverdächtige Zahl von 503 Straftaten wird einem 21-Jährigen seit Dienstag vor dem Jugendschöffengericht vorgeworfen. Laut Anklage soll er innerhalb von anderthalb Jahren seine damalige Freundin (26) nahezu täglich verprügelt haben.

Konkret habe er sie 503 Mal geschlagen, sie zusätzlich noch beleidigt und bedroht. Im Herbst 2014 habe sie die gewaltsame Beziehung dann beendet, sagte sie jetzt dem Amtsgericht. Der Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe.

"Ich konnte und wollte das irgendwann nicht mehr ertragen, war fast bereit, von einer Brücke zu springen!" So beschrieb die Frau ihr angebliches Martyrium. Dabei habe die Beziehung zum Angeklagten, den sie über eine Internet-Plattform kennen gelernt hatte, "friedlich und harmonisch" begonnen. Doch nach fünf Monaten habe ihr Freund jeden nichtigen Anlass dazu genutzt, um sie fast jeden Tag zu misshandeln. Öffnete sie ihre Postumschläge auf der Straße, habe er eine Hundeleine nach ihr geworfen, sie nur knapp verfehlt. War sie nicht bereit, sofort Essen zu kochen, "dann hat's geknallt, da gab's Backpfeifen serienweise", so die Zeugin. Um den Angeklagten trotzdem auch finanziell zu unterstützen, habe sie sich beim Mitmieter ihrer Wohnung mehrfach sogar Geld leihen müssen: "Der Angeklagte hat mich ausgenommen, hat mein Geld regelrecht aufgegessen! Ich habe alles für ihn gemacht." Und doch habe er ihr mit den Fäusten auf Arme und Beine geschlagen, bis die Masse der Blutergüsse sogar ihrer Chefin aufgefallen sei, erklärte die Pflegehelferin im Zeugenstand. Erst durch die Hilfe des Ehemannes der Chefin, der Polizist ist, habe sie sich vom 21-Jährigen lösen können, sich zu einer Freundin gerettet und rechtliche Schritte gegen den Angeklagten eingeleitet, dabei auch ein gerichtliches Kontaktverbot gegen ihn erwirkt.

Als Folge der angeblich gewaltgeprägten Erlebnisse mit dem Angeklagten ist die Frau nach ihren Worten "jetzt beziehungsunfähig und kann nachts nicht mehr schlafen". Bevor sich die Richter ein Urteil über den 21-Jährigen bilden, wollen sie noch weitere Zeugen hören. Der Prozess geht am 1.Dezember weiter.

(wuk)
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