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Düsseldorf
"Freundlichkeit und Respekt sind Pflicht"

Düsseldorf: "Freundlichkeit und Respekt sind Pflicht"
Norman Hofmann (35), zweifacher Familienvater aus Moers, leitet seit acht Monaten die Notunterkunft an der Rossstraße in Derendorf. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Norman Hofmann (35) leitet für die Johanniter eine Notunterkunft des Landes - und ist bei den Bewohnern beliebt und geachtet. Von Denisa Richters

Wenn Norman Hofmann durch die Gänge des ehemaligen Finanzamts an der Rossstraße geht, sind Lächeln und das international verständliche "Hello" seine Begleiter. Man kennt sich. Ein junger Mann knufft ihn freundschaftlich in die Schulter. "Alles gut?" "Ja, danke." Kinder grüßen, als sie kichernd die Treppe runterlaufen. Eine Etage höher bedankt sich eine Frau mit Baby auf dem Arm, dass er ihr die Tür aufhält.

Derzeit ist es relativ leer in der Notaufnahme des Landes. Nur etwa 150 Menschen, die aus ihren Heimatländern nach Deutschland geflohen sind, leben hier, viele der in den ehemaligen Amtsstuben eingerichteten Sechs-Bett-Zimmer stehen leer. Auf Schildern jeder Tür stehen Nationalität und Namen der derzeitigen Bewohner. "Das Namensschild ist wichtig für die Abgrenzung der Privatheit und das Gefühl der Identität", sagt Hofmann, der für die Johanniter die seit acht Monaten bestehende Unterkunft leitet. In Hochphasen waren es 550 Bewohner, so viele werden es nach der nächsten starken Flüchtlingswelle sicherlich wieder sein.

Viele Menschen in Ausnahmesituationen, unterschiedliche Nationen und Religionen unter einem Dach - das ist nicht leicht zu managen, dennoch sind hier größere Konflikte bisher ausgeblieben. Das liegt auch an Hofmann und seiner 70-köpfigen Mannschaft. Sein Rezept klingt selbstverständlich: "Wir grüßen jeden zu jeder Tageszeit, halten die Tür auf, helfen, wenn es nötig ist, bleiben immer freundlich und auf Augenhöhe."

Das kommt zurück, weiß der 35-Jährige. Müssen 150 Betten und Matratzen ausgeladen werden, sind sofort reichlich Helfer da. Bei der Müllrunde tragen Bewohner freiwillig die Säcke raus. Zur Belohnung gibt es dann eine Cola oder Limonade. Denn zur Standard-Versorgung gehören nur Tee und Wasser. Auch wenn die meisten nach ein paar Tagen oder Wochen in andere Unterkünfte verlegt werden, ist der Zusammenhalt stark. Die Verbindung bleibt, auch wenn die Bewohner längst ausgezogen sind. Eine Familie schaut jede Woche vorbei, per Facebook sind alle vernetzt.

Seit 15 Jahren arbeitet Hofmann für die Johanniter Rhein-Ruhr, im Rettungsdienst und als Ausbildungsleiter. Im Abendstudium hat der Moerser einen Abschluss als Betriebswirt für soziales Gesundheitswesen gemacht. So viel wie in diesem Jahr habe er aber noch nie gelernt, sagt Hofmann und lächelt. Denn auch für ihn war neu, was plötzlich zu bewältigen war. Seine Frau ist Sozialarbeiterin, war auch in Indien im Einsatz. "Deshalb habe ich einen besondern Zugang", sagt der Vater zweier Kinder. "Für mich ist völlig unerheblich, woher jemand kommt, welches Alter, welchen Status, welche Religion er hat."

Zwei Geburten hat es in der Unterkunft gegeben, Lungenkrebs, schwere Operationen, natürlich auch mal Streitigkeiten. "Dagegen hilft Programm", sagt Hofmann. Musik, Klettern, Malen, Fußball - die Palette ist vielfältig wie die Bewohner und die Hilfsbereitschaft aus der Nachbarschaft. Was ihn am meisten berührte? "Als ich eines Nachts einen sonst selbstbewussten jungen Mann aus Eritrea weinend fand." Es stellte sich heraus, dass der Afrikaner als Kindersoldat viel Grausames erlebt und begangen hatte. "Da kam bei ihm alles hoch. Das ging mir schon sehr nahe."

Quelle: RP
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