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Düsseldorf
Führerschein weg – Ärzte helfen

Düsseldorf: Führerschein weg – Ärzte helfen
Vagif Gousseinov (rechts) plädiert dafür, nach einem Führerscheinentzug sofort zur Beratung zu einem Verkehrspsychologen oder anderen Experten zu gehen. Sein Kollege Volker Herrmann führt Leistungs- und Aufmerksamkeitstests durch. FOTO: RP, Andreas Endermann
Düsseldorf. Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Für den ein oder anderen auch im Straßenverkehr. 35 Autofahrer unter Alkoholeinfluss sind der Polizei an den tollen Tagen in Düsseldorf bei Kontrollen aufgefallen. Zwölf weitere Fahrer hatten Drogen konsumiert. Für viele von ihnen bedeutet das: Führerscheinentzug. Und sobald Alkohol oder Drogen im Spiel sind, droht auch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung, kurz MPU, im Volksmund "Idiotentest" genannt. Dass damit nicht zu spaßen ist, verdeutlichen die Durchfallquoten: 70 bis 80 Prozent der Teilnehmer scheitern bei der Begutachtung. Von Jutta Laege

Das hat aus Sicht des Gutachters und Verkehrspsychologen Vagif Gousseinov vor allem damit zu tun, dass die "Sünder" ihre Delikte nicht ernst genug nehmen oder unvorbereitet in die MPU gehen. "Sie streiten sich mit der Polizei oder fechten die Strafe juristisch an. Aber sie denken nicht daran, dass die Führerscheinstelle entscheidend ist, wenn es darum geht, die Fahrerlaubnis wieder zu bekommen."

Der Neurologe hat sich auf die Beratung in solchen Fällen spezialisiert. "Bei Alkohol am Steuer oder sich immer wiederholenden Vergehen geht es vor allem darum, dass der Fahrer eine glaubwürdige Veränderungshistorie liefert", so Gousseinov. "Und deshalb ist es wichtig, nicht bis zur MPU zu warten, sondern gleich nach dem Delikt einen Verkehrspsychologen, Suchtberater oder Facharzt aufzusuchen." Diese Einsicht kommt nicht bei jedem Verkehrssünder direkt an. Das hat auch damit zu tun, dass einem Großteil von Alkoholfahrten auch ein echtes Alkoholproblem zugrunde liegt, das die Fahrer aber nicht einsehen wollen.

Gousseinovs Kollege, der Psychologe Volker Herrmann, der in der Praxis an der Schadowstraße begleitende Leistungs- und Aufmerksamkeitstests durchführt, unterstreicht das mit einer beeindruckenden statistischen Zahl: "Die Chance, mit Alkohol am Steuer erwischt zu werden, liegt bei 1:400. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer betrunken fährt, hat da auch schon 400 Mal vorher gemacht."

Oft kommen in Beratungsgesprächen dann die Probleme zum Vorschein, die der Verkehrssünder in der MPU nicht zugeben würde. "Wir versuchen, die oft unterschwelligen Probleme aufzuarbeiten. Das kann eine Trennung, ein Todesfall oder eine Kündigung sein. Es kann auch das falsche soziale Umfeld sein", erläutert Gousseinov. Grundsätzlich fehle es den meisten aber am richtigen Bewusstsein ihres Suchtproblems.

Dass die Bevölkerung die MPU in weiten Teilen für Abzocke hält, lässt er nicht gelten. "Das stimmt definitiv nicht. Für die Gutachten, die ich gelesen habe, gilt: 95 Prozent sind objektiv geschrieben. Man muss aufhören zu glauben, die MPU sei eine Strafe. Sie soll Verkehrsteilnehmer vor denen schützen, die gefährdet sind." Gousseinovs Beratung soll allen Seiten dienen. Auch dem Verkehrssünder, der im Zweifel einige Tausend Euro sparen kann. Und schließlich ist sie auch für Patienten geeignet, deren Fahrtüchtigkeit bei schwerwiegenden Krankheiten wie beispielsweise Schlaganfall, Parkinson oder Epilepsie überprüft werden muss.

Quelle: RP
 
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