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Düsseldorf
Führungen gegen das Vergessen

Düsseldorf. Durch Führungen zu unterschiedlichen Themen soll der Golzheimer Friedhof am Leben erhalten werden. Von Simon Schmidt

Maler verewigen sich in ihrer Kunst, doch manchmal geraten ihre Bilder in Vergessenheit. Dafür bleiben ihre Grabsteine bestehen - zumindest, wenn auch schon ihre Zeitgenossen sie zu schätzen wussten. Und dann braucht es noch Menschen wie die im Verein "Der Golzheimer Friedhof soll leben". Ein Zusammenschluss von Düsseldorfer Bürgern, die sich zur Aufgabe gemacht haben, den Golzheimer Friedhof und seine Künstlergräber, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, zu pflegen und zu erhalten.

Zu diesem Anlass finden in unregelmäßigen Abständen Führungen zu unterschiedlichen Themen mit Bezug zum Friedhof statt. 2007 musste der an diesen grenzende Parkplatz trotz zahlreicher Proteste der neuen Ergo-Zentrale weichen. Mit den geführten Spaziergängen über das Areal will der Verein die Aufmerksamkeit auch darauf lenken, dass das Friedhofsgelände stetig verkleinert werde - obwohl es doch weit mehr als nur eine schöne Parkanlage sei.

Wilhelm Zacher ist Schriftführer des eingetragenen Vereins und organisiert die kostenlosen Führungen zu den Künstlergräbern. Hier geht er auf den Werdegang der Künstler ein, zeigt entweder ein Porträt von ihnen oder etwas, das sie selbst gemalt haben, um den Zuhörern die Personen näher zu bringen. Nicht selten entstehen daraus Unterhaltungen, die auf dem Weg zum nächsten Grab fortgesetzt werden. Bei besonders wichtigen Punkten liest Zacher Gedichte vor, die etwa das Grab oder den Verstorbenen beschreiben.

Bekannte Persönlichkeiten sind beispielsweise der Königliche Gartendirektor Maximilian Friedrich Weyhe, der das zentrale Stadtbild Düsseldorfs unter anderem mit der Anlegung und Erweiterung des Hofgartens prägte. Sein Grab wurde erst 2008 restauriert und mit einer goldenen Inschrift versehen. Auch der Dramatiker Karl Immermann und Friedrich Wilhelm von Schadow spielen Hauptrollen bei den Führungen. Von Schadow hat durch die Leitung und mit seinen an der Düsseldorfer Kunstakademie etablierten Lehrmethoden für viele Künstler eine entscheidende Rolle gespielt. Daher taucht sein Name auch an den Gräbern anderer in Golzheim beigesetzter Maler immer wieder auf.

Auf dem anfangs nur für Katholiken bestimmten Friedhof wurden wegen des rasanten Wachstums der Stadt frühzeitig die Gläubigen beider Konfessionen begraben. Das ist heute noch erkennbar: eine unsichtbare Linie teilt den protestantischen Norden und den katholischen Süden, ungefähr an der Klever Straße. Das Wachstum der Stadt führte 1897 aber auch zur Schließung des Friedhofes, nachdem aus Platznot der Stoffeler und der Nordfriedhof angelegt worden waren.

Heute stehen die noch erhaltenen 350 Grabsteine unter Denkmalschutz. Um sie weiter zu erhalten, bietet der Verein Patenschaften für die Grabstätten an.

Quelle: RP
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