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Serie Düsseldorfer Geschichten
Fürs Kinderhilfezentrum nach Tadschikistan

Serie Düsseldorfer Geschichten: Fürs Kinderhilfezentrum nach Tadschikistan
Philipp Bergbusch (v.l.), Caro Koopmann, Christian Jaeger und Henning Erdmann auf dem Ak-Baital Pass in Tadschikistan - der zweithöchsten befestigten Fernstraße der Welt. FOTO: Bergbusch
Düsseldorf. Philipp Bergbusch fuhr eine Rally durch elf Länder und sammelte 5000 Euro Spenden. Nun werden noch die genutzten Autos verkauft. Von Julia Brabeck

Philipp Bergbusch weiß, wie wichtig es ist, Unterstützung und Hilfe zu erfahren. Deshalb hat er sich nun an einer Benefiz-Rally durch elf Länder beteiligt, um Gelder für hilfsbedürftige Menschen zu sammeln. Der 29-Jährige hat selber als Kind einen Schicksalsschlag erlebt, wurde mit zehn Jahren nach dem Tod der Mutter zur Waise und kam dann in das Kinderhilfezentrum an der Eulerstraße.

"Damals sprach man noch vom Kinderheim und damit waren keine positiven Assoziationen verbunden. Ich habe mich die ersten Tage verweigert, nichts gesprochen und gegessen. Das war eine Extremsituation." Nach einiger Zeit hat er sich aber eingelebt. "Ich habe heute keine negativen Erinnerungen an diese Zeit und habe viel im Umgang mit anderen Menschen gelernt", sagt Bergbusch. Als sich nach eineinhalb Jahren die Betreuerin Nicole Bartz mit einer Wohngruppe in Kaarst selbständig machte, ging Bergbusch mit ihr. "Wir lebten in familienähnlichen Strukturen und ich habe bis heute ein Mutter-Sohn-Verhältnis zu Nicole."

Eine gemütliche Tour war's nicht - das zeigen die Bilder der holprigen Straßen durch das Gebirge.

Nach Abitur und Zivildienst in einem Krankenhaus war Bergbusch neun Monate in der ganzen Welt auf Reisen, trat dann sein Studium in Maastricht an. Damals nahm er wieder Kontakt zum Kinderhilfezentrum auf, da er Unterstützung für ein Auslandsstudiensemester in Brasilien benötigte. "Das hat mir eine Sicherheit gegeben, zu wissen, dass ich bei der Stiftung des Zentrums um Hilfe bitten kann, wenn es finanziell eng wird." Inzwischen arbeitet Philipp Bergbusch in Köln bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft. Seine Kollegin Caro Koopmann brachte ihn auf die Idee, mit ihr und ier Freunden - Henning Erdmann, Christian Jaeger, Pia und Ines Bettin - an der Tajik-Rally teilzunehmen. Ziel der Rally ist es, von Deutschland in die rund 10.700 Kilometer entfernte Stadt Duschanbe in Tadschikistan zu fahren. Unterwegs werden bei verschiedenen Aufgaben (Challenges) für soziale Projekte Spenden gesammelt, am Ende werden die Fahrzeuge vor Ort für einen guten Zweck verkauft. "Vom Erfinder der Rally werden die Projekte ,Kinderschutz Projekt Hänsel und Gretel' und die Aufbauhilfe ,Habitat for Humanity' vorgegeben. Wir haben aber zusätzlich Gelder für die Stiftung des Düsseldorfer Kinderhilfezentrums gesammelt."

Bevor die Reise losging, waren sechs Monate Vorbereitungszeit notwendig, in denen viele Visa beantragt und Sponsoren gesucht wurden. "Wir haben zwei Suzuki Wagon R gekauft, die von der Lohausener Werkstatt Albroschad umsonst überholt wurden", so Bergbusch. Das gesamte Benzingeld übernahm die Firma "Plus Server". Dafür mussten die Reisenden eine lebensgroße Pappfigur des Moderators Walter Freiwald mitschleppen und immer wieder fotografieren. Der Sänger Olson gab 100 Euro dafür, dass an coolen Orten seine Lieder gespielt wurden und "Mein Sportfreund.de" stiftete Trikots und Fußbälle, die nach einem Spiel in einem SOS-Kinderdorf in Usbekistan dort verschenkt wurden. "Wir haben auch auf Wunsch für 30 Euro Postkarten verschickt. Bisher ist aber keine der rund 100 Grußkarten angekommen", sagt Bergbusch und lacht.

Philipp Bergbusch (2.v.r.) posiert fürs Foto mit einheimischen Kindern, die seiner Reisegruppe unterwegs begegneten.

Die Rally-Teilnehmer haben ihre Reisekosten wie für Flüge und Verpflegung getragen und noch die Spendensumme aufgestockt. "Ines, Henning und ich waren noch nie in einem Casino und haben ein solches in Georgien besucht und dort tatsächlich 500 Euro gewonnen und gespendet." Für 100 Euro musste der eingefleischte Fortuna-Fan Henning ertragen, dass ihm mit Henna ein Kölner Geißbock-Tattoo verpasst wurde und er dabei die letzten 15 Minuten vom Abstiegsspiel der Fortuna vorgelesen bekam. "Dafür hat aber ein Fortuna-Aufkleber neben den vielen Sponsorenaufklebern auf dem Auto uns die ganze Reise über begleitet", sagt Bergbusch.

Insgesamt haben die sechs Freunde in 23 Tagen elf Länder bereist. Dabei wurden teilweise Gewaltfahrten von bis zu zwölf Stunden absolviert, um dann an anderen Stellen genug Zeit zum Kennenlernen von Orten zu haben. "Es war einfach atemberaubend, was wir alles gesehen haben. Wir haben Höhenunterschiede von null bis 4600 Metern überwunden und dabei den zweithöchsten Gebirgspass der Welt befahren und so alle Arten von Landschaften und Vegetationen kennen gelernt." Die Flut von Eindrücken sei mit nichts vergleichbar. "Für die Herzlichkeit, Offenheit und Freundlichkeit der Menschen fehlen mir die Worte. Menschen, die eigentlich gar nichts hatten, wollten uns immer noch einladen. Da hinterfragt man schon seine eigene Lebenssituation und seinen Lebensstil." Sogar zu einer Hochzeit in Usbekistan wurden sie eingeladen. "Das war uns dann etwas peinlich, denn das Brautpaar wurde zur Nebensache, weil jeder mit uns reden wollte." Wobei die Verständigung immer nur mit Händen und Füßen möglich war. "Das war schwierig, aber möglich."

Nur die Durchfahrt von Turkmenistan sei der "reinste Horror" gewesen. "Da herrscht eine reine Diktatur. Wir kamen mit Verspätung im Land an und mussten es in 24 Stunden durchqueren, bevor das Visum ungültig wurde." Als seine persönlichen Highlights bezeichnet Bergbusch Rumänien, Georgien und Usbekistan. "Dort gibt es wunderschöne Landschaften und auch kulinarisch sind die Länder ein Traum und die Städte wunderschön."

Über 5000 Euro wurden bei der Reise an Spenden gesammelt. Noch sind die Fahrzeuge nicht verkauft, so dass Bergbusch noch mit einer ordentlichen Zusatzsumme rechnet. Er könnte sich vorstellen, erneut für den guten Zweck auf Reisen zu gehen. "Schließlich wissen wir jetzt, wie das funktioniert und wie wir Sponsoren gewinnen können. Dann würde ich aber ein neues Ziel wählen, etwa an der Benefiz-Tour ,Dust and Diesel' durch Afrika teilnehmen."

Quelle: RP
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