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Düsseldorf
G8 kontra G9: Eltern und Schüler wünschen sich Wahlfreiheit

Düsseldorf: G8 kontra G9: Eltern und Schüler wünschen sich Wahlfreiheit
Gymnasiastin Lara Linz (17) findet G8 "genau richtig", Gesamtschüler Gerrit Pesch (16) hat sich bewusst für G9 entschieden. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Ein klarer Trend zu einem der beiden Modelle ist nicht erkennbar. Von Jörg Janssen

Was denken Düsseldorfer Eltern darüber, ob ein Gymnasium in acht oder in neun Jahren zum Abitur führen soll? Mit einem Fragebogen hat die Elternschaft Düsseldorfer Schulen (EDS) versucht, das zu ergründen. "Mit rund 50 Antworten war der Rücklauf übersichtlich", sagt EDS-Vorsitzende Antje Schuh. Dennoch böten die Einschätzungen einen Anhaltspunkt. "Rund 20 Prozent haben sich für die Beibehaltung von G8 ausgesprochen, 40 Prozent für eine Rückkehr zu G9 und nochmals 40 Prozent für ein Modell, das beides vorsieht", sagt Schuh.

Hier liegen die Listen zum G9-Volksbegehren in NRW aus

Wäre er als Schüler gefragt worden, hätte sich Gerrit Pesch für ein Parallelmodell ausgesprochen. Der 16-Jährige geht in die elfte Klasse der Dieter-Forte-Gesamtschule. Obwohl er nach Klasse vier ans Gymnasium hätte wechseln können, hat er sich bewusst so entschieden. "Neun Jahre lassen mir mehr Raum für die eigene Entwicklung. Und selbst, wenn es pubertätsbedingt mal ein Durchhängerjahr geben sollte, gefährdet das nicht gleich das Abitur", sagt er. Dennoch plädiert der Gesamtschüler für Wahlfreiheit: "Ich habe Freunde, die kommen mit acht Jahren bis zum Abi bestens klar. Warum sollten wir die zwingen, ein Jahr länger zur Schule zu gehen?"

Damit trifft er den Nerv von Lara Linz und Rosanna Strunk. Die beiden 17-Jährigen gehen in die elfte Klasse (Q1) des Friedrich-Rückert-Gymnasiums. "Ich reite, gehe ins Fitnessstudio, mache Jiu Jitsu und Yoga und komme mit der Schule trotzdem gut klar", sagt Lara, die die Debatte um zu viel Stress und fehlende freie Zeit beim G8-Abitur "für mich selbst nicht nachvollziehen kann". Nach dem Abi will sie Medizin studieren: "Je eher ich damit anfange, desto besser." Ihre Mitschülerin will dagegen ins Freiwillige Soziale Jahr. "Aber auch das bringt mehr als ein weiteres Schuljahr." Kein Freund von Entweder-Oder-Entscheidungen ist Michael Biallas, Vize-Leiter der Dieter-Forte-Gesamtschule. "Es macht Sinn, dass es Gymnasien mit G 8 gibt", sagt er. Und für Wolfgang Mesenholl, Leiter des Luisen-Gymnasiums, verfehlt die Debatte um die Schuldauer das eigentliche Thema. "Die Gymnasial-Standards wurden immer weiter gesenkt. Das sollten wir korrigieren. Allerdings sollte es für alle Gymnasien nur ein Modell geben, damit Schulwechsel nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden", meint der 63-Jährige.

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Zum Volksbegehren "G 9 jetzt", das die Rückkehr zum früheren System fordert, geht die EDS mit Blick auf die Vielzahl der Meinungen auf Distanz. "Wir raten nicht dazu, das zu unterschreiben", sagt Antje Schuh. Freilich fordert sie eine landeseinheitliche Regelung für die Sekundarstufe 1: "Das Gymnasium muss wieder bis zur zehnten Klasse gehen, um einen mittleren Schulabschluss zu ermöglichen."

Sollte das Begehren Erfolg haben, würde das Düsseldorf vor enorme Herausforderungen stellen. "Wir bräuchten mindestens 85 Klassenräume mehr, zusätzliche Kapazitäten für Sport und Naturwissenschaften und mehr Lehrer", sagt Stadtdirektor Burkhard Hintzsche. Die Kosten schätzt er auf einen "zweistelligen Millionen-Betrag im oberen Bereich". Käme es soweit, müsse sich das Land als Verursacher an eben diesen Kosten beteiligen.

G8 – Das sagt die Basis FOTO: dpa, awe mov lof sja
Quelle: RP
 
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