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Nachruf auf Gabriele Henkel
Abschied von Düsseldorfs großer Dame

Gabriele Henkel  - die "Grande Dame" von Düsseldorf
Gabriele Henkel - die "Grande Dame" von Düsseldorf FOTO: dpa, rj_cu mg fdt
Düsseldorf. Die Kunstsammlerin und Mäzenin Gabriele Henkel ist tot. Die Witwe des 1999 gestorbenen Firmenpatriarchen Konrad Henkel hatte die Kunst und das Ansehen der Marke Henkel immer gefördert. Manche sagen, sie war die einzige First Lady Düsseldorfs. Von Hans Onkelbach

Wo soll man anfangen, Gabriele Henkel zu beschreiben? Diese Frau, von der viele sagen, sie sei Düsseldorfs einzige First Lady gewesen. In ihrer Einmaligkeit vielleicht mit Karl Lagerfeld vergleichbar, von sich selbst kreiert, immer wieder weiter entwickelt und seit vielen Jahren ein Name, der – wie eine Marke – unverwechselbar war: Gesellschafts-Dame, Kunst-Mäzenin, Gastgeberin beeindruckender Abendessen und faszinierender Gesprächsrunden, Träger eines der berühmtesten deutschen Namen – Henkel – und vielen Großen dieser Welt sehr nahe. In einem Ranking der einflussreichsten Frauen hätte sie  einen der vordersten Plätze belegt. Ihre Kontakte waren global – politisch, künstlerisch, wirtschaftlich. Wenn sie Henry Kissinger einlud, kam der. Präsidenten, Kanzler, Minister, Medien-Mogule, Finanz-Bosse waren da, wenn sie rief, mit einigen war sie befreundet.

Sie überließ nichts dem Zufall

Die Dinner in der Henkel-Villa in Hösel waren begehrte Einladungen, die Gästeliste von ihr persönlich handverlesen. So konnte es passierten, dass an einem Abend Helmut Kohl, Angela Merkel, Horst Ehmke, Klaus Kinkel, Josef Ackermann, Rudolf Augstein, Guido Westerwelle, Klaus Staeck zu Gast waren und auf Vorstände von DAX-Unternehmen und andere Wirtschaftsgrößen stießen. So oder so: die Mixtur garantierte das völlige Fehlen jeglicher Langeweile.

Solche Abende waren großes Kino, oder besser: bühnenreife Aufführungen. Nichts war dem Zufall überlassen. Die Tischdeko Kunstwerk im wahrsten Sinne des Wortes. Das war ihre Leidenschaft: Dinge, oft alltägliche, neu zu arrangieren, ihnen neues Design, eine andere Funktion zu geben, sie somit gleichsam um-zu-erfinden. In der Uni Wuppertal zur Honorarprofessorin für Kommunikationsdesign zu werden, war da nur logisch. Mit verblüffender Kreativität baute sie häufig Produkte des Konzerns ein - was den erstaunten Gast dann plötzlich entdecken ließ, was man mit Persil Megaperls noch alles machen kann außer waschen.

Ihr Auftritt war nie bescheiden. Legendär ihr strenger Blick, wenn sie eine Veranstaltung schon damit aufwertete, dass sie nicht nur auf der Gästeliste stand, sondern tatsächlich – niemals pünktlich –  und mit großem Auftritt ihre Bühne betrat. Ob sie auch blieb, wusste nur sie: Der falsche Tisch, schlechter Blick aufs Geschehen, eine nicht zu goutierende Gesellschaft – und der Besuch der großen, alten Dame war ein sehr kurzer. Gesehen hatte sie dennoch jeder, denn es war unmöglich, sie nicht wahrzunehmen: Oft mit großem Hut, ebenso oft mit großer, dunkler Brille, immer in exquisiter Robe – zum Gesamtkunstwerk Gabriele Henkel gehörte auch eine von ihr sorgsam ausgesuchte Kleidung. Dass sie allenthalben auffiel, war kein Zufall, sondern gewollt und mit unglaublicher Gelassenheit registriert, hingenommen und sicher auch genossen.
Schließlich hatte sie Routine in diesen Dingen.

Sie gehörte in die Liga der Tyssens und Krupps

Nachdem sie 1955 Konrad Henkel geheiratet hatte, wurde sie sehr schnell Teil der wirklich einflussreichen Gesellschaft, nicht nur der in Düsseldorf. Sie gehörte in die Liga der Flicks, Sachs, Thyssens, Krupps - vermutlich hat die meisten Vertreter dieser Sippen auch getroffen, nachdem ihr Mann 1961 nach dem Tod seines Bruders die Konzernführung übernommen hatte.

Schon vorher war sie Teil der Düsseldorfer Kunstszene, förderte Künstler wie Uecker und Immendorff, besuchte bis zu letzt die Rundgänge der Akademie und vergab ihre Gunst auch an junge Künstler, wenn sie deren Werke für würdig hielt: Einen untrüglichen Blick dafür hatte sie ohne Zweifel. Ergab sich daraus eine engere Zusammenarbeit, katapultierte sie die Schützlinge in ein Universum, in dem andere Regeln galten. Einer dieser jungen Maler sagte einmal: "Wir hatten eine alte Fabrikhalle für eine Aktion angemietet. Frau Henkel gefiel die Farbe der Wände nicht. Ein paar Stunden später kam ein Trupp Anstreicher und hat alles neu gestrichen."

Dass sie mit allen Mitgliedern des verzweigten und höchst heterogenen Henkel-Clans gut auskam, darf wohl bezweifelt werden. Aber keiner wird bestreiten, wie diese Frau sowohl dem Namen Henkel als auch dessen Ruhm als Förderer der Kunst Glanz gab. Den Auftrag, für die Firma eine Kunstsammlung aufzubauen, nahm sie Anfang der 70er Jahre gern an – und heute dürfte der Wert dieser klug ausgewählten Werke auch jene erfreuen, die von Kunst wenig, aber von Bilanzen viel verstehen.

Das Werden, der Hintergrund dieser Frau wären perfekter Stoff für das Drehbuch eines packenden Films. Gabriele Henkel, geborene Hünermann, war Tochter eines renommierten Arztes ('Theodor Hünermann) in Düsseldorf. Ihre Schwester Hete hatte lange eine Galerie im Ratinger Tor (später wohnte dort der Ex-Rektor der Akademie, Markus Lüpertz). Schon bevor sie Konrad Henkel traf und heiratete, war sie in Düsseldorf ein bekanntes Gesicht - auch wegen ihrer legendären Schönheit. Dass sie vor ihrer Heirat als Journalistin u.a. für Newsweek arbeitete und das jüngste Mitglied der damaligen Bundespressekonferenz in Bonn war, passt in dieses Bild mit den vielen Facetten. Zuletzt fiel sie als Schriftstellerin auf: vor wenigen Monaten erschient ihr Buch "Die Zeit ist ein Augenblick" – eine Art Autobiografie und schnell auf den Bestsellerlisten, weil erlebte Zeitgeschichte beschrieben wird.  

Als Erbin der Firmenanteile ihres Mannes war sie nicht nur reich – Geld spielte keine Rolle in ihrem Leben, was bisweilen zu kuriosen Gesprächen über die Niederungen einer Budget – oder andere Finanzplanungen führte. Als Konrad Henkel 1999 starb, regelte sie gewohnt einfühlsam den Abschied der Henkelaner vom sehr beliebten Patriarchen. Die Witwe ließ den Sarg im Foyer der Hauptverwaltung aufbahren, bedeckte ihn mit schönen Stoffen, schuf ein Ensemble, das einerseits der Trauer eine würdige Optik gab, andererseits aber auch der Freude an der Schönheit des Lebens.

Nun wird es eine Trauerfeier für sie geben. Denn Gabriele Henkel ist jetzt gestorben. Wie alt sie wirklich war, wissen nur wenige – Insider sagen, sie sei Mitte 80 geworden. Seit Jahren schon mochte die um 1930 Geborene darüber nicht reden. Interessiert hat es ohnehin keinen.

 
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