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Düsseldorf
Ganz Urdenbach dankt dem Herrn

Die schönsten Fotos vom Erntedankfest Urdenbach 2016
Die schönsten Fotos vom Erntedankfest Urdenbach 2016 FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Das Erntedankfest in Urdenbach war gesellig, stilvoll und reich an Traditionen: Zu sehen gab es Schürreskarren, Trecker und Frauen in Trachten. Von Thorsten Breitkopf

Wer am Straßenrand von Urdenbach auf den Umzug anlässlich des Erntedankfestes wartet, der denkt nicht, dass er sich in der Landeshauptstadt des bevölkerungsreichsten Bundeslandes befindet, einer Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern, die Schlote des Chemiekonzerns Henkel nur einen Steinwurf entfernt sind und es in der ganzen Stadt nur noch einen einzigen Milchbauern gibt.

Das Erntedankfest macht den Eindruck, als würde jeder einzelne der etwa 10.000 Urdenbacher morgens aufs Feld ziehen, bei Sonnenuntergang wieder zurückkommen, und wenn dann die Ernte stimmt, ist das der größte Tag zum Feiern. Urdenbach ist das Dorf im Düsseldorf, und das ist kein Makel im Stadtteil, darauf ist man am südlichsten Zipfel der Stadt mächtig stolz.

Und der Umzug zum Erntedank ist genau der Tag, an dem man seinen Stolz zum Ausdruck bringt. 43 Fußgruppen und Wagen, 1300 Menschen in Trachten zogen mit mächtiger Verspätung (die niemanden interessierte) durch die Gassen des kleinen Rheindorfes. Und dass die Urdenbacher ihren Erntedank nicht ganz so ernst nehmen, konnte man an Vielem erkennen. Etwa bei einer Fußgruppe im ersten Drittel des Zuges. Dort wurde ein Bollerwagen gezogen, auf dem in großen Lettern "Harte Arbeit, reiche Ernte" stand. Und ob gewollt oder Zufall, darin lag ein tief schlafender vierjähriger Junge, den das große Publikum am Straßenrand reichlich wenig interessierte.

Viele der Gruppen hatten sich ein Motto gegeben. Bei der "Grupp' mem Hetz" etwa hieß es "Ohne Rad läuft nix", und entsprechend trugen die Mitglieder eine Holzschubkarre ohne Rad durch die Straßen. Auf einem Bollerwagen wurde ein Fass Frühkölsch zur Versorgung der Fußgruppe mitgeschleppt. "Angesichts der Tatsache, dass kein Düsseldorfer Stadtteil näher an Köln liegt, sicher verzeihlich", sagte ein Düsseldorfer Zuschauer am Wegesrand.

Apropos Dank für die Ernte, wie geht es denn den Landwirten in Urdenbach? "Also es gibt natürlich keinen Bauer mehr in Urdenbach", sagt Arnold Sevenich, Vorsitzender des Allgemeinen Bürgervereins. "Aber das ist ja mal kein Grund auf das Erntedankfest zu verzichten", sagt er, und erhält breite Zustimmung von allen Seiten. Gleichzeitig muss man kein eingeborener Urdenbacher sein, um dazuzugehören. Wie etwa Barbara Miller, sie zog vor drei Jahren nach Urdenbach. "Und ich liebe diesen Umzug", sagt Miller, die aus ihrer Wohnung die Zuschauer am Straßenrand mit Getränken versorgt.

Der diesjährige Erntedank-Button, ein Anstecker mit handgemalter Schürreskarre, Rhein und Herz, stammt übrigens aus Kanada. Er wurde von Gabriele Kück zum Wettbewerb eingereicht, sie lebt heute in Kelowna, British Columbia.

Quelle: RP
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