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Düsseldorf
Ganz viele Jäger und eine Tierschützerin

Düsseldorf. Erstmals in der Geschichte tagte der Jagdbeirat in öffentlicher Sitzung. Einblicke in eine Welt mit Waschbären und frechen Gänsen. Von Thorsten Breitkopf

Im Hochsauerland oder in der Eifel sind Jagdbeiräte bekannte Gremien. Wo Hirsch und Wildschwein sich abendlich in großer Zahl gute Nacht sagen, sind die Menschen mit der Jagd vertraut. Düsseldorf dagegen ist nicht das, was man eine jagdliche Hochburg nennt. Die meisten Flächen sind bebaut. Und in dem kleinen grünen Rest tummeln sich hundertmal mehr Erholungssuchende als Wildtiere. Für viele Menschen in der Großstadt ist Jagd etwas Fremdes. Kein Paradies für Jäger also. Und doch gibt es sie in der Rhein-Metropole. Ihr höchstes hoheitliches Gremium ist der Jagdbeirat. Der ist kein Plauderkreis, sondern ein vom Gesetz vorgeschriebenes Beratungsgremium für die untere Jagdbehörde - also das Ordnungsamt.

Und das Gesetz regelt genau, wer in dem Gremium sitzt: Drei Jäger, drei Mitarbeiter der Jagdbehörde (von denen zwei nur Schriftführer sind), zwei Landwirte, drei Förster, ein Vertreter des Naturschutzes (in diesem Fall ein Abgesandter des Waldbauernverbandes), ein Vertreter der Forstbehörde und ein Tierschützer. Zum ersten Mal dabei war Monika Piasetzky, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Und da Waldbauern, Bauern, Förster und Waldbesitzer nicht selten auch Jäger sind, saßen im Raum an der Worringer Straße gestern ganz viele Waidmänner und eine Tierschützerin.

Das Novum der gestrigen Sitzung: Seit der jüngsten Novelle des NRW-Jagdgesetzes ist die Sitzung des Jagdbeirates öffentlich. Zum ersten Mal also in der Geschichte des Gremiums durfte die Presse teilnehmen.

Aber was bereden die Jägersleute so in ihren bislang geheimen Sitzungen? Zunächst wurde Jürgen Wippermann zum Kreisjagdberater wiedergewählt, einstimmig, also auch mit der Stimme der Tierschützerin. Dann folgte der wichtigste Teil, der auch die Tierschützerin nicht kalt ließ: die Streckenmeldungen. Von den weniger als 90 Rehen, die in Düsseldorf im vergangenen Jagdjahr (das im April endet) zur Strecke kamen, wurde mehr als ein Drittel überfahren, neun davon Kitze, weitere zehn wurden auch nicht erlegt, sondern tot aufgefunden. Für den Beiratsvorsitzenden Gerd Spiecker, Chef der Kreisjägerschaft, die Chance, über Methoden zu reden, wie man die Zahl überfahrener Rehe reduzieren kann. Dann fachsimpelten die Männer über Reflektoren und störende Geocacher, über Wald, der zu dicht am Straßenrand steht, Flächen neben Schnellstraßen, Unterholz und Vieles mehr, das Wildunfälle verhindern könnte. Vielleicht taten sie das auch, um die Tierschützerin ein wenig zu beeindrucken. Auch wenn Jäger selbstverständlich Tiere erlegen, möchten sie auf keinen Fall, dass sie sinnlos überfahren werden.

Jäger können aber auch lästern über die Tiere. Gestern war es die Nilgans, die dran glauben musste. Frech sei die, verjage ihre Jungen nach kurzer Zeit, mache mit der Kanadagans zusammen die Freibäder dreckig und vertreibe die heimische Stockente - Jäger, Förster, Waldbauern waren sich einig. 70 Nilgänse wurden vergangenes Jahr erlegt, nichts im Vergleich zu den fast 2000 Ringeltauben und den 1400 Wildkaninchen. Dann wurden auch die alten Jagdhasen überrascht: Laut Streckenmeldungen gibt es jetzt Waschbären in Düsseldorf. "Die hatten wir hier noch nie", sagt Spiecker. Die Tiere waren vor 40 Jahren im hessischen Kellerwald ausgebüxt, verbreiten sich seitdem immer weiter nach Westen und sind mancherorts eine Plage, weil die niedlichen Tiere die Mülltonnen plündern. Zum Schluss befragten die Beiräte noch ihr neues Mitglied vom Tierschutz, wie viele streunende Katzen es so gebe, und ob auch welche kastriert würden. "Ich hatte vorher ein komisches Gefühl", sagte Tierschützerin Piasetzky nach ihrer Premiere. Aber sie habe sich freundlich begrüßt gefühlt von den Jägern, und auch ernst genommen.

Dass Jäger, Förster und Waldbauern in zeitlich großzügigen Dimensionen denken, zeigte der letzte Tagesordnungspunkt "Terminabstimmung". Das Gremium trifft sich laut Absprache nun das nächste Mal am 6. April 2017. Kein Tippfehler.

Quelle: RP
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