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Düsseldorf
Garage unter Carlsplatz wäre Mammutaufgabe

Düsseldorf: Garage unter Carlsplatz wäre Mammutaufgabe
Ekkehard Vincon und Manfred Kornfeld erläuterten beim Gespräch im Wirtschaftsclub ihre Pläne. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Das neue Vorstands-Tandem der Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) spricht über die neue Aufgabenteilung, die Pläne für das Albrecht-Dürer-Kolleg - und die Konsequenzen ihres Unternehmens aus der "Champagner-Affäre".

An der Spitze der städtischen Immobilientochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) gab es einen kurzfristigen Wechsel: Denis Rauhut wurde freigestellt, der bisherige Prokurist Manfred Kornfeld ist neuer kaufmännischer Vorstand. Ab 1. September bildet er mit Ekkehard Vincon (bisher Prokurist und technischer Leiter) eine Doppelspitze.

Herr Kornfeld, Herr Vincon, die IDR wird künftig zwei Chefs haben. Wie teilen Sie sich die Arbeit?

Kornfeld Die IDR hat auch in der Vergangenheit schon häufiger zwei Vorstände parallel gehabt. Die Geschäftsordnung sieht vor, dass der kaufmännische Vorstand für die Finanzierungsthemen und das Personal zuständig ist, und der Techniker... Vincon ... der Techniker verantwortet die Entwicklung neuer Immobilienprojekte, betreut die laufenden Bauarbeiten und dann auch die fertigen Objekte.

Bei aller formalen Gleichberechtigung - wer von Ihnen wird der "Primus inter pares" sein?

Vincon Es gibt keinen. Es wird einen Sprecher des Vorstandes geben, der aber noch nicht bestimmt ist. Das ist Sache des Aufsichtsrates. Kornfeld Es kann sogar sein, dass es gar keinen geben wird. Wir sehen das auch nicht so, dass zwingend einer von uns die führende Rolle übernehmen muss. Wir haben im Prinzip klar abgegrenzte Bereiche, haben uns auch in der Vergangenheit schon immer sehr eng ausgetauscht. Auch bei Unstimmigkeiten werden wir sicherlich immer Lösungen finden.

Welche Nachteile hat es, dass Sie beide seit Jahren bei der IDR sind und dass nicht jemand mit einem frischen Blick in den Vorstand geholt wurde?

Kornfeld Die Frage ist doch, ob man überhaupt großartig etwas verändern will. Das Geschäftsmodell der IDR ist knapp 120 Jahre alt, wir haben in den vergangenen Jahrzehnten viele große Dinge in Düsseldorf entwickelt, darunter so spektakuläre Projekte wie die Arena und den Dome. Ich denke, dass wir genau in dieser Richtung auch weiter arbeiten werden.

Wenn es so ein Erfolgsmodell wäre, würde nicht in kurzer Zeit zum zweiten Mal der Vorstand ausgetauscht. Warum musste Herr Rauhut gehen?

Vincon Das kann nur der Aufsichtsrat wirklich beantworten. Letztlich ist es aber nicht eine Sache der wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens. Denn die sind gut. Man kann natürlich spekulieren, was wir jetzt aber nicht tun werden.

Wie stehen Sie denn persönlich zu Herrn Rauhut?

Kornfeld Wir haben fast fünf Jahre lang zusammengearbeitet und in dieser Zeit auch einige neue Projekte angestoßen. Die Zusammenarbeit war von unserer Seite aus jedenfalls gut.

Rahmenbedingungen verändern sich mit der Zeit. Was werden Sie im Unternehmen ändern?

Vincon Vom System her nichts. Wir haben neben Highlights wie den Großprojekten Messe, Esprit-Arena, ISS Dome, Steuerung Kö-Bogen oder Albrecht-Dürer-Kolleg ja auch das ganz normale gewerbliche Tagesgeschäft. Es ist aber so, dass die Menge der Aufgaben immer mehr zunimmt. Insofern sind wir dabei, im Bereich Projektentwicklung das Personal aufzustocken und einige Arbeitsplätze neu zu schaffen.

Es gibt auch Pläne, aus der IDR AG eine GmbH zu machen - so dass der Aufsichtsratschef, Oberbürgermeister Geisel, weitreichendes Durchgriffsrecht hätte. Werden Ihnen dadurch die Hände gebunden?

Kornfeld Wir haben auch mitbekommen, dass es diese Überlegungen gibt. Das sehen wir aber entspannt, denn letztlich muss man sich fragen, was sich damit tatsächlich ändern würde. Welche Handhabe hat denn in der Praxis ein Vorstand in einer AG gegen einen alleinigen Gesellschafter, wie es die Stadt ist? Da ist der Spielraum auch eher gering.

Welche Großprojekte sind aktuell Ihre größten Herausforderungen?

Vincon Zuallererst ist da natürlich das Albrecht-Dürer-Kolleg, das wir in Benrath mit einer Geschossfläche von 22.000 Quadratmetern realisieren. Das ist gerade sehr im Fokus bei uns.

Ein sehr langwieriges Thema. Zwischenzeitlich war ein Standort an der Völklinger Straße im Gespräch, am Benrather Standort wurden Altlasten befürchtet. Wird es noch mehr Probleme geben?

Vincon Es gab in der Tat eine lange Vorgeschichte. Inzwischen läuft das Projekt aber gut. Wir sind derzeit mit einem IDR-Team aus sechs Ingenieuren und Architekten vor Ort, die das Ganze zügig vorantreiben. Seit Januar sanieren wir das Grundstück auf Basis eines Konzepts, das wir mit dem Umweltamt erarbeitet haben. Wir sind dabei bisher auch nicht auf Überraschungen gestoßen. Wenn alles so weiter läuft, werden wir zum zweiten Quartal 2018 das Gebäude an die Stadt übergeben.

Ein großes Thema ist die Debatte, ob das IDR-Parkhaus am Carlsplatz abgerissen und eine Tiefgarage dort gebaut wird. Wie sehen die Pläne aus?

Kornfeld Man muss sich überlegen, welche Konsequenzen es hätte, wenn man tatsächlich eine Tiefgarage unter dem Carlsplatz bauen würde. Es gibt dort eine Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg, die zuvor erstmal abgebaut werden müsste. So etwas ist eine absolute Mammutaufgabe.

Was würde das für die Carlsplatz-Anlieger bedeuten?

Kornfeld Das wären massive Einschränkungen über Jahre, für die Anwohner ebenso wie für die Händler. Und es würde einen erheblichen auch finanziellen Aufwand mit sich bringen. Deswegen werden wir von unserer Seite da nichts unternehmen und erst einmal abwarten, ob die Politik in dieser Sache auf uns zukommt.

Was ist die Alternative für die Flächen, die durch die Aufgabe der Tankstelle dort frei wird?

Vincon Es könnte zum Beispiel ein Nahversorger dort hinkommen. Das müssen aber in der Nachbarschaft zum Carlsplatz nicht unbedingt Lebensmittel sein; wir sind auch im Gespräch mit einem Anbieter, der dort hochwertige Küchenausstattungen anbieten möchte. Kornfeld Wir müssen einfach prüfen, was die beste Lösung ist. Es ist auch denkbar, dass man auch nach der Schließung der Tankstelle beispielsweise einen Waschplatz für Autos dort erhält. Wenn es dafür den Bedarf gibt, dann könnten wir uns das gut vorstellen.

Es gibt in Düsseldorf derzeit eine lebhafte Debatte über die Ausschüttung von Tochter-Gesellschaften wie Messe und Sparkasse an die Stadt. Wie werden Sie da verfahren?

Kornfeld Man muss sehen, dass die IDR über viele Jahre - bis vor etwa drei Jahren - immer ihren kompletten Gewinn ausgeschüttet hat. Deswegen ist diese Situation auch nicht neu für uns.

Werden Sie in diesem Punkt also entgegenkommender sein als die Sparkasse?

Kornfeld Wenn man eine faire Regelung hat und sich an Absprachen hält, sehe ich da kein Problem. Wir schütten in einer Größenordnung von etwa 1,2 Millionen Euro aus. Das ist auch ein festgelegter Betrag, keine Quote. Das Geld von der Messe (Anm.: Die IDR hält 20 Prozent) leiten wir direkt an die Stadt durch.

Die IDR liegt noch bis heute im Rechtsstreit mit Ihrem Vor-Vorgänger Herrn Pröpper. Wie wirkt sich das aus?

Kornfeld Wir betrachten die ganze Geschichte um Herrn Pröpper mittlerweile als erledigt. Der Strafprozess läuft zwar noch, auch zwei oder drei Zivilprozesse, aber da wird man die Ergebnisse abwarten müssen.

Aber er war ja mal Ihr Kollege. Wie ist das auf der emotionalen Ebene?

Kornfeld Herr Doktor Pröpper war zugegebenermaßen nicht immer einfach. Mehr kann man dazu nicht sagen - wir schauen jetzt lieber nach vorne.

Aber hat die gesamte Korruptions-Affäre um angebliche Champagner-Geschenke nicht bis heute Auswirkungen auf die Stimmung in Ihrem Unternehmen? Wird da noch unbeschwert Champagner getrunken?

Vincon Wir sehen es immer wieder, dass die Begriffe "IDR" und "Champagner" in einem Satz genannt werden. Das erfreut uns natürlich nicht, weil wir viel lieber durch unsere Geschäftstätigkeit auffallen wollen und nicht durch solche Geschichten. Es gibt zu diesem Thema ja auch ein Urteil.

Macht die IDR denn noch Geschenke?

Vincon Wir haben seit dieser Geschichte eine sehr strenge Compliance-Richtlinie. Aber damit sind wir ja nicht alleine, das ist inzwischen in vielen Firmen so. Wir verschenken jedenfalls absolut nichts mehr. Unsere Geschäftspartner bekommen zu Weihnachten eine freundliche Karte.

THORSTEN BREITKOPF UND NICOLE LANGE FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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