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Serie Wohnen In Düsseldorf
Garath, Hochhaus, siebter Stock

Serie Wohnen In Düsseldorf: Garath, Hochhaus, siebter Stock
Kathi K. liebt die Fernsicht aus ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung im siebten Stock des Hauses in Garath. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. An der Josef-Maria-Olbrich-Straße leben Menschen vieler Nationalitäten unter einem Dach. Problemlos, wird von den Bewohnern versichert. Von Ute Rasch

Die Bahngleise zerschneiden Garath in zwei Hälften. Das geteilte Zentrum bietet Blumenladen, Frisör, Apotheken, Supermärkte, Schnellimbiss. Im Gemüseladen gibt's Weißkohl für 99 Cent - die Köpfe groß wie Fußbälle. Gegenüber ermuntert ein Plakat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Lesen und Schreiben zu lernen. Es zeigt einen Mann auf einem Schwimmbad-Sprungbrett: "Nut Mut! Der nächste Schritt lohnt sich." Ein paar Minuten von dieser Ortsmitte entfernt steht Kathi K. am Fenster ihrer Wohnung und genießt Fernblick. Ihr Zuhause ist ein Hochhaus an der Josef-Maria-Olbrich-Straße, sieben Stockwerke, helle Fassade, vorgebautes Treppenhaus. An der Haustür 56 Klingelschilder. Typisch Garath. Tatsächlich? Frage an die Expertin: "Frau K., wie lebt es sich in diesem Haus?"

Sie lässt nichts kommen auf ihren Stadtteil. Das schon mal vorweg. "Ich weiß, dass der Stadtteil nicht den besten Ruf hat", sagt sie. Aber das sei nicht gerechtfertigt. Als sie mal eine Weile in Leverkusen gelebt hat, "da hab' ich Garath regelrecht vermisst." Hier wohnen ihre Freunde, hier hat sie ihren Job als Geschäftsführerin in einem polnischen Spezialitätengeschäft. Deshalb will sie auch nicht, dass ihr kompletter Name in der Zeitung steht. "Mich kennen so viele hier, die müssen ja nicht alle wissen, wie es bei mir zu Hause aussieht." Gegenüber ist ihr Sohn in den Kindergarten gegangen, nur ein paar Minuten entfernt beginnt der Wald, "den ich liebe."

Die früher staatliche Landesentwicklungsgesellschaft LG besitzt 1450 Wohnungen im Düsseldorfer Stadtteil Garath. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Abgesehen von dem Leverkusen-Intermezzo lebt Kathi K. seit 2005 in Garath. Und war froh, als sie bei ihrer Rückkehr in einem der Häuser, die der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) gehören, gleich wieder eine Wohnung fand - für sich und ihren Sohn. "Erst dachte ich, siebter Stock sei zu hoch, jetzt genieße ich mein Reich, den Blick, die Helligkeit." Ihr Reich, das ist eine Zwei-Zimmer-Wohnung von 55 Quadratmetern, für die sie 585 Euro Warmmiete zahlt. Zwei Zimmer, Küche, Diele, Bad, Balkon - Sonnenuntergänge inklusive. Sie schläft im Wohnzimmer, damit ihr Sohn, der heute zehn Jahre alt ist, ein eigenes Zimmer hat. Gleich neben der Eingangstür hängt ein Willkommensgruß: "Es passen viele Freunde in ein kleines Haus." Überall an den Wänden Fotos von Reisen, die Fernweh wecken und Talent erkennen lassen: "Mein Hobby."

Womit sie nun fast schon die Frage vom Anfang beantwortet hat: "Wir leben sehr gut in diesem Haus." Auch wegen der angenehmen Nachbarschaft. Die Klingelschilder verraten: Hier wohnen Menschen mit vielen verschiedenen Wurzeln unter einem Dach. Ins Erdgeschoss ist neulich eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien eingezogen, neben Kathi K. lebt eine Familie, die aus Afrika stammt, ansonsten Junge und Alte, viele Kinder. "Ich kann nur das Beste über die Leute im Haus sagen, alle gehen sehr nett miteinander um."

Diese positive Erfahrung teilt LEG-Hauswart Frank Dyla: "Als die syrische Familie einzog, hat gleich eine Nachbarin Hilfe angeboten." Ansonsten würde es in Garath nicht mehr Ärger mit Mietern geben als in anderen Stadtteilen. Dyla ist zuständig für die Vermietung, Wohnungsübergabe und Instandhaltung. Seit Anfang Januar müssen sich die Bewohner nicht mehr an ihn wenden, wenn mal der Wasserhahn tropft oder das Licht im Treppenhaus defekt ist, sondern können direkt die 24-Stunden-Hotline einer Firma anrufen, mit der die LEG kooperiert.

"Die Situation in Garath hat sich durchaus verbessert", lautet auch die Einschätzung von Klaus Mauersberger, Mitglied der Bezirksvertretung. Nachdem an der Lüderitzstraße Hochhausblöcke abgerissen wurden und dort eine Solarsiedlung entstand, ginge es mit dem Image des Stadtteils aufwärts. "Diese Siedlung bedeutet eine generelle Aufwertung."

Für Kathi K. zählen eher andere Dinge. Dass sie alle Einkäufe in Garath erledigen und sich mit Freunden in der Pizzeria treffen kann. "In die Stadt fahre ich eigentlich nur, um ins Kino zu gehen."

Quelle: RP
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