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Düsseldorf-Süd
Garather Chorleiterin singt auf Suaheli

Düsseldorf-Süd. So afrikanisch die Musik von Makwaya ist, so deutsch sind die Sänger des Chors. Mit Trommeln, Tänzen und bunten Gewändern holen sie ein Stück Afrika nach NRW: auf Suaheli und ohne Noten. Morgen geben sie ein Konzert in Wuppertal. Von Christiane Kreder

Wie aus einer anderen Welt sieht es aus, wenn die Sänger von Makwaya in ihren bunten Gewändern die Bühne betreten: Warme, volle Klänge breiten sich durch den Raum aus. "Himba mwimbieni wimbo mpya" (singt dem Herrn ein neues Lied) singt der Chor auf Suaheli, begleitet von dem schnellen Rhythmus der Djembe: Dum du-dum, dum du-dum. Rasselnd setzt eine Kalibasse ein. Wer die Augen schließt, glaubt fast, in Afrika zu sein. Langsam erreicht die Musik die Füße und die Arme. Als Zuhörer ist an Stillsitzen nicht mehr zu denken.

So afrikanisch die Musik von Makwaya ist, so deutsch sind die Chormitglieder, von denen einige aus verschiedenen Stadtteilen Düsseldorfs kommen. Chorleiterin Sabine Glückmann und ihr Ehemann kommen zum Beispiel aus Garath, andere aus Benrath. Andere Chormitglieder kommen aus Städten wie Remscheid, Wuppertal und Solingen. Afrikanische Wurzeln hat niemand. Die Begeisterung für die Musik ist bei den 30 Sängern zwischen 20 und 70 Jahren aber ungebrochen. "Die Texte sind einfach gehalten, die Melodien und Rhythmen für westliche Ohren eher ungewöhnlich. Viele Chormitglieder sind vor allem von der Fröhlichkeit der Lieder begeistert", sagt Sabine Glückmann. Diese Fröhlichkeit gilt selbst für hoch politische Lieder wie das Stück "Sesebacha" aus Südafrika. Das Lied entstand als Kampflied gegen das Apartheid-Regime und soll mit seiner leichten Melodie Zuversicht und Hoffnung auf ein freies Land stärken.

Ihre persönliche Begeisterung für Afrika entwickelte Sabine Glückmann früh. Neben dem Studium in Wuppertal lernte die 53-Jährige vor allem die südafrikanische Kultur in einer Anti-Apartheid-Gruppe und einem Trommelkurs kennen. Als für ein Konzert Sänger gesucht wurden, sprang sie mit einigen anderen ein. Aus einem Auftritt wurden drei, schließlich gründeten sie Makwaya.

18 Jahre später kennt der Chor über 60 Stücke, darunter politische Lieder, Kirchen- und sogar Weihnachtslieder. Der Chor singt zwar auf Suaheli, Glückmann übersetzt die Lieder vor den Proben allerdings immer ins Deutsche. Denn einige afrikanische Texte kommen bei Sängern und Publikum nicht ganz so gut an: "Einmal haben wir in einem Workshop einen Tanz und den Gesang dazu gelernt. Beides war dann für ein Beschneidungsritual. Das wollten wir dann natürlich nicht singen." Neben den leichten und fröhlichen Liedern gehören auch getragene "Hymnen" zu Makwayas Repertoire. Nach afrikanischem Vorbild verzichtet der Chor hier auf die Tänze und das Trommeln. Wie zum Beweis stimmt der Chor "Meguru" (sinngemäß: Herr im Himmel, erbarme dich uns Menschen auf Erden, zeige uns deine Liebe), ein Lied in der Sprache Kavango aus Namibia an. Wie ein warmer Schauer dringen die Stimmen durch den Raum. Trotz der ruhigen Melodie bleibt der Gesang kraftvoll. Der Chor strahlt Sabine Glückmann an, jede Silbe, jeder Ton wirkt nach. Als Zuschauer stellt sich da schon mal eine Gänsehaut ein und auch die Chorleiterin fährt mit den Fingern zum Auge. "Wenn mir die Tränen kommen, dann war es wirklich gut, das weiß der Chor schon", erklärt sie. Zum ersten Mal singt der Chor auch ein deutsches Weihnachtslied "Oh, du Fröhliche" - natürlich mit afrikanischen Rhythmen auf der Djembe.

Quelle: RP
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