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Initiative „Pro Gaslicht“
Gaslaternen als Weltkulturerbe?

Initiative „Pro Gaslicht“: Gaslaternen als Weltkulturerbe?
Laternen wie diese vom Typ „Alt-Düsseldorfer“ könnten als Dokument aus der Zeit der Industrialisierung erhalten bleiben. FOTO: centertv
Düsseldorf. Die Initiative "Pro Gaslicht" kämpft mit einem weiteren Argument darum, die alte Beleuchtung zu erhalten: Das zusammenhängende Netz von Gaslaternen sei weltweit einmalig und habe eine Chance auf die Unesco-Liste. Von Christian Herrendorf

Während die Düsseldorfer Politiker streiten, ob Schloss Benrath und/oder Kaiserswerth für die Liste des Weltkulturerbes kandidieren sollen, wird ein möglicher dritter Kandidat wieder ins Gespräch gebracht: die 17 007 Gaslaternen der Landeshauptstadt. Das zusammenhängende Netz der Leuchten erfülle die zentralen Bedingungen der Unesco, argumentieren die Mitglieder der Initiative "Pro Gaslicht". Als Netz sei es einmalig auf der Welt, zudem sei es ein authentisches Dokument der Industriekultur.

"Pro Gaslicht" kämpft darum, die Laternen in ihrer ursprünglichen Form zu bewahren, und damit gegen den Plan der Stadt, die Gasleuchten auf elektrische Lampen umzurüsten. Der Austausch kostet mindestens 4000 Euro pro Laterne. Neben Argumenten zu Kosten und Umweltschutz setzen die Befürworter dabei auch auf Emotion: "Gaslaternen sind ein Stück Heimat", sagt Mitglied Georg Schumacher. "Und ein Stück lebendige Industriegeschichte."

Die Befürworter sehen das Gaslicht als zentrales Element der Industrialisierung. Es sei das erste von Menschen hergestellte technische Licht, ohne dass die Arbeit in den Fabriken und ein Betrieb rund um die Uhr nicht möglich gewesen wäre. Zugleich sind die Laternen eng verbunden mit dem Bau der ersten Gaswerke und Leitungsnetze. So wird der älteste Typ unter den Düsseldorfer Gaslaternen, die "Alt-Düsseldorfer", bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt. Mehr als 4300 davon stehen noch in der Landeshauptstadt.

Derartige Laternen gibt es auch in anderen Städten noch (siehe Info). Allerdings werde keine andere auch heute noch so durch das Gaslicht geprägt, erklären die Befürworter. Mehr als ein Viertel der Straßenbeleuchtung besteht aus Gaslaternen (17 000 von rund 65 000 Stück).

Petition eingereicht

Unterstützung erhält "Pro Gaslicht" vom Landesamt für Denkmalpflege. Es bestätigt, dass das Netz der Gaslaternen ein "technikgeschichtliches Alleinstellungsmerkmal" sei. Diesen Zustand zu erhalten, sei ein "denkmalpflegerisch wertvolles" Ziel, erklärt die Behörde. Dies zeige unter anderem das Beispiel der tschechischen Hauptstadt Prag. Dort wurden die historischen Laternen zunächst abgeschafft. Inzwischen wurden rund 500 neue Gasleuchten installiert, die Abend für Abend manuell entzündet werden. Dies zeige, dass "diese aus der Geschichte gespeiste Qualität" der Laternen erkannt und genutzt werde, erklärte das Denkmalamt.

Alle Argumente haben die Befürworter auch in einer Petition an die Stadtverwaltung gerichtet. Auf die Antwort warten sie seit mehr als zwei Jahren.

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