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Gastbeitrag von Gabriele Henkel
Gaslaternen – typisch Düsseldorf

Gastbeitrag von Gabriele Henkel: Gaslaternen – typisch Düsseldorf
Die Kunstsammlerin und Kennerin der zeitgenössischen Kunst, Gabriele Henkel, wurde vor kurzem aus einem Düsseldorfer Krankenhaus entlassen. Dort hatte sie sich einer komplizierten Herzklappen-Operation unterzogen. FOTO: ddp
Düsseldorf. Designprofessorin und Kunstmäzenin Gabriele Henkel ist empört über die Pläne, künftig alle Straßenlampen mit Elektrizität zu betreiben. Für sie geht damit ein weiteres Stück Kultur verloren. Von Gabriele Henkel

Die Auseinandersetzungen über den Abbau der traditionellen Düsseldorfer Gaslaternen gehen inzwischen über den lokalen Streit hinaus. Es handelt sich nicht um Parkzonen, Einbahnstraßen oder Öffnungszeiten. Gegebenheiten, die meist mit einem Kompromiss geregelt werden können.

Dieses Mal geht es um Gefühl und Geschmack. Wie würde wohl die Öffentlichkeit bei den Maßnahmen reagieren, die Normaluhr an der Schadowstraße zur Digitaluhr umzubauen, das Jan-Wellem-Denkmal zu marmorieren oder das Wilhelm-Marx-Haus zur Hochgarage umzufunktionieren?

Bei der Umrüstung Gaslaternen handelt es sich um den fahrlässigen Umgang mit städtischer Identität, an der in der Landeshauptstadt inzwischen betrüblicher Mangel herrscht. 16 000 Gaslaternen geben der Stadt Einheitlichkeit und sanften Wiedererkennungswert. Und das Wichtigste: eine beständige Lichtqualität. Warm, honiggelb und schmeichelnd verführen die traditionellen Laternen zu Verabredungen und Rendezvous, und der Bürger fühlt sich geborgen.

In vielen Städten ist eine Rekonstruktion der traditionellen Laternen bereits im Gange. Dass die Gaslaternen seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst tun, spricht für ihre Langlebigkeit. Unbegreiflich, dass viel Geld ausgegeben wird, um eine unerwünschte Veränderung herbeizuführen. Sie schmälert Lebensqualität und beraubt Düsseldorf einer optischen Anmut.

Es gibt ein kleines Gemälde von Magritte: Eine Gaslaterne auf einem Platz vor einem Haus lädt die Menschen bei sinkendem Licht in den Abend. Ansichtskarten existieren überall. Magritte war ein belgischer Bürger. Er malte in seiner Wohnung. Er hat mit Sicherheit das Laternenbild mit Freude an diesem europäischen Objekt gemalt. Vielleicht ist Magritte überzeugender, zumal die Stadtverwaltung Unsummen für die fortschreitende Anonymisierung von Düsseldorf mit Hilfe der Steuerzahler ausgibt, und der Seele der Stadt mehr schadet als nützt.

Quelle: RP
 
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