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Serie "Kriegsende"
Gauleiter Florian - der ewige Nazi

Serie "Kriegsende": Gauleiter Florian - der ewige Nazi
In einer eigens angelegten Miniaturbahn ließ Gauleiter Karl Friedrich Florian (3.v.l.) sich mit Hermann Göring (2.v.l.) über die gigantische Propagandaschau "Schaffendes Volk" in Golzheim kutschieren. FOTO: Ullstein (1), Stadtarchiv Düsseldorf
Düsseldorf. Friedrich Karl Florian wollte Düsseldorf zur Musterstadt des Nationalsozialismus machen. Er regierte seinen Gau mit brutaler Härte und wich bis ins hohe Alter nicht von seiner Ideologie ab. Er starb 1975 im Alter von 81 Jahren. Von Stefani Geilhausen

An seinem Couchtisch mit den eingebrannten Hakenkreuzen und den Wappen seines Gaus belehrte Friedrich Karl Florian auch 20 Jahre nach Kriegsende noch Besucher über die Segnungen des Nationalsozialismus. Zwischen Gardinen mit eingewebtem Reichsadler und einem signierten Hitlerbild hatte sich der Rentner in Unterbach eingerichtet, wo er nicht müde wurde, die gute alte Zeit notfalls mit Hilfe des neuen Rechtsstaats heraufzubeschwören.

Bei der Eröffnung eines Kindergartens in Urdenbach 1944

Die Zeit, die der gelernte Grubenbeamte der preußischen Berginspektion festzuhalten suchte, dürfte seine beste gewesen sein. Schon 1929 war er Gauleiter geworden, gehörte in der Partei mithin zur alten Führungsgarde. Der Sohn eines Oberbahnmeisters, in Essen geboten und in Ostpreußen aufgewachsen, war im Ersten Weltkrieg als Unteroffizier im Luftkampf abgeschossen worden, war in britischer Gefangenschaft und betrachtete das wohl als politisches Trauma.

Seine Karriere in der NSDAP war rasant: 1925 avancierte Florian nur eine Woche nach dem Parteieintritt zum Ortsgruppenleiter und SA-Sturmführer, zwei Jahre später war er Leiter des Parteibezirks Emscher-Lippe und schließlich 1929 des späteren Gau Düsseldorf. Dort führte der Antisemit, dem Historiker eine eitle und egomane Persönlichkeit attestieren, früh ein hetzerisches Regiment, unterstützt vom Propaganda-Blatt "Volksparole".

Den 20. Juli 1944 nannte Florian "eine Prüfung", ließ tags darauf die Düsseldorfer Hitler die Treue schwören.

Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler wuchs ab Januar 1933 auch Florians Machtgefühl. Der Funktionär setzte den Düsseldorfer Oberbürgermeister Robert Lehr mit Hilfe einer Intrige ab, installierte eine linientreue Stadtverwaltung und Polizei und machte Quartier in Schloss Jägerhof. Von dort aus plante er die Umgestaltung Düsseldorfs nach Berliner Vorbild: 120 Millionen Reichsmark standen für Monumentalbauten im Etat. Bei Josef Goebbels kam sein Eifer nicht immer an: Der Propagandachef notierte 1937 in sein Tagebuch, Florian "arbeitet nichts, setzt nur Kreaturen ein!"

Trotzdem setzte sich der intrigante Gauleiter gegen jede Konkurrenz im Rheinland hinweg. Als im November 1938 in Paris Legationsrat vom Rath ermordet wurde, erklärte Florian den Mann wahrheitswidrig zum Düsseldorfer und ließ seinen Leichnam auf dem Nordfriedhof bestatten - mit allem Pomp und in Anwesenheit des Führers.

Dem folgte Florian mit glühendem Fanatismus in den Krieg, gab Durchhalteparolen für die Bevölkerung aus und griff hart gegen alle Kritiker durch. Einen Tag nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler ließ er die Düsseldorfer dem Führer Treue schwören, während potenzielle Verschwörer in Konzentrationslagern verschwanden. Patienten der Heil- und Pflegeanstalten in Grafenberg ließ er deportieren; später erklärte er, er habe nicht gewusst, dass sie ermordet wurden. Und so großzügig er die Gauhauptstadt geplant hatte, so plante er auch ihren Untergang: Sein Befehl, die Stadt niederzubrennen, damit die Alliierten eine Wüste vorfänden, wurde am 29. März 1945 aber wegen Papiermangels nicht veröffentlicht.

Florian setzte sich ab, kurz bevor die Amerikaner die Stadt erreichten. Als die Stadt in den 1960ern eine Studie veröffentlichte, die seine Rolle als Gauleiter beleuchtete, überzog er Rathaus und Historiker mit Klagen und berief sich auf ein Urteil, das ihn 1949 rechtskräftig vom Vorwurf der Verbrechen gegen die Menschlichkeit freigesprochen hat.

Quelle: RP
 
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