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Die Woche Im Rathaus
Geisel bei Stadtsparkasse auf dem Ego-Trip

Das ist Thomas Geisel – OB in Düsseldorf
Das ist Thomas Geisel – OB in Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)
Meinung | Düsseldorf. Der Streit um die Ausschüttung von 26 Millionen Euro droht für den Oberbürgermeister zur ersten großen Niederlage zu werden. Was wird er daraus lernen?

Thomas Geisel ist Marathonläufer. Was er sich vorgenommen hat, will er auch erreichen. Da hat er einen langen Atem, Zwischentiefs können ihn nicht wirklich zurückwerfen. Das ist sein Selbstverständnis. Deutlich wurde das bereits gleich nach seinem Amtsantritt auf der Immobilienmesse Expo Real, als er nicht die Rahmendaten des Handlungskonzepts Wohnen, auf das sich auch die neue Ratskoalition geeinigt hatte, proklamierte, sondern seinen Wunsch von 30 Prozent Sozialwohnungen bei Neubauvorhaben als neue Marschroute vorstellte. Da gab es postwendend Kritik aus der Ratsmehrheit, die Geisel aber nicht wirklich irritierte.

Zähigkeit und Durchhaltewillen sind bei Geisel auch jetzt zu erkennen, und dies gleich bei zwei wichtigen Themen. Beim Kö-Bogen will er für das städtische Teilgrundstück, das rund 2000 Quadratmeter groß ist und für das geplante Ingenhoven-Tal benötigt wird, 100 Millionen Euro einnehmen. Taxiert wird es von den Gutachtern der Käufer auf 30 Millionen Euro. Die Vorstellungen liegen also weit auseinander, und es bleibt abzuwarten, wohin der Poker führt und ob ein höherer Preis nicht Abstriche bei der Architektur bedeutet. Viele Beobachter werden Geisel applaudieren, wenn er einen höheren Preis erzielt als ursprünglich angenommen, denn das schafft der Stadtpolitik angesichts zusätzlicher Lasten und schwindender Rücklagen neue Spielräume.

Bei der Stadtsparkasse dürfte sich der Marathonläufer Geisel aber verrannt haben - und wie es derzeit aussieht, läuft er sogar vor eine Wand. Da das kommunale Kreditinstitut 2014 einen Gewinn von 132 Millionen Euro erzielt hat, fordert er 26 Millionen Euro als Ausschüttung an die Stadt. Wenn heute der Bilanzausschuss der Stadtsparkasse zusammentritt, wird es aber wohl erneut ein Votum im Sinne des Vorstands geben, und der möchte das Geld komplett in die Rücklage stecken. Schließlich muss er in den nächsten Jahren weitere 70 Millionen auf die Seite legen. Geisel habe sich verbissen, ist von Kritikern zu hören, manche nennen ihn sogar einen Terrier, der sich mit dem Vorstand mittlerweile selbst um Kleinigkeiten streite. Die Auseinandersetzung um die Stadtsparkasse droht die erste große Niederlage Geisels zu werden. Man darf sicher sein: Er wird sie nicht vergessen.

Quelle: RP
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