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Michael Grütering
"Geisel muss sich zu Industrie bekennen"

Michael Grütering: "Geisel muss sich zu Industrie bekennen"
Michael Grütering ist Geschäftsführer der Düsseldorfer Unternehmerschaft und der Arbeitgeberverbände. FOTO: Andreas endermann
Düsseldorf. Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft fordert vom Oberbürgermeister mehr Engagement für Industrieunternehmen. Er fordert einen Ausbau des Reisholzer Hafens zu einem modernen Containerterminal.

Herr Grütering, es scheint, dass Düsseldorf sich stärker als je zuvor von seiner Industrie verabschiedet. Teilen Sie den Eindruck?

Grütering Aus Sicht der Unternehmerschaft ist ein klareres Bekenntnis der Stadtspitze zur Düsseldorfer Industrie erforderlich. Der Fokus liegt auf Start-ups oder Kreativwirtschaft. Dabei wird ganz offensichtlich vergessen, welche große Rolle das produzierende Gewerbe in Düsseldorf noch immer spielt.

Man kann aber auch auf dem Standpunkt stehen, dass lärm- und schmutzintensive Industrie nicht in eine so dicht besiedelte Landschaft wie den Ballungsraum Düsseldorf gehört...

Grütering Wer so denkt, der verkennt den Stellenwert der heimischen Industrie. Werbung, Mode, Dienstleistungen und Co. sind eine gute Sache. Aber 25 Prozent der Wertschöpfung Düsseldorfs wird von der Industrie erbracht. Und wenn man die Arbeitsplätze betrachtet, dann arbeiten sogar 30 Prozent der Düsseldorfer Beschäftigten bei einem Industrieunternehmen.

Aber Industrieunternehmen sind durch ihre großen Werke doch ohnehin langfristig an den Standort Düsseldorf gebunden?

Grütering Dass dem nicht so ist, hat man an dem Fall Metso Lindemann gesehen. Das Unternehmen hat seine Produktion in Düsseldorf verlassen. Klar haben Henkel, Vallourec, Terex oder Komatsu Mining ihre Produktionsstätten in Düsseldorf. Doch diese Großkonzerne haben Dutzende andere Standorte. Bei konjunkturellen Schwankungen, Produktionsumstellungen oder anderen Veränderungen werden diese Unternehmen jedes Mal aufs Neue fragen: Welcher Standort ist für mich der günstigste? So handelt jedes wirtschaftliche Unternehmen. Und das muss auch die Stadt Düsseldorf im Blick haben. Düsseldorf muss als Industriestandort attraktiv sein und bleiben. Die Industrie ist doch die Basis für unseren Wohlstand. Düsseldorfer sind stolz auf Henkel. Aber Industrieproduktion wollen sie nicht vor ihrer Tür haben. Ich beobachte eine zunehmende Entfremdung einiger Düsseldorfer von der Industrie.

Was sollte die Stadtspitze konkret tun?

Grütering Oberbürgermeister Thomas Geisel sollte seinen Fokus nicht allein auf Neuansiedlungen und Gründer haben, sondern auch auf die Unternehmen, die bereits in Düsseldorf sind und Tausende Menschen beschäftigen. Denken Sie etwa an den Kranbauer Terex, früher Demag Cranes, im Düsseldorfer Hafen. Der fordert seit Jahren, dass eine Unterführung an der Bahnlinie gebaut wird, damit die mit Kranen beladenen Schwertransporte in den Hafen fahren können. Und bislang tut sich nichts. Einmal pro Woche fährt heute ein Schwertransport nachts über die Gleise. Dafür muss konkret der Zugverkehr entlang der Rheinschiene unterbrochen werden. Sogar die Oberleitungen müssen kurz angehoben werden. Das ist doch seit Jahren ein unzumutbarer Aufwand. So aufwendig kann doch der Bau einer Unterführung nicht sein. Dieser Sache muss sich der OB endlich annehmen.

Ihre Mitgliedsunternehmen fordern den Ausbau des Reisholzer Hafens zu einem modernen Containerhafen und Terminal. Die Anwohner demonstrieren bereits dagegen...

Grütering Angesichts überlasteter Straßen wird die Binnenschifffahrt zunehmen. Und die Existenz eines Binnenhafens, die Lage an einem großen Binnenschifffahrtsweg wie dem Rhein wird in Zukunft der entscheidende Wettbewerbsvorteil bei der Standortwahl. Diesen einmaligen Vorteil dürfen wir uns doch nicht einfach nehmen lassen.

Dennoch wird der Hafen Lärm und Verkehr bringen...

Grütering Ich sage nicht, dass er keinen Lärm und keinen Verkehr bringt. Aber es wird nicht zu einer unverhältnismäßigen Mehrbelastung für die Bürger kommen.

Die verweisen auf den bestehenden Hafen in Duisburg.

Grütering Wir brauchen den Hafen im Düsseldorfer Süden, dort, wo unsere großen Industrieunternehmen sind, und nicht in der Nachbarstadt.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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