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Kolumne Auf Ein Wort
Geiz ist überhaupt nicht geil

Düsseldorf. "Geiz ist geil" - "Letztlich zähle nur ich": Wem sind diese Worte nicht vertraut? Offen gesagt, als die "Geiz ist geil"-Welle vor Jahren anbrach, da habe ich mich zutiefst geärgert. Und geschämt. Denn das war ein Schlag ins Gesicht all derer, die nicht mit ihrer Zeit geizen, die Freude daran haben, für andere da zu sein und nicht die scheinbare Selbstoptimierung zum obersten Prinzip erheben. Gewiss, wenn es um's Haben und Besitzen geht, dann hat das eigene "Ich" die Nase vorn. Wie bei der Schnäppchen-Jagd.

Aber wenn es um das wirkliche, das alltägliche Leben geht, dann richtet sich eine Gesellschaft zugrunde, die nur um sich selbst kreist. Für uns selbst haben wir dann alles - aber nichts für andere neben uns und auch nichts für die Generation morgen. Gottlob denken nicht alle so. Es gibt auch heute viele, die bereit sind, für andere da zu sein, ohne dafür entlohnt zu werden. An sie richten sich in diesen Tagen drei Plakate auf Freiflächen der Litfaßsäulen in Düsseldorf. Wir sehen sie schon von fern: einen Mann, eine Frau auf grünem Hintergrund, die ihr Herz, ihre Hand, ihr Denken und Tun verschenken. Die dreifache Darstellung spricht uns schon von weitem an. Denn das, was die Menschen auf den Plakaten tun, macht sie liebenswert. Sie teilen von sich aus. Und darum lautet auch die Botschaft darüber: "Teilen macht menschlich."

Diese Plakate wollen Mut machen - Mut zur Menschlichkeit. Denn Teilen ist mehr als Geben, es ist ein Nehmen und Geben, ein Verschenken und Empfangen zugleich. Und das schon im Alltag: Wie oft ist der, der gibt, der am Ende Beschenkte! Dieses Teilen entspringt der freiwilligen, unentgeltlichen Hinwendung zum Nächsten, der Nächstenliebe. So wie beim "gutenachtbus", so wie bei "Hallo Nachbar!", mit denen ich es täglich zu tun habe. Diese Liebe macht uns menschlich, sie macht das Leben lebenswert. Und was wir von der Gesundheit sagen, das gilt noch mehr für die Liebe: Sie ist gewiss nicht alles in dieser Welt, aber ohne sie ist alles nichts.

BRUDER PETER AMENDT LEITET "VISION:TEILEN", EINE FRANZISKANISCHE INITIATIVE GEGEN ARMUT UND NOT.

Quelle: RP
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