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Düsseldorf
Gepflanzt werden kann in jeder Baulücke

Düsseldorf: Gepflanzt werden kann in jeder Baulücke
FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Elisabeths Garten im Westflügel von Schloss Benrath ist das größte Urban-Gardening-Projekt in der Landeshauptstadt. Von Marc Ingel

Die Tomaten sind winzig, aber überraschend saftig und lecker. Das Hochbeet mit den "Möscheeiern", einer längst in Vergessenheit geratenen und kaum noch kultivierten Bohnensorte, ist dagegen bereits weitgehend abgeerntet, nur noch wenige der rot-weiß gesprenkelten Stangenbohnen, die eher aussehen wie kleine Spatzeneier, hängen an dem Strauch. Gut gefüllt sind dagegen die Lärchenholzkisten mit wilden Kräutern - Schnittlauch, Bärlauch, Salbei so weit das Auge reicht.

Seit vergangenem Jahr ist im Innenhof des Westflügels von Schloss Benrath Elisabeths Garten untergebracht. In rund 60 Hochbeeten wachsen mehr als 50 regionale, vielfach aber auch historische, weil in der ertragsoptimierten Landwirtschaft eben kaum noch anzutreffende Gemüsesorten - alles unter streng biologischen Gesichtspunkten, versteht sich. Es gibt weitere Satelliten-Gärten an der Haifastraße (Düsselgrün) und im Zentralschulgarten am Räuscherweg, auch in der Flüchtlingsunterkunft an der Benrodestraße ist neuerdings eine kleine Dependance eingerichtet worden.

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Das Projekt verfolgt mehrere Ziele, die nach dem ersten Jahr durchaus umgesetzt werden konnten, wie Sabine Klaucke, die in Elisabeths Garten Führungen anbietet, betont: "Zum einen wollen wir den Menschen aus der Großstadt hier die Möglichkeit bieten, selbst zu gärtnern." Das werde gut angenommen, immer mittwochs und samstags können gestresste Bürohengste hier beim Säen, Jäten, Gießen, Hegen wie Pflegen und nicht zuletzt natürlich dem Ernten mal so richtig abschalten. Aber auch Kindergärten und Schulen sollen in Unterrichtseinheiten die Nähe zur Natur sowie für sie in der Regel unbekannte Gemüse- und Obstsorten kennenlernen. "Das finden die Kinder natürlich ganz toll, etwas mit ihren eigenen Händen zu pflanzen, was dann später blüht. Manchmal machen wir zusammen auch einen Kräuterquark oder ein leckeres Pesto", berichtet Klaucke.

Und dann gibt es da noch einen Ansatz, den man mit Elisabeths Garten verfolge: "Wir wollen zeigen, dass auch die Stadt jederzeit Chancen bietet, selbst etwas anzupflanzen - jeder Garten, Balkon oder Hinterhof, auch Baulücken. Das ist ja der Vorteil unserer mobilen Hochbeete, die keinen direkten Kontakt mit dem Boden haben. Da ist es dann sogar egal, wenn der schadstoffbelastet ist", erklärt die Biologin.

Wer intensiver in die Feinheiten der städtischen Gärtnerei, die neudeutsch gerne als Urban Gardening bezeichnet wird, eintauchen möchte, erfährt hilfreiche Tipps von Sabine Klaucke. Etwa, dass die Schädlingsbekämpfung auf ganz natürliche Weise geschehen kann: "Oft hilft es schon, wenn man bestimmte Pflanzen nebeneinander in die Erde bringt. So vertreibt die Möhren- die Zwiebelfliege und umgekehrt." In den hierzulande oft wenigen Sommermonaten könne man zudem dem Frühling mit ein wenig künstlicher Wärme auf die Sprünge helfen: Indem zum Beispiel Gemüsesamen in Salatschalen ausgesät und innen an einem hellen und mäßig warmen Ort gestellt werden. "Mitte Mai, wenn die Jungspflanzen kräftig genug und die Eisheiligen überstanden sind, dürfen die Pflanzen dann in den Garten", verrät Klaucke.

Quelle: RP
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