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Prozess um geplanten Anschlag in Düsseldorf
Mitangeklagte machten falsche Angaben zu ihrer Identität

Video: Prozess um IS-Anhänger in Düsseldorf – das wird den Angeklagten vorgeworfen
Düsseldorf. Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt: IS-Terroristen sollten im Auftrag des Islamischen Staats in Düsseldorf ein Blutbad anrichten. Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht will der Hauptangeklagte am Nachmittag aussagen. 

Drei mutmaßliche IS-Terroristen müssen sich seit Mittwoch vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Laut Anklage wollten sie in der Altstadt von Düsseldorf ein verheerendes Blutbad anrichten: Der Bundesanwaltschaft zufolge sollten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft sprengen, dann sollten weitere Terroristen möglichst viele flüchtende Menschen erschießen.

Der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle, der Syrer Saleh A. (30), hatte sich im Februar 2016 in Paris gestellt. Daraufhin waren seine mutmaßlichen Komplizen Anfang Juni 2016 unter anderem in einer Asylunterkunft in Brandenburg festgenommen worden. Der Auftrag für den Anschlag soll Saleh A. bereits 2014 von der Führungsebene der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) erteilt worden sein.

Verteidiger zweifeln an Aussage von Saleh A.

Die Verteidiger von zwei Angeklagten hatten vor dem Prozess Zweifel an den Aussagen des mutmaßlichen Kopfes der Terrorzelle geäußert. Was seinen Mandanten angehe, stimme nicht einmal dessen Name und Nationalität, sagte Rechtsanwalt Marvin Schroth. Sein Mandant sei kein Syrer, sondern Algerier. Und in dem Zeitraum, in dem ihn die Anklage in einem IS-Ausbildungscamp in Syrien vermutet habe, habe er in Algerien seinen Militärdienst geleistet.

Das ist der Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)

Und so gaben die Mitangeklagten Hamza C. (29) und Mahood B. (26) am Mittwoch im Prozess zu, zunächst falsche Angaben über ihre Identität gemacht zu haben. Hamza C. ist nach eigener Aussage Algerier, Mahood B. gab an, Jordanier zu sein. 

Dem Hauptangeklagten Saleh A. und seinem direkten Komplizen wirft die Bundesanwaltschaft Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor, sie sollen sich außerdem zu einer Straftat verabredet haben. Desweiteren ist Saleh A. auch wegen eines Tötungsdelikts angeklagt, das er in Syrien begangen haben soll, als er für eine andere Terrororganisation gekämpft haben soll. 

Dem dritten Angeklagten Mahood B. wird die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. 

Hauptangeklagter wird in der JVA bedroht

Am Mittwochnachmittag will sich der Hauptangeklagte Saleh A. zu den Tatvorwürfen äußern. Über seine Anwälte ließ er mitteilen, dass er in der JVA Wuppertal, wo er zur Zeit in Untersuchungshaft sitzt, bedroht worden sei. Wenn er vor Gericht aussage, werde seiner Tochter, die sich in Syrien befindet, etwas zustoßen.

Das Gericht zieht für das Verfahren einen psychiatrischen Gutachter hinzu, der die Schuldfähigkeit von zwei der drei Angeklagten prüfen soll.

Für den Prozess sind bis Dezember 2017 bislang 36 Verhandlungstage vorgesehen. Ein vierter Verdächtiger wird gesondert verfolgt. Er sollte laut Ermittlern die Sprengstoffwesten herstellen.

(heif/lsa/lnw)
 
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