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Polizeipräsident Wesseler
"Düsseldorf weiter im Fokus von Attentätern"

Geplanter Terror in Düsseldorf: "Düsseldorf weiter im Fokus von Attentätern"
Drei Polizeibeamtinnen patrouillieren am auf der Rheinuferpromenade in Düsseldorf FOTO: dpa, lof
Düsseldorf. Der Düsseldorfer Polizeipräsident Norbert Wesseler spricht im Interview mit unserer Redaktion über die vereitelten Anschläge in der Altstadt, die Lage in den Flüchtlingsheimen und über anstehende Großveranstaltungen.    Von Stefani Geilhausen

War Ihnen im Lauf der vergangenen Monate mal mulmig zu Mute, etwa beim Straßenkarneval oder am Japantag?

Norbert Wesseler Nicht wirklich. Wir kannten ja die Namen und hatten die Personen im Blick. Und wir konnten davon ausgehen, dass dieser Kreis noch gar nicht in der Lage war, einen Anschlag zu verüben.

Woher kamen diese Erkenntnisse?

Düsseldorfs Polizeipräsident Norbert Wesseler. FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Wesseler Unsere eigenen Leute haben die Ermittlungen geführt, standen in Kontakt mit den französischen Behörden, mit dem GTAZ (nationales behördenübergreifendes Gemeinsames Terrorabwehrzentrum in Berlin, d.Red.) und anderen Behörden. Die Zusammenarbeit war hervorragend.

Alles, was die Polizei Düsseldorf wusste, ist in die Sicherheitsmaßnahmen eingeflossen - auch in die Anforderungen, die sie an die Konzepte für Rosenmontag und Japantag gestellt haben?

Wesseler Wir beurteilen die Sicherheitslage in der Stadt ständig aktuell, und wenn es einen Anlass gegeben hätte, die Anforderungen an die Sicherheitskonzepte der Großveranstaltungen anzupassen, hätten wir das getan. Den gab es aber nicht.

Der Generalbundesanwalt hat die Pläne ja sehr konkret bekanntgemacht. Können wir jetzt davon ausgehen, dass die konkrete Gefahr gebannt ist?

Wesseler Wir haben zu diesen konkreten Personen alle Spuren und Hinweise abgearbeitet. Das ist erst einmal beruhigend. Aber natürlich kann ich nicht ausschließen, dass es noch andere Personen gibt, die einen Auftrag für einen Anschlag in Düsseldorf haben. Dass wir wie jede andere Großstadt im Fokus stehen, ist aber nicht neues.

Wäre aus kriminalistischer Sicht nicht besser gewesen, diese Zelle noch länger zu beobachten um mehr Erkenntnisse über eventuelle Strukturen und Hintermänner zu erfahren?

Wesseler Nein. Ich finde, es war ein gutes und richtiges Zeichen, die Gruppe jetzt festzusetzen und klarzumachen, dass auch die Verabredung zu einem Verbrechen in unserem Land eine Straftat ist, die auch tatsächlich bestraft wird.

Was bedeutet das für andere Veranstaltungen in Düsseldorf, die Kirmes oder den NRW-Tag, ganz aktuell: das Frankreichfest?

Wesseler Auch da gilt: Wir bewerten aufgrund der uns vorliegenden Erkenntnisse. Und wenn es neue Erkenntnisse gäbe, aufgrund derer die Sicherheit gefährdet wäre, würden wir eine solche Veranstaltung gegebenenfalls absagen.

Und das dann auch offen mit einer Terrorwarnung begründen?

Wesseler Natürlich. Das wäre auch nicht das erste Mal – siehe Länderspiel in Hannover oder Karneval in Braunschweig vor einem Jahr. Die Bürger wissen doch um die seit langem bestehende abstrakte Terrorgefahr. Warum sollten wir etwas anderes sagen?

Um das noch mal klarzustellen: Der Rosenmontagszug in Düsseldorf ist wegen Sturmgefahr abgesagt worden?

Wesseler Wir erfinden keine Stürme. Die Absage kam vom Veranstalter aus den bekannten Gründen, und war konsequent. Mit unseren Ermittlungen hatte sie nichts zu tun.

Hat man angesichts der doch offenbar sehr realen, konkreten Bedrohung nicht das Bedürfnis als Vorgesetzter, die Beamten zu informieren, die gerade in der Altstadtwache ja sozusagen in der ersten Reihe stehen würden?

Wesseler Das Bedürfnis hatte ich schon, aber es gab die Notwendigkeit nicht. Ich wusste ja, dass nichts passiert.

Jetzt wissen es die Beamten dort aber auch Bescheid. Wie reagieren die?

Wesseler Professionell und durchweg gefahrenbewusst. Polizisten kennen die Risiken ihres Jobs, und Versetzungsanträge aus Sorge um die persönliche Sicherheit hat es auch noch nicht gegeben. Sie haben selbst geschrieben, die Düsseldorfer blieben gelassen. Das gilt auch für ihre Polizei.

Wie sieht es mit der Sicherheit in der Altstadt aus?

Wesseler Wir haben weiter zusätzliche Kräfte der Hundertschaft zur Verfügung, dafür habe ich mich im Ministerium noch einmal deutlich eingesetzt. Das hat nichts mit der abstrakten oder konkreten Terrorgefahr zu tun, sondern mit den anderen Problemen, die wie seit dem Jahreswechsel durch die hohe Präsenz besser im Griff haben. Wir haben deutlich weniger Gewaltdelikte und Taschendiebstähle, und das soll so bleiben.

Sie stehen auch im Kontakt mit den Muslimen in Düsseldorf.

Wesseler Wir haben aktuell an dem seit Jahren bestehenden runden Tisch mit den Verbänden und Gemeinden gesprochen, die die Düsseldorfer Erklärung unterzeichnet haben. Es ist gut zu wissen, dass wir dort Partner haben, die wie wir denken und bereit sind, Hinweise auf eventuelle Straftaten durch Islamisten auch an uns weiterzugeben.

Wie sieht das in den Flüchtlingsunterkünften aus? Gibt es da auch Ansprechpartner?

Wesseler Unsere Bezirksbeamten sind da sehr gut vernetzt und haben gute Kontakte zu Verwaltern und Bewohnern. Aber natürlich ist auch der Staatsschutz dort, den wir im September bereits personell verstärkt haben.

Im Landtag war die Empörung groß, weil die Abgeordneten nichts von den Ermittlungen und der Festnahme wussten. Haben Sie dafür Verständnis?

Wessler Nein. Das sind hochsensible Ermittlungen, die nicht einmal in unserem Haus jedem bekannt waren. Der Erfolg dieser Arbeit hat sicher auch damit zu tun, dass der Kreis derer, die davon wussten, sehr klein war.

 

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