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Düsseldorf
Gericht verhandelt über Serie von Banküberfällen

Düsseldorf. Eine bundesweite Serie von 18 Banküberfällen beschäftigt ab dem morgigen Dienstag das Landgericht. Drei Männer sitzen dabei auf der Anklagebank, zwei von ihnen haben bereits Teilgeständnisse abgelegt. Dabei waren die Behörden monatelang davon ausgegangen, es handele sich nur um eine einzige Person - einen besonders emsigen Räuber, der stets mit auffälliger Brille und bewaffnet aufgetreten war und monatlich bis zu vier Bankfilialen ausgeraubt hatte. Zu Prozessbeginn (12.1., 9 Uhr, Saal E.122) geht die Anklage von einem Gesamtschaden von rund 110.000 Euro aus.

Seit Oktober 2014 hatten sich Überfälle auf kleinere Bankfilialen gehäuft, bei denen der Täter fast immer identisch vorging. Mit Brille, Perücke und Mütze oder Kapuzenpulli trat er stets so leise und zurückhaltend an den Kassenschalter heran, dass andere Kunden oder Angestellte seinen Raubzug kaum bemerkten. Die Serie begann damals in Weener, einer ostfriesischen Kleinstadt, zog sich wenig später über Meppen, Unna und Mayen bis in den Rhein-Kreis. Beim zweiten Überfall auf eine Filiale in Mönchengladbach fielen dann die Ermittlungen in den Bereich der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft und eine Neusser Sonderkommission "Brille" kam binnen weniger Wochen zu einer verblüffenden Erkenntnis. Nicht ein einzelner Bankräuber, sondern insgesamt drei sollen an der Tatserie beteiligt gewesen sein. Laut Anklage hatte ein 43-Jähriger nämlich nur die Tatpläne ausgeheckt, die Tatorte ausspioniert - und dann unter seiner Regie einen der zwei Gehilfen losgeschickt, die er mit Brillen und allen übrigen Hilfsmitteln ausgestattet habe.

Die 30 und 33 Jahre alten Männer soll der mutmaßliche Drahtzieher zuvor im Drogenmilieu rekrutiert und zu Helfershelfern umfunktioniert haben. Dass beide Rauschgiftsüchtige sich sehr ähnlich sehen, soll nur Zufall gewesen sein. Fakt ist aber: Die Tatortfotos von den beiden Männer, die sich bei den Überfällen in der Hauptrolle jeweils abgewechselt haben sollen, sind sogar von Fachleuten der Gesichtserkennung jeweils kaum auseinander zu halten. Beide haben aber bereits Teilgeständnisse abgelegt, der angebliche Drahtzieher der Gruppe hat bisher jede Aussage verweigert. Für die Verhandlung hat das Landgericht zunächst 26 Prozesstage reserviert, mit einem Urteil ist demnach frühestens Ende April zu rechnen.

(wuk)
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