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Spektakulärer Fund
Germanen lebten an der Düssel

Spektakulärer Fund: Germanen lebten an der Düssel
Diese Reste eines Keramik-Gefäßes belegen, dass bereits Germanen an der Düssel siedelten. FOTO: Archbau
Düsseldorf. Bei den Ausgrabungen vor dem Abriss der Gerichtsgebäude machten Archäologen einen spektakulären Fund: Sie entdeckten eine Keramik, die Germanen gebraucht haben. Auch unvermutete Gräber mit Skeletten kamen zutage. Von Michael Brockerhoff

Der Ort an der Mündung der Düssel in den Rhein war schon weit vor dem Mittelalter besiedelt. Bereits Germanen hatten auf dem Boden der heutigen Altstadt eine Siedlung gegründet. Den Beweis lieferten Ausgrabungen, die vor dem Abriss der Gerichtsgebäude zwischen Neubrückstraße und Ratinger Straße gemacht wurden. "In den alten Bodenschichten zwischen Mauern aus neuerer Zeit fand sich eine Keramik, die eindeutig aus germanischer Zeit stammt", berichtet Cordula Brand. Sie leitet für die Firma Archbau die archäologischen Arbeiten auf dem Gelände. Die Keramik ist auf die Zeitspanne des 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. zu datieren. "Die Strukturen der Fundstelle zeigen, dass die Keramik zu einem Bau gehört und nicht zufällig auf einem Transport verloren wurde", erklärt Brand.

Dieser Fund bringt mehr Klarheit in die Siedlungsgeschichte von Düsseldorf. Offensichtlich schon lange vor der Zeit des Fischerdorfes war das Areal bewohnt. "Die Erhebungen rund um die Düsselmündung waren für Siedlungen günstig, weil sie hochwassersicher waren und der Weg zum Wasser kurz war", erklärt Brand. Für Historiker der Stadt untermauert der Fund bestehende Vermutungen über eine frühe Ortschaft mit einem Fährverkehr über den Rhein. Über die Beschaffenheit des Geländes gaben auch Spuren des alten Stadtgrabens der ersten Befestigung von Düsseldorf Aufschluss, die Archäologen erkennen konnten. Er wurde von der Düssel gespeist.

Der Keramikfund war auch für das Team um Cordula Brand überraschend und ist dem Umstand zu verdanken, dass zwischen Mauern neuer Altstadthäuser und unter deren Kellern Teile der alten Erdschichten unberührt blieben. "Es fanden sich dort Spuren von Häusern, Öfen und Brunnen aus unterschiedlichen Zeiten und Funde, mit denen nicht zu rechnen war", berichtet Brand.

Dazu gehören zwei Skelette von Menschen, die auf dem Areal bestattet wurden. Einen Friedhof gab es dort nicht, zudem wurden die Toten in den Gewölben des ehemaligen Coelestinerinnenklosters bestattet. "Es fanden sich Spuren von Holz und Eisenbeschlägen, die auf die Bestattung in Särgen schließen lassen", erläutert Brand. Es könne sein, dass die Bestattung im Zuge der Zerstörung des Klosters Ende des 18. Jahrhunderts stattgefunden habe. Das müsse aber noch genau geprüft werden.

Rätsel geben den Archäologen auch die Spuren von Öfen, Keramiken und Glasuren auf. Sie können der Zeit des 13. Jahrhunderts zugeordnet werden. "Sie zeigen, dass sich Handwerker vor den Toren der Stadt niedergelassen hatten", sagt Brand. Das sei üblich gewesen, "weil Arbeiten am Feuer wegen der Brandgefahr möglichst außerhalb der Stadt verrichtet wurden. Außerdem war die Nähe zum Wasser wichtig ."

Aber auch nach der Stadterweiterung im 14. Jahrhundert muss es in diesem Viertel Keramik-Produktionen gegeben haben. Die Archäologen stießen auf drei runde Öfen, die zum Brennen von Ton geeignet waren. Zudem fanden die Forscher Abstandhalter, die zwischen die Gefäße gelegt wurden, damit sie beim Brennen nicht miteinander verschmolzen. Und auch Reste von Glasuren weisen auf handwerkliche Produktion hin. In welchem Umfang und zu welchem Zweck ist allerdings noch rätselhaft, so Brand.

Aus den Bodenbefunden wird schließlich deutlich, dass Düsseldorf kein Provinznest war, sondern als Residenzstadt der Herzöge und Kurfürsten eine bedeutende Residenzstadt. Die Zuschnitte der Häuser, die großen Gruben, Brunnen und Öfen zeugen laut Brand von einem komfortablen Wohnen. "Große Kacheln von Öfen zeugen von der guten Einrichtung der Häuser", erklärt Brand.

Und die Bewohner waren offensichtlich auch wohlhabend, "das zeigen die Funde von Gläsern, die zu dieser Zeit wertvoll waren", sagt Brand. Sogar venezianisches Glas habe der Boden bei den Ausgrabungen freigegeben.

(RP/jco)
 
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