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Düsseldorf
Düsseldorfer trauern in St. Lambertus

Germanwings-Absturz: Trauergottesdienst in Düsseldorf
Germanwings-Absturz: Trauergottesdienst in Düsseldorf FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. In der Basilika in der Altstadt gedachten am Freitagabend die Spitzen von Politik, Kirche und Gesellschaft der Opfer des Germanwings-Fluges 4U 9525. "Wir müssen unsere Hilflosigkeit zulassen", sagte Superintendentin Henrike Tetz. Von Jörg Janssen und Uwe-Jens Ruhnau

Es wird manchem schwer gefallen sein, diesem Satz zu folgen, aber Stadtdechant Rolf Steinhäuser sagte ihn - nämlich, dass wir nicht nur um die 149 Opfer des Flugzeugabsturzes trauern, sondern auch um den Copiloten. Ihn, der den Airbus A 320 in den Sinkflug brachte, "bis die Maschine vor den Berg raste", wie Steinhäuser in seiner Begrüßung zusammenfasste. Auftakt eines ökumenischen Gedenkgottesdienstes in St. Lambertus, bei dem die Basilika schon 30 Minuten vor Beginn gut gefüllt war und am Ende zahlreiche Besucher stehen mussten, so groß war das Interesse.

Die Gedanken und Gefühle der Trauernden fasste die evangelische Superintendentin Henrike Tetz in Worte. "Wir spüren, wie gefährdet unser Leben ist und wie zerbrechlich unsere Wirklichkeit. Unser Zutrauen in das Leben ist erschüttert", sagte die Theologin. Dass jemand den Tod suche und dabei auch das Leben vieler anderer zerstöre, sei nicht zu fassen. "Und doch wollen wir hoffen können, dass es Antworten geben wird, die uns helfen, mit dem Geschehenen umzugehen." Tetz zitierte den Römerbrief. "Nichts gibt es, das uns trennen kann von der Liebe Gottes."

(v.r.) : Oberbürgermeister Thomas Geisel mit Frau Vera und den Bürgermeistern Klaudia Zepuntke, Günter Karen-Jungen und Friedrich Conzen FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Unter den Besuchern des Gedenkgottesdienstes waren auch Oberbürgermeister Thomas Geisel und seine Frau Vera, das Bürgermeister-Trio Friedrich Conzen, Klaudia Zepunkte und Günter Karen-Jungen sowie Beigeordnete und Amtsleiter. Seine Fürbitte widmete das Stadtoberhaupt den Opfern, die mitten aus dem Leben gerissen worden seien. An Gott gewandt sagte der Christ und Presbyter der evangelischen Kreuzkirchengemeinde: "Schenke ihnen Leben, das kein Tod zerstören kann."

Bei dem rund einstündigen Wortgottesdienst standen neben dem Stadtdechanten und der Superintendentin auch der Flughafen-Pfarrer Detlev Toonen und die Notfall-Seelsorger Christoph Dörpinghaus und Olaf Schaper mit am Altar. In einer Fürbitte gedachten sie der Einsatzkräfte und Helfer in Düsseldorf und in den französischen Alpen.

Superintendentin Henrike Tetz (l.) und Stadtdechant Rolf Steinhäuser zelebrierten den Gedenk-Gottesdienst gemeinsam mit Flughafen- und Notfall-Seelsorgern. FOTO: Andreas Bretz

Die Erschütterung war den Menschen in der Kirche anzumerken. Als in einem Gemeindelied die Passage "Mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?" gesungen wurde, versagte einigen Menschen die Stimme. "Wir müssen uns Zeit nehmen, das Schwierige miteinander auszuhalten", hatte Steinhäuser zuvor gesagt.

Opernintendant Christoph Meyer nahm ebenfalls an dem Gottesdienst teil. In der jährlichen Betriebsversammlung war es am Morgen zunächst um den Verlust des Bassbaritons Oleg Bryjak gegangen. Die Trauer in der Oper ist groß, es soll in Kürze eine abendliche Gedenkveranstaltung geben. Bryjak war fast 20 Jahre Ensemblemitglied. "Seine Künstlerkollegen wollen für ihn singen", heißt es aus der Oper.

Ermittlungen im Fall Andreas L. FOTO: Federico Gambarini

Mehrere TV-Teams waren in der Kirche dabei, darunter auch eines aus England. Zahlreiche Bürger blieben nach dem Gedenken noch auf dem Stiftsplatz stehen. "Wir müssen den Angehörigen nicht nur jetzt, sondern noch ganz lange beistehen", sagte eine Bürgerin.

Quelle: RP
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