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Düsseldorf
Düsseldorfer zeigen Mitgefühl

Germanwings: Düsseldorfer zeigen Mitgefühl
Im Namen der Oper hat sich ihr Generalintendant Christoph Meyer als Erster in das Kondolenzbuch eingetragen. Es gedenkt dem Bassbariton Oleg Bryjak. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Im Rathaus haben sich so viele Menschen in das Kondolenzbuch eingetragen, dass bereits ein zweites eröffnet wurde. Von Laura Ihme und Andreas Bretz (Fotos)

Wer seiner Trauer Ausdruck verleihen möchte, muss Schlange stehen - so viele Menschen wollen gestern Mittag ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer des Absturzes der Germanwings-Maschine aus Barcelona ausdrücken. Es ist ruhig im Foyer des Rathauses, wenn gesprochen wird, dann nur mit gedämpfter Stimme. Die Mienen der Mitarbeiter und Besucher, die sich in das Kondolenzbuch der Stadt eintragen, sind ernst und traurig.

"Ich habe selbst meine Söhne durch eine schwere Krankheit verloren, ich kenne Ihren Schmerz. Es tut mir so leid", hat eine Frau in das Buch geschrieben. "Meine Gedanken, meine Trauer und meine Gebete sind mit den Opfern und ihren Angehörigen", schreibt Oberbürgermeister Thomas Geisel. Unter seinem Eintrag finden sich die Unterschriften von Bürgermeistern und ein paar anderen Vertretern aus der Düsseldorfer Politik. Sie waren die Ersten, die sich in das Kondolenzbuch der Stadt eingetragen haben. Mittlerweile sind ihnen so viele Düsseldorfer gefolgt, dass gestern bereits ein zweites Buch ausgelegt werden musste. Was mit den Büchern im Anschluss geschieht, steht noch nicht genau fest. Auf jeden Fall sollen sie den Angehörigen der Absturz-Opfer zukommen, auf welchem Weg das geschehen wird, ist noch unklar. Für solche organisatorischen Fragen ist später noch Zeit.

Trauer in Düsseldorf nach Flugzeugabsturz FOTO: Bretz, Andreas

Seitenweise Beileids-Bekundungen gibt es auch im Kondolenzbuch am Düsseldorfer Flughafen. Die Botschaften der Reisenden, die kurz an dem Stehtisch gleich neben der Gedenkstätte an einem Pfeiler im Terminal haltmachen, ähneln sich stets: "Wir trauern mit Euch", "Ihr seid nicht allein", "Uns fehlen die Worte", steht dort, mal auf Deutsch, mal auf Englisch. Es gibt auch Einträge auf Niederländisch, einige Zettel an der Gedenkstätte sind in arabischer Sprache verfasst - am Flughafen wird die Trauer der ganzen Welt um die Tragödie in den französischen Alpen deutlich spürbar.

Doch zu dieser internationalen Trauer gesellt sich seit gestern auch noch ein anderes Gefühl: Wut. Wut darüber, dass der Co-Pilot der Airbus-Maschine diese offenbar mit Absicht in den Sinkflug gebracht hat. "Wie sinnlos diese Tat ist und wie unverantwortlich!", schreibt zum Beispiel ein Flughafengast in das Kondolenzbuch.

Ermittlungen im Fall Andreas L. FOTO: Federico Gambarini

An der Gedenkstätte im Terminal bekunden derweil auch die Fluggesellschaften ihr Beileid: Air Berlin hat ein paar Blumen dort niedergelegt, die Lufthansa-Mitarbeiter haben ein großes Plakat aufgehangen, auf dem alle unterschrieben haben. "In stiller Anteilnahme - die Lufthansa-Kollegen in Düsseldorf", ist darauf zu lesen. Die vielen Kerzen, die am Tag zuvor noch aus Sicherheitsgründen gelöscht wurden, werden nun von zwei Feuerwehrmännern aus der Ferne bewacht. Die kleine Gedenkstätte und der benachbarte Tisch mit dem Kondolenzbuch bleiben so auch gestern noch eine Insel der Ruhe im sonst hektischen Treiben des Flughafens. Vor allem dem bei dem Absturz ums Leben gekommenen Bassbariton Oleg Bryjak gewidmet ist das Kondolenzbuch im Ticketverkauf des Opernhauses. "Die gesamte Oper ist in unendlicher Trauer um einen wertvollen Menschen und großartigen Künstler", hat der Generalintendant Christoph Meyer geschrieben. Seinen Worten schließt sich auch das Ensemble an: "Es war mir eine Ehre, Dich zu kennen und mit Dir zu arbeiten", schreibt ein Mitglied auf Englisch. "Danke für die vielen großartigen Momente", lautet dagegen der Eintrag eines Fans. Genau wie die anderen Botschaften in den Düsseldorfer Kondolenzbüchern soll der Eintrag den Hinterbliebenen irgendwann einmal Trost spenden. Wenn das überhaupt möglich ist.

Die Kondolenzbücher von Stadt, Flughafen und Oper liegen auch in den nächsten Tagen noch weiter aus. Das Rathaus wird dafür auch am Samstag und Sonntag von 10 bis 16 Uhr seine Türen öffnen. Das Buch des Flughafens wird in der kommenden Woche in einen Gedenkraum auf der Galerieebene des Terminals gebracht.

Die Unglücksstelle am Tag nach dem Absturz FOTO: dpa, sh
Quelle: RP
 
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