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Düsseldorf
Gestorben auf dem Rückweg vom Urlaub

Trauer in Düsseldorf nach Flugzeugabsturz
Trauer in Düsseldorf nach Flugzeugabsturz FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. An vielen Stellen wird der Toten des Flugzeug-Absturzes gedacht. Im Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus, das Ensemble der Rheinoper ist schockiert. Unter den Toten befindet sich auch der Chef des Früchtehauses in Oberkassel. Von Arne Lieb, Ute Rasch und Uwe-Jens Ruhnau

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine steht Düsseldorf im Zeichen der Trauer. Im Rathaus wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt, in das sich gestern zunächst die Stadtspitze um Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) eintrug. Auch die Rheinoper legte ein Kondolenzbuch aus. Das Ensemble ist schockiert über den Tod von Bassbariton Oleg Bryjak und Altistin Maria Radner. Zwei eigentlich öffentliche Proben in dieser Woche werden für Zuschauer geschlossen.

Es sind wahrscheinlich zehn Menschen aus Düsseldorf, die bei dem Absturz ums Leben kamen, darunter auch der Mann und das Baby von Maria Radner. Mit einem ökumenischen Gottesdienst wird am Freitag, 18.30 Uhr, in der Lambertuskirche aller Opfer gedacht.

Fotos: Angela Merkel am Ort des Unglücks FOTO: dpa, kne kno

Auch Frank Bahners (45), Inhaber des Früchtehauses in Oberkassel, und seine Freundin zählen zu den Opfern. Mitarbeiterinnen, Kunden und Nachbarn reagierten fassungslos auf die Nachricht. Viele kamen mit Blumen und Kerzen in das Geschäft an der Luegallee. Eine Stammkundin sagte erschüttert: "Sonst passieren solche Katastrophen weit weg. Jetzt hat der Tod ein Gesicht, das wir alle kannten."

Ein paar Ferientage wollten Frank Bahners und seine Freundin Sarah in Barcelona verbringen, sie hatte ihm die Reise zum Geburtstag geschenkt. Für Dienstagmorgen hatten sie den Rückflug gebucht, mittags erwartete sein Team ihn zurück im Geschäft. Als die ersten Nachrichten von dem Absturz bekannt wurden, versuchten seine Mitarbeiterinnen immer wieder, ihren Chef über sein Handy zu erreichen, in der Hoffnung, das Paar habe eine andere Maschine genommen. "Aber er meldete sich nicht, bald wurde uns klar, dass die beiden zu den Opfern zählen", berichtet eine Mitarbeiterin, die gestern weinend auf den Stufen vor dem Geschäft saß. Frank Bahners führte das Oberkasseler Früchtehaus als einen der beiden familieneigenen Betriebe. Die ihn gut kannten, wissen: Das Geschäft war sein Lebensinhalt. Gemeinsam mit seinem Bruder Nico, einem ambitionierten Koch, hatte er zu Beginn des vergangenen Jahres ein neues Konzept verwirklicht: Die Brüder verwandelten die Früchtehäuser in Mittags-Treffpunkte für Feinschmecker mit Suppen und Eintöpfen - eine Erfolgsidee, auf die Frank Bahners stolz war.

Seine Stammkunden erinnern sich an einen jungenhaften, unkomplizierten Mann, der mit Vorliebe auf seiner creme-weißen Vespa durch Oberkassel fuhr. "Er war ein ungewöhnlicher Typ, sehr kenntnisreich. Bei ihm habe ich die ersten Kakteenfrüchte meines Lebens gegessen", meinte eine Stammkundin gestern traurig. Seinem Team, zu dem sechs Frauen und zwei Männer zählen, bleibt er in Erinnerung als einer, der manchmal auch ein "liebenswerter Chaot" war - aber immer mit einem Lausbubenlächeln, "man konnte ihm nie böse sein", sagt eine Mitarbeiterin. Sein Bruder entschied gestern, dass das Oberkasseler Früchtehaus auch weiterhin bestehen bleiben wird.

Pressestimmen zu Germanwings-Absturz: "Der Tod in den Alpen"

Bei dem Flugzeugabsturz über Südfrankreich starb auch eine Düsseldorfer Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt. Sie war im Berufsbildungszentrum beschäftigt, wo sich Trauerbegleiter zurzeit um ihre Kollegen kümmern. Auch zwei Japaner, die in Düsseldorf gewohnt haben, zählen zu den Opfern.

Quelle: RP
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