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Mein Düsseldorf
Gerne mit Vollgas durch die Innenstadt

Düsseldorf. Düsseldorf und seine Autofahrer: Die Einen peinigt die Stadt mit Baustellen und vermeintlich sicheren Radwegen, die Anderen lässt sie unbehelligt rasen.

Wenn einmal mehr ein Mensch ums Leben kommt, weil ein Verbrecher am Steuer rote Ampeln ignoriert, Vollgassprints in der City cool findet und sich mit Komplizen ein Rennen liefert, immer dann ist die Aufregung groß. Zuletzt gab es endlich echte Konsequenzen: Köln will - dafür mussten mehrere Menschen sterben - nun durchgreifen, zwei vor Gericht stehende Täter sollen wegen Mordes angeklagt werden. Und Mannheim unterbindet sogar die Vorstufe zu diesen Rasereien. Die Stadt nennt es Autoposen. Gemeint ist das sinnfreie Umherfahren bei schönem Wetter in der Innenstadt, entweder mit offenen Fenstern oder mit offenem Dach, dröhnend lauter Musik und einzig mit dem Ziel, gesehen zu werden. Gerade in Düsseldorf ist dieses PS-getriebene Balzverhalten bei einigen Pubertierenden sehr beliebt.

Autohändler berichten von Gruppen junger Männer, die sich eigens dafür ein paar Stunden gemeinsam einen Wagen mieten, den sie - auf legalem Weg jedenfalls - sonst niemals fahren könnten.

Dass dieses auch als Cruisen bezeichnete Freizeitverhalten oft mit Rennstarts und kurzen Sprints auf engen Innenstadtstraßen kombiniert wird, nervt andere Fahrer und schockt Fußgänger, wird aber von der Polizei oder Verkehrsplanern der Stadt bislang ignoriert. Der Grund: Es hat noch keinen Unfall mit Personenschaden gegeben. Noch. Denn vor allem an den Straßen der City ist das Risiko sehr hoch. Vor den Straßen-Cafés sitzt das Publikum, das bei diesen riskanten Manövern sehr geschätzt wird. Nur wenige Meter geht die wilde Fahrt vorbei. Sollte einer mal die Kontrolle über sein vierrädriges Geschoss verlieren, werden die Folgen verheerend sein.

Aber bis dahin beschäftigt man sich mit den anderen Autofahrern.

Die haben es eh nicht leicht in Düsseldorf: Baustellen an allen Ecken, und zuletzt mitten im Herz der Stadt eine, die häufig ihre Verkehrsführung ändert. In den sozialen Netzwerken gibt es regelrechte Rankings über Düsseldorfs schlimmste Engpässe. Derzeit auf einem der oberen Plätze: Der Platz vor dem Bilker Bahnhof, an dem die U-Bahn die Erde verlässt und seit Monaten - angeblich final - gebuddelt wird. Die dortige Verkehrsführung stadteinwärts begreift vermutlich nur der Baustellenplaner. Womöglich will man die Autofahrer auf das einstimmen, was wenige hundert Meter weiter den Verkehr kollabieren lässt: Das neue System auf den Boden gemalter Radwege. Sie engen den Raum für Fahrzeuge extrem ein und erzeugen oft haarsträubende Situationen mit Beinahkollisionen. Dem Radfahrer geben sie das trügerische Gefühl, auf eigener Trasse und damit gefahrlos unterwegs zu sein. Ein fataler Irrtum, weil viele Wagen bei Ausweichmanövern immer wieder in den für sie gesperrten Bereich geraten.

Das Ganze ist übrigens nicht neu: Ende der 1990er Jahre gab es in Düsseldorf ähnliche Ideen der Autovergrämung - sicher einer der Gründe, warum Rot-Grün 1999 die Wahl verlor. Wie heute waren die Autofahrer vor allem morgens auf dem Weg zur Arbeit genervt und fühlten sich als Opfer verkehrsplanerischer Willkür.

Quelle: RP
 
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