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Serie Die Düsseldorfer Schullandschaft
Gesamtschulen: In neun Jahren zum Abi

Serie Die Düsseldorfer Schullandschaft: Gesamtschulen: In neun Jahren zum Abi
Die Lerngruppe Mathematik in der Gesamtschule am Herrmannplatz: (v.l.) Lukas (13), Maxim (12), Anisa (12) und Carolina (13) aus der Klasse 7a FOTO: H.-J. Bauer
Düsseldorf. Sie sind neben den Gymnasien der Schultyp mit dem größten Zulauf: Düsseldorfs Gesamtschulen. Längeres gemeinsames Lernen und eine neunjährige Schulzeit gehören zum Konzept. Von Jörg Janssen

Die neue Mehrheit im Rathaus aus SPD, Grünen und FDP setzt in der Schulpolitik eigene Akzente. Sichtbar wird das unter anderem beim Thema Gesamtschulen. Die wichtigsten Daten und Fakten im Überblick.

Konzept "Für viele Eltern sind wir auch deshalb attraktiv, weil wir mit dem neunjährigen Weg zum Abitur eine Alternative zum G-8-Konzept der Gymnasien bieten", sagt Jürgen Weitz, seit Ende November Leiter der Dieter-Forte-Gesamtschule in Eller. Hinzu komme ein System, das behutsam nach Leistungsfähigkeit differenziere und dadurch auch etwas schwächeren Schülern die Chance gebe, am Ende das Abitur zu erreichen. "Längeres gemeinsames Lernen bleibt für uns das wegweisende pädagogische Konzept", sagt Birgit Planken. Die Lehrerin leitete am Hermannplatz die Hauptschule. Nach einem kurzen Intermezzo als Sekundarschule (ähnlich der Gesamtschule, nur ohne eigene Oberstufe) wurde ihre Schule inzwischen zur Gesamtschule. Am liebsten wäre der Pädagogin, die in Golzheim wohnt und deren Söhne das nahe gelegene Max-Planck-Gymnasium besuchen, eine einheitliche Schule für alle Kinder, wie es sie in skandinavischen Ländern gibt. Rechnen tut sie damit allerdings nicht. In Deutschland werde es wohl immer mehrere Säulen geben. "Unser Konzept setzt auf eine möglichst breite Mischung der Begabungen. Solange es aber eine feste zweite Säule wie die Gymnasien gibt, bleiben viele der besonders begabten Schüler von vorneherein weg. Das ist schade", meint Planken.

Bestand Unter der schwarz-gelben Mehrheit ging es bei dieser Schulform um die Bestandswahrung. Vier städtische Gesamtschulen gab es. Und dabei blieb es lange Zeit, obwohl jedes Jahr mehr als 200 Jungen und Mädchen, die gerne diesen Schultyp besucht hätten, abgewiesen werden mussten. Das hat sich nun geändert. Die Montessori-Hauptschule am Hermannplatz in Flingern wurde in eine Gesamtschule mit vier Klassen pro Jahrgang ("vierzügig") umgewandelt. Eine weitere Schule dieses Typs entsteht im Stadtteil Garath an der Stettiner Straße - an Stelle der dortigen Hauptschule. Ob damit die konstant hohe Nachfrage stadtweit gedeckt werden kann, bleibt abzuwarten. Unglücklich aus Sicht vieler Eltern: Im gesamten Norden des Stadtgebietes gibt es keine Gesamtschule. Eine nicht-städtische Alternative bietet die den evangelischen Freikirchen nahe stehende Freie Christliche Gesamtschule (FCG) in Hassels.

Prognosen Vor dem Hintergrund weiterer Zuzüge nach Düsseldorf und der Errichtung zusätzlicher Gesamtschulen wird die Zahl der Schüler deutlich steigen. Aktuell besuchen rund 3900 Jungen und Mädchen die Klassen 5 bis 10 (Sekundarstufe I) dieses Schultyps. Nach den aktuellen Prognosen des vierten Schulentwicklungsplans werden es im Jahr 2020/21 etwa 5354 sein. Deutlich geringer fällt der Zuwachs in der Oberstufe aus. Hier sollen es in fünf Jahren etwa 1070 Schüler sein. Aktuell sind es 981.

Profil Die städtischen Gesamtschulen (GS) laufen im Ganztagsbetrieb. Unterschiede gibt es unter anderem bei den Sprachen. So bietet beispielsweise die Dieter-Forte-GS Spanisch ab Klasse 9 an. An der Heinrich-Heine-GS können Schüler Latein ab Klasse 8 und Italienisch ab Klasse 11 wählen. An der Hulda-Pankok-GS wird Russisch ab Klasse 8, an der Joseph-Beuys-GS Spanisch ab Jahrgangsstufe 11 angeboten. Freiarbeit als Teil der Montessori-Pädagogik spielt dagegen an der GS Lindenstraße eine wichtige Rolle. Die Freie Christliche GS wirbt unter anderem mit einer Oberstufenfahrt nach Rom und einem regelmäßigen Austausch mit einer russischen Partnerschule. Die Differenzierung der Schüler nach Leistungsfähigkeit erfolgt entweder innerhalb des Klassenverbandes ("binnendifferenziert") oder in Kursen mit unterschiedlichem Anforderungsprofil. Pädagoge Weitz schätzt, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Gesamtschüler das Abitur erreichen - je nach Schulstandort.

Quelle: RP
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