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Düsseldorf
Geschäfte machen ist kein Kinderspiel

Düsseldorf: Geschäfte machen ist kein Kinderspiel
Helmut Kannegießer betreibt den Spielzeugladen Phantasalto an der Belsenstraße zusammen mit seiner Frau. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Online-Händler und Großfilialisten machen Spielzeughändlern das Leben schwer. Die behaupten sich mit teilweise kreativen Strategien. Von Lisa Kreuzmann und Tim Harpers

Der Platz im Benrather Traditions-Spielwarengeschäft Mamerow ist begrenzt. Bis unter die Decke türmen sich in dem kleinen Ladenlokal an der Cäcilienstraße Kinderträume. Inmitten von Playmobil- und Legosets, überquellenden Regalen voller Steiff-Tiere und anderem Spielzeug steht ein vor Freude strahlender kleiner Junge. Er hat eine große Kiste in der Hand - und einen Auftrag. Er soll damit durch den Laden gehen, und sich eine Geburtstagsbox zusammenstellen. Freunde und Eltern können sich dann hinterher aussuchen, was sie ihm daraus schenken möchten. Ladeninhaberin Petra Marmerow steht neben dem kleinen Mann und lächelt freundlich. "Der Servicegedanke ist heutzutage das A und O, wenn sie sich über längere Zeit in diesem Geschäft behaupten wollen", sagt sie.

Der Spielzeugladen Marmerow in Benrath gehört zu einer aussterbenden Gattung. In den vergangenen Jahrzehnten sind viele der kleinen Spielzeuggeschäfte verschwunden. Grund dafür war neben dem Aufkommen von größeren Einzelhandelsketten die zunehmende Bedeutung des Internets. "Wir haben uns in den vergangenen Jahren auf unsere Stärken besinnen und kreative Lösungen finden müssen", sagt Petra Mamerow. Ihre Strategie: Sie hat sich mit ihrem Geschäft dem Spielzeughändler-Verband "Smartoys" angeschlossen. Der Zusammenschluss mit anderen Händlern ermöglicht es ihr, bestimmte administrative Aufgaben auszulagern und zu günstigeren Preisen einzukaufen. Außerdem hat sich die Benratherin auf den Verkauf kleinerer Einzelteile spezialisiert. "Es hat sich herausgestellt, dass die Kunden größere Anschaffungen vor allem im Internet machen", erläutert sie.

Auch Helmut Kannegießer, der mit seiner Frau das "Phantasalto" an der Belsenstraße in Oberkassel betreibt, muss sich auf dem hart umkämpften Spielzeugmarkt behaupten. Er weiß: "Ein Großteil des Erfolgs der Spielwarenindustrie rührt von den Umsätzen des Spielzeugriesen Lego her." Die dänischen Klötzchen-Bausätze bieten die Kannegießers in ihrem Laden aber gar nicht an, denn die Produktpaletten der Branchenriesen Lego, Playmobil und Barbie sind groß, ihre Anforderungen an die Einzelhändler dementsprechend hoch: Sie sollen den Marken möglichst viel Platz im Sortiment einräumen. Da bliebe kein Platz für andere Produkte, sagt Gabriele Kannegießer. Doch der Spielwarenladen hält sich trotzdem seit mehr als 20 Jahren. "Wir haben unsere Nische gefunden", so das Ehepaar. Die Kannegießers zeigen ihre Ware auf 160 Quadratmetern Verkaufsfläche. "Wir achten auf Design, Wertigkeit und Spielwert", sagt die Inhaberin. "Und wir beraten und spielen mit den Kindern", das sei es, was ihren Laden besonders mache. Der wachse beständig, vier Mitarbeiter beschäftigt das Ehepaar. "Wir haben ohne Ausnahme auch jedes Spiel hier im Laden selbst gespielt, und das wissen unsere Kunden zu schätzen." Sie müssten sich immer neu erfinden, sagen die Inhaber. Doch das Viertel sei gut, die Kunden angenehm, rund um den Belsenplatz gebe es viele Geschäfte mit hochwertigen Produkten.

Im Gegensatz dazu kann Martina Hilgers, Leiterin der "Spielewelt" in den Düsseldorf Arcaden, weitestgehend befreit von wirtschaftlichen Zwängen agieren. Das Geschäft wird von der Düsseldorfer Werkstatt für angepasste Arbeit getragen und arbeitet nicht in erster Linie gewinnorientiert. "Es geht uns vor allem darum, Menschen mit Behinderung eine sinnvolle Beschäftigung zu ermöglichen", sagt Hilger. Neben Arbeitsstellen für Menschen mit Behinderung bietet das Geschäft auch Waren an, die in den Düsseldorfer Werkstätten hergestellt wurden.

Quelle: RP
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