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Auf Ein Wort Ulrich Lüders
Geschichte braucht Mut

Düsseldorf. Wenn Sie diese Zeilen am Samstag lesen, dann war diese Woche meldungsmäßig vielleicht so, wie wir sie seit nun einigen Wochen kennen:

Montags demonstrieren deutlich weniger als 100 Menschen für irgendwas mit Abendland, viele andere sind dagegen und versuchen mit allen gewaltfreien Möglichkeiten auf die immer rechteren Parolen eine bunte Antwort zu finden, Hunderte sitzen am Hauptbahnhof oder in der Bahn oder im Bus fest. Dienstags gibt es dann eine Nachlese, derzeit häufig mit Meldungen über Übergriffe, Anschläge und Anfeindungen gegen Flüchtlinge an anderen Orten unserer Republik oder Drohungen gegen demokratische Politiker. Mittwoch das Thema Griechenland und Reparationen. Donnerstag ein Blick auf die baltischen Staaten in der Zeitung, mit eindrücklichen Schilderungen der Angst vor einem erneuten militärischen Eingreifen.

Als seien sie ein Lehrstück darüber, wie aktuell 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Fragen nach Zivilcourage und Widerstand sind, kommen mir diese Wochenabläufe vor. Besonders in dieser Woche. Gestern jährte sich zum 70. Mal die mutige Aktion in unserer Stadt, den Nazis ein Gegenzeichen zu geben und die Stadt den alliierten Truppen zu übergeben. Ein Bäckermeister und ein Architekt, Polizisten und andere Beamte, die vorher nicht als Kritiker besonders aufgefallen waren, fassten sich ein Herz und halfen mit bei der Aktion Rheinland. Sie wagten Widerstand, weil sie ihre Stadt liebten. Weil sie als Christen das "Beste für diese Stadt" suchen wollten, so auch der Titel des gestrigen ökumenischen Erinnerungs- und Ermutigungsgottesdienstes. Ihren Glaubensmut bezahlten sie teuer. Und doch setzt ihre Widerstandsaktion in der Endphase des Krieges einen wichtigen Impuls auch nach vielen Jahrzehnten Frieden heute.

Der ebenfalls im April 1945 ermordete Christ und Widerstandsmensch Dietrich Bonhoeffer hat das einmal so zusammengefasst:" Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen." Das macht Mut.

Quelle: RP
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