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Ausstellung am Hauptbahnhof
Geschichte erleben im „Zug der Erinnerung“

Ausstellung am Hauptbahnhof: Geschichte erleben im „Zug der Erinnerung“
Viele der Schüler zeigten sich nach dem Besuch der Ausstellung tief bewegt. Dieses „Geschichtskapitel“ sei jetzt nicht mehr so anonym, sagten sie. FOTO: RPO
Düsseldorf. Die alten Schwarz-Weiß-Fotos zeigen vor allem fröhliche Jungen und Mädchen. Wer sich diese Fotografien anschaut, kann kaum glauben, dass die Heranwachsenden schon kurze Zeit später Opfer der Nationalsozialisten wurden: Sie wurden alle in Konzentrationslager verschleppt. Alleine in Düsseldorf waren es 125, Hunderttausende in ganz Europa. An ihr Schicksal erinnert die mobile Ausstellung "Zug der Erinnerung", die vom 9. bis 12. März am Hauptbahnhof Halt macht. Von Sema Ünlü

Was die Besucher in der Ausstellung erwartet, sind Text- und Bildtafeln, die die Schicksale vieler Kinder und Jugendlicher dokumentieren. Auf einer Karte kann der Deportationsweg nachvollzogen werden, der verdeutlicht, dass auch über das deutsche Schienennetz Verschleppungen stattfanden.

Doch nicht nur Opfer werden gezeigt, sondern auch Täter. "Bei Kindern, die die Ausstellung schon besucht haben, ruft es Betroffenheit hervor, dass die Täter oft nicht zur Rechenschaft gezogen wurden", so Ute Schilde von der eingetragenen Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung". Der Verein finanziert das Projekt ausschließlich durch Spenden.

Auch aktive Mitarbeit ist gefragt: Interessierte Schulen sind aufgerufen, sich auf Spurensuche der Kinder zu begeben und die Ergebnisse auf Plakaten in den Waggons auszustellen. Zur Seite stehen ihnen hierbei Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte, die die Führungen auch begleiten werden.

In Düsseldorf engagieren sich vor allem der Evangelische Kirchenkreis, die Jüdische Gemeinde, die Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt und die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes für die Ausstellung in Düsseldorf: Der Zug fährt nämlich nur auf Initiative der Städte. Kritik am Verhalten der Deutschen Bahn, etwa durch Gebühren für Trassennutzung das Projekt zu gefährden, äußern Klaus Winkes von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und Michael Szentei-Heise von der Jüdischen Gemeinde: Schließlich habe die Bahn bereits an der Deportation verdient.

Um das Projekt in Düsseldorf zu sichern, wurde OB Erwin um Schirmherrschaft und finanzielle Unterstützung gebeten. Mehr als 100.000 Menschen haben die Ausstellung in Städten wie Bochum, Essen und Frankfurt gesehen. Auch in Düsseldorf erwartet Winkes eine "sehr gute Resonanz".

Quelle: RP
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