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Düsseldorf
Geschichte im Schaufenster bei Carl Salm

Düsseldorf. Vor den Dekorationen des Bestattungsunternehmens machen sogar die Stadtführer Halt.

Einst wohnte er am Burgplatz, direkt gegenüber der alten Kunstakademie, die er aus dem Fenster seiner Wohnung malte. Der Künstler Andreas Achenbach wurde vor 200 Jahren geboren, und wer auch immer den Maler zu diesem Jubiläum ehrt, ein Gedenken ist ihm gewiss: ein Erinnerungsfenster im Bestattungshaus Salm an der Andreasstraße. In diesen Schaufenstern findet die Stadthistorie regelmäßig einen Platz - manchmal auch die Weltgeschichte.

Blumen, Noten, Verse über Tod und Trauer, im Herbst vielleicht noch welkes Laub - Jürgen Salm hat schon immer gern seine Schaufenster jenseits der sonst üblichen Dekoration gestaltet. Und kann auf einen beeindruckenden Fundus zurückgreifen. "Ich bin eigentlich gar kein Sammler", meint er. Aber irgendwie fliegen ihm die Erinnerungsstücke zu. Hinterbliebene wissen oft nicht, wohin mit all den Karnevalsorden, Schützen-Ehrenzeichen, Fotos, die von einem langen Brauchtumsleben bleiben. "Und dann landet all das eben bei mir."

Irgendwann kommt so ein Nachlass zu Ehren, wenn mal wieder ein Schützen-Fenster geplant wird und alte Fotos dokumentieren, wie die Kompanien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg durch die zerbombte Altstadt zogen.

Als der Tod des Schauspielers Heinz Rühmann bekannt wurde, bestaunten kurz darauf die Passanten ein Fenster mit Fotos, alten Filmrollen und einem Projektor. Als Udo Jürgens starb, wurde an den internationalen Star auch in der Andreasstraße erinnert: Auf einem Barhocker lag ein weißer Bademantel, die Fotos dazu stammten aus dem hauseigenen Archiv, denn der Sänger trat 1993 zum 66. Jubiläum der KG Blau-Weiß auf. "Diese Dekoration war meine Hommage an ihn", sagt Salm. Im Jan-Wellem-Jahr 2008 wurden die Fenster zu einem Mini-Museum mit Kurfürst und Gemahlin, mit Reproduktion von Gemälden und Fahnen. "Damals blieben alle Stadtführer mit ihren Gruppen vor unserem Fenster stehen."

(ur)
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