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Düsseldorf
Gesprächskreis fürs Photo Weekend

Düsseldorf: Gesprächskreis fürs Photo Weekend
Alain Bieber (vorne links) lud zu einer Debatte über das Photo Weekend ins Obergeschoss des NRW-Forums. Rund 50 Besucher nutzten die Gelegenheit zu dem Austausch. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Rund 50 Galeristen, Politiker und Kulturschaffende debattierten im NRW-Forum über das umkämpfte Festival. Es lassen sich inzwischen nicht einmal mehr die einfachsten Fragen klären. Von Arne Lieb

Der häufigste Wunsch, der gestern Nachmittag im NRW-Forum geäußert wurde, war, dass man nach vorne schauen sollte. Natürlich wurde in Wahrheit oft zurückgeblickt - es ist ja auch viel passiert. Rund 50 Menschen waren der Einladung von Direktor Alain Bieber gefolgt. Sie wollten über das Photo Weekend reden, jenes Festival, das bislang einer von vielen Terminen im Kulturkalender war und derzeit der größte Aufreger in der Kulturpolitik ist.

Unter den Gästen waren Politiker, Fotografen und vor allem viele Galeristen, darunter Clara Maria Sels, die beklagt, der derzeit in Japan weilende Oberbürgermeister Thomas Geisel habe ihr die Leitung des Festivals zu Unrecht entzogen. Dieser große Stuhlkreis, in dem die Stimmung bisweilen sehr aufgeladen war, brachte zwar nicht die Lösung, aber eine andere wichtige Erkenntnis: Es lassen sich inzwischen nicht mal mehr die einfachsten Fragen zu diesem Festival beantworten. Und so lange das so ist, wird es schwer mit der viel beschworenen Zukunft.

Da ist zum Beispiel die Frage, wem das Photo Weekend überhaupt gehört. Clara Sels und ihre Mitstreiter aus der Galerie-Szene reden von einer "privatwirtschaftlichen Initiative". Sels betont, die städtischen Museen hätten vom Einsatz der Galeristen in den vergangenen Jahren sogar finanziell profitiert. Nach ihrer Darstellung bilden sie das Herz der - aus ihrer Sicht bereits sehr erfolgreichen - Veranstaltung.

Der Kulturreferent von OB Geisel, Rajiv Strauss, sieht das anders. Er erinnerte daran, dass das Festival einst vom Gründungsdirektor des NRW-Forums, Werner Lippert, erfunden wurde. Clara Sels sei nach dessen Abschied vom NRW-Forum mit der Leitung "beauftragt" worden. Dieser Logik nach will sich das wiederbelebte Haus sein Festival, an dem auch städtische Institutionen und freie Kunsträume mitwirken, nur zurückholen. Das ist auch laut Bieber lange geplant. "Schon als ich 2015 anfing, sollte das Photo Weekend wieder hier landen."

Auch zu noch viel bedeutenderen Fragen gab es keine oder sehr viele Antworten. Was wollen die Beteiligten erreichen? Und wie soll die Stadt davon profitieren? Die Fotografin und FH-Professorin Mareike Föcking träumt davon, dass das Weekend "moderner, größer, internationaler" wird. Unter den Galeristen herrscht derweil Misstrauen: Sie fürchten, dass Bieber ihr Programm diktieren will - oder dass sie sogar Spielball irgendeiner Jury werden.

Nicht zuletzt konnte man erleben, wie der Streit diverse Konflikte zum Vorschein bringt: Die Galeristen sind untereinander nicht so einig, wie manche tun; es soll eine separate Aussprache geben. Und SPD-Politikerin Cornelia Mohrs zeigte sich überrascht, als Kulturdezernent Hans-Georg Lohe sagte, die Politik habe die Idee einer "Fotowoche" abgelehnt. "Wir kennen das Konzept gar nicht", sagte Mohrs.

Unter diesen Umständen ist es sehr fraglich, wie die gemeinsame Zukunft denn nun aussehen soll. Lohe schwebt ein "Mehr-Säulen-Projekt" mit verschiedenen Zuständigkeiten vor. Galerist Till Breckner plädierte dafür, dass die Stadt die existierenden Strukturen so ergänzt, dass alle gewinnen. Weitgehende Einigkeit herrschte darin, dass ein Beirat das Projekt begleiten soll. Es werden wohl noch einige Stuhlkreise zu absolvieren sein.

Auf eine einfache Frage gab es dann doch eine Antwort: Eine Doppelspitze aus Sels und Bieber wird es nicht geben. Man habe sich bei der bisherigen Zusammenarbeit immer wieder nicht einigen können, so Alain Bieber. "Es muss klar sein, wer den Hut aufhat."

Quelle: RP
 
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