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Problemzone in Düsseldorf
Autos und Passanten müssen Pokémon-Jägern ausweichen

So nutzen die Pokémon-Jäger die Kö in Düsseldorf für sich
So nutzen die Pokémon-Jäger die Kö in Düsseldorf für sich FOTO: Uwe-Jens Ruhnau
Düsseldorf. Die Königsallee ist weiterhin in fester Hand der Pokémon-Go-Spieler. Das bringt jedoch einige Probleme mit sich: Autos und Fußgänger müssen ausweichen, es liegt Müll auf der Straße und Sitzgelegenheiten fehlen weiter. Von Laura Ihme

Sie gehen einfach nicht weg: Seit mittlerweile mehreren Wochen bevölkern die Spieler des Online-Spiels Pokémon Go die Girardet-Brücke an der Königsallee. Vor allem am Wochenende und an den Abenden wird das aber mehr und mehr zum Problem. Der Grund: Inzwischen kommen so viele Spieler, dass auf den beiden Bürgersteigen der Brücke kaum noch Platz ist. Mehr und mehr bewegen sich die Spieler Richtung Fahrbahn - und zwingen sowohl Fußgänger als auch Autos zum Ausweichen.

Mütter mit Kinderwagen kommen nicht mehr durch

"Gerade am Wochenende ist es ziemlich voll. Und wegen der Bänke auf der Brücke kommen zum Beispiel Mütter mit Kinderwagen nicht mehr über den Bürgersteig und weichen über die Straße aus", sagt Philip Mattheis. Der 20-jährige Düsseldorfer kommt fast jeden Tag nach der Arbeit zur Girardet-Brücke. Meistens versucht er dann, einen Platz am Geländer der Brücke zu bekommen. Heute hat es nicht geklappt. Deshalb sitzt Mattheis nun auf dem Bordstein, die Beine auf der Fahrbahn. "Bislang ist mir zum Glück noch keiner über die Beine gefahren", sagt er und lacht.

Eine Sperrung der Brücke - zumindest am Wochenende - durch die Stadt, würde er dennoch begrüßen. Schießlich würde auch der Ansturm immer größer, meint Maximilian Weisenberg, der neben Mattheis auf dem Bordstein sitzt. "Das würde ja auch nicht so viel ausmachen, dann weichen die Autos eben auf eine andere Brücke aus und man könnte noch Tische und mehr Sitzgelegenheiten aufstellen", sagt Mattheis.

Stadt will Brücke nicht sperren

Beides schließt die Stadt derzeit jedoch aus. Mehrfach am Tag würde der Ordnungs- und Servicedienst an der Brücke patroullieren, hieß es auf Anfrage, einen konkreten Anlass für eine Sperrung aufgrund der vielen Pokémon-Jäger sehe man jedoch nicht. "Und wenn akut etwas passiert, dann ist es auch die Polizei, die handelt", sagte ein Stadtsprecher.

Nicht genügend Bänke vorhanden

Und auch mehr Bänke für die Spieler wird es wohl nicht geben. "Das Gartenamt hat geprüft, ob es noch zusätzliche Bänke aufstellen kann. Das geht aber nicht, weil aufgrund des speziellen Gestaltungskonzeptes der Kö nur bestimmte Bänke aufgestellt werden dürfen. Von ihnen gibt es aber keine mehr", so der Sprecher. Dabei wären sie dringend notwendig: Passanten, die nicht dem Pokémon-Wahn verfallen sind, müssen nämlich derzeit auf Sitzmöbel verzichten, seit vor einer Woche die Spieler selbstständig einige Bänke auf die Brücke transportiert haben. Zunächst hatte die Stadt sie des Nachts wieder an ihre Ursprungsplätze zurückgeräumt, resignierte jedoch irgendwann und will die Bänke bis zum Ende der Ferien nun auf der Girardet-Brücke stehen lassen.

Wenig Verständnis dafür hat Guido Gutzeit vom Restaurant La Terrazza, der von seinem Lokal auf das Treiben auf der Brücke blicken kann und täglich seine Toilette für die Spieler zur Verfügung stellt. "Die Pokémon-Spieler sind ein Gewinn für die Kö, endlich ist wieder etwas los hier. Ich habe sogar Gäste, die auf meiner Terrasse selbst Pokémon spielen", sagt er. Die Stadt könne und solle sich etwa mit Bänken mehr engagieren. "Vor allem, weil ältere Leute, die über die Kö spazieren jetzt keinen Sitzplatz mehr bekommen", sagt er.

Einige Pokémon-Spieler würden sich zudem über Foodtrucks oder Stände, die Getränke verkaufen, an der Brücke freuen. "Mich wundert, dass noch niemand dieses Geschäft für sich entdeckt hat", sagt zum Beispiel Jonas. Der 23-Jährige ist mit seinen Freunden extra aus der Nähe von Geldern angereist, um die kleinen digitalen Monster auf der Kö zu jagen.

Wie die Gastronomie das Phänomen Pokémon für sich nutzen kann, zeigt derweil ein Beispiel aus Bilk: Ein Fast-Food-Laden in den Düsseldorf Arcaden belohnt seit einigen Tagen fleißige Spieler mit Gratis-Snacks. Je nachdem, in welchem Level im Spiel man sich befindet, erhält man dort ein Getränk, Muffins oder sogar ein Hauptgericht geschenkt.

Zusätzliche Mülltonnen sind in Planung

Dass es tatsächlich bald einmal Foodtrucks auf der Kö geben könnte, bleibt jedoch unwahrscheinlich. Allerdings hat die Stadt nun angekündigt, sich um den Müll rund um die Brücke zu kümmern: So prüft das Umweltamt derzeit, ob saisonale Mülltonnen auf der Kö aufgestellt werden können, damit die Spieler ihre Hinterlassenschaften dort hineinwerfen können. Viele Pokémon-Jäger hatten in den vergangenen Tagen ihren Müll rund um die Brücke liegenlassen - zum Ärger von Passanten und anderen Spielern.

Letztere haben das Problem inzwischen selbst in die Hand genommen: Die Verantwortlichen der Facebook-Gruppe "Pokémon Go Düsseldorf", die inzwischen fast 2000 Mitglieder zählt, haben Plakate mit der Bitte um Säuberung des Spielplatzes an der Brücke aufgehangen. Offenbar mit Erfolg: "Seitdem ist es schon sehr viel besser geworden", sagt Philip Mattheis. 

 

 

(lai)
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