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Kolumne Auf Ein Wort
Glaube braucht Veränderung

Düsseldorf. Fragt man einen Katholiken, was in seinem Glauben das Wichtigste ist, wird er sagen: das Feiern der Messe. Fragt man weiter, was in der Messe das Wichtigste ist, wird er sagen: die Wandlung. Sagt man ihm aber, dass in seinem Glauben das Wichtigste die Wandlung ist, wird er sagen: Nein! Alles soll so bleiben, wie es ist!

Ein alter Witz, den Sie vielleicht schon mal gehört haben. Und in jedem Scherz, so sagt man, steckt ein Körnchen Wahrheit. Ich denke, dieser Witz bringt im Kern etwas zum Ausdruck, das die allermeisten Menschen kennen und von daher gar nichts speziell Katholisches ist: Das Gefühl, Veränderungen wenig zu mögen, unter Umständen auch zu fürchten und deshalb - solange man die Wahl hat - lieber das vorzuziehen, was vertraut und sicher ist. Eigentlich auch ganz nachvollziehbar. Jeder Mensch braucht in seinem Leben das Gefühl einer gewissen Sicherheit. Fast jeder Mensch wird so irgendwann schon mal ein "Alles soll so bleiben, wie es ist!" gedacht haben.

Der christliche Glaube ist etwas, das dem Glaubenden das Gefühl einer Beheimatung und Sicherheit geben kann: Er gibt uns Orientierung für unsere Werte und Einstellungen, er bietet uns einen Halt und Struktur durch die Traditionen und Riten, in denen wir ihn praktizieren.

Eben dieser Glaube hat aber auch noch eine ganz andere Seite: Er fordert heraus zur Veränderung und setzt sie sogar selbst in Gang! Jemand, der wahrhaft glaubt, kann nicht der Gleiche bleiben, sagt die Bibel: So hören wir es zum Beispiel in der Heilungsgeschichte des blinden Bartimäus im Markus-Evangelium. Ein Blinder wird zum Sehenden. Jemand, mit dem niemand etwas zu tun haben will, wird Teil einer Gemeinschaft. Und eine Menge von Menschen, die gerade noch ausgrenzend und unfreundlich war, wird freundlich und ermutigend gegenüber dem bisher Ausgegrenzten. "Dein Glaube hat dir geholfen", sagt Jesus am Ende der Erzählung zu Bartimäus.

Veränderung, Wandlung, ist ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens an Jesus Christus. Bei allem Halt und aller Orientierung, den uns dieser Glaube gibt, kann es deshalb niemals um Stillstand, um ein "Alles soll so bleiben, wie es ist!" gehen. Wir leben heute in einer Zeit, die schnelllebig und wandlungsreich ist. Und die Veränderungen, mit denen wir umgehen müssen, werden in Zukunft wohl eher noch mehr als weniger werden.

Da ist es wichtig, den Kopf nicht zu verlieren und im Auge zu behalten, was wirklich wichtig ist. Wer dazu den christlichen Glauben zu Hilfe nimmt, braucht sich jedoch gegen Veränderungen nicht abzuschotten, er wird sie vielmehr mitgestalten! Den dazu nötigen Mut wünsche ich uns allen.

Quelle: RP
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