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Düsseldorf
Globetrotter für die Kunst

Düsseldorf: Globetrotter für die Kunst
Das Künstlerpaar Corina Gertz (v.l.) und Kris Scholz mit Videokünstlerin Gudrun Teich in der Ausstellung "Back from Chonqing" FOTO: Georg Salzburg
Düsseldorf. Pendler zwischen den Kontinenten: Corina Gertz und Kris Scholz zeigen zurzeit ihre China-Impressionen in Düsseldorf und in China ihre Fotos von deutschen Trachten. Von Ute Rasch

Lange an einem Ort zu bleiben, ist nicht unbedingt ihre Sache. Kaum hatte das Künstlerpaar Corina Gertz und Kris Scholz letzte Woche seine gemeinsame Ausstellung im "Atelier am Eck" an der Himmelgeister Straße eröffnet, die Spuren ihrer letzten Reise nach China zeigt, ist das Paar auch schon wieder unterwegs nach Chongqing, Düsseldorfs Partnerstadt. Zwei Pendler zwischen den Welten, die in der Ferne ihren Blick schärfen - für die Kunst und das Leben überhaupt.

Was sieht der Reisende, der sich zum ersten Mal auf das Abenteuer eines chinesischen Nachtmarktes einlässt? Ein skurriles Sammelsurium aus plärrenden Mini-Fernsehern, Marlboro-Schachteln als Handyhüllen, Nasenklemmen, Lockenwickler in Form von Erdbeeren, Comicheftchen und der unentwegt winkenden Glückskatze in Gold. Kitsch und Kram vereinen sich jetzt in einer Installation, die blinkt und in fremden Tönen schnattert. Coco Gertz hat gemeinsam mit der Videokünstlerin Gudrun Teich, der Dritten im Künstlerbund, die Zeugnisse chinesischen Alltags von der letzten Reise mitgebracht. Nun fügen sie sich zu einer witzigen Collage - auffälliger Blickpunkt der Ausstellung.

Daneben als starker Kontrast die großformatigen Fotos von Kris Scholz. Er fokussiert den Blick so stark aufs Detail, dass nicht mehr zu erkennen ist, was er fotografiert hat. "Muss man auch nicht wissen", findet er. Nur auf Nachfrage hilft er Betrachtern auf die Sprünge. Was wie ein abstraktes Gemälde wirkt, war der Fußboden in Maos Arbeitszimmer, "in dem die Idee der Kulturrevolution entwickelt wurde". In einem zweiten Raum zeigt der Künstler Poesie in Schwarz-Weiß: die Riesenstadt Chongqing durch die Fenster eines alten Klosters fotografiert, eine Brücke im Nebel - oder wird die melancholische Stimmung durch die legendäre Luftverschmutzung erzeugt?

Kris Scholz ist seit zehn Jahren als Professor für Fotografie an der Hochschule Darmstadt tätig. In diesen Wochen kuratiert er in China eine Ausstellung mit eigenen Werken und denen chinesischer Künstler. Seine Frau Corina Gertz war ursprünglich Modedesignern, diese frühen Wurzeln sind noch heute in ihrer Arbeit spürbar. Seit Jahren reist sie durch die Welt und dokumentiert Frauen in ihrer ursprünglichen Tracht - von Namibia bis nach Rajasthan. Oder nach China. So wurde sie zu einer Forscherin traditioneller Kleidung. "Ich habe in Indien, Afrika und in Hessen ganz ähnliche Kopfbedeckungen gefunden. Es gibt also Parallelen auf der Welt, die sich nur durch frühen Handel erklären lassen."

Solche Erkenntnisse bringt sie auch ihren Studenten in Peking nahe, wo sie seit Jahren regelmäßig unterrichtet. Ihr Thema in diesem Herbst: Wie sich Mode und Kunst beeinflussen. Und nachdem das Düsseldorfer Publikum ihre Installation aus dem chinesischen Alltag sehen konnte, zeigt sie im Oktober in Peking ihre Foto-Ausstellung über deutsche Trachten - eine Globtrotterin mit speziellem Blickwinkel. Den bewiesen sie und Kris Scholz auch im vergangenen Jahr, als sie zum zehnten Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Düsseldorf und Chongqing den Film "Kunst zwischen Jangtse und Rhein" drehten, der in der Black Box zu sehen war. Beteiligt an diesem Projekt war auch Gudrun Teich, die für den Filmschnitt verantwortlich war. Vorher war sie ebenfalls nach Chongqing gereist: "Ich hätte diesen Film nicht schneiden können, ohne in China gewesen zu sein. Ohne ein Gefühl für das Land zu bekommen." Als sie zurück flog, war im Gepäck die grinsende Glückskatze.

Quelle: RP
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