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Düsseldorf
Goethe-Buchhandlung lebt vom Versand

Düsseldorf: Goethe-Buchhandlung lebt vom Versand
Peter Wenning (l.) und Thomas Dohme führen die Geschäfte der Goethe-Buchhandlung. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Angefangen hatte es im Laden mit einer Spezialisierung für juristische Fachbücher, mittlerweile sind im Heerdter Industriegebiet 140 Mitarbeiter im Einsatz, um Firmen, Unis und Verwaltungen mit Fachliteratur zu versorgen. Von Sonja Schmitz

Als Thomas Dohme 1989 eine Ausbildung in der Goethe-Buchhandlung begann, da waren im Geschäft zu Spitzenzeiten mehr als 30 Mitarbeiter mit dem Verkauf von Büchern beschäftigt. Die Welt war damals noch eine andere. "Der große Brockhaus war ein richtiges Statussymbol, so wie es heute große Flachbildschirme sind", sagt Dohme. Den Wandel hat der Düsseldorfer Buchhandel schmerzhaft zu spüren bekommen. So zählte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels einige Jahre später, 1997, in der Landeshauptstadt 81 Buchhandlungen. Mittlerweile sind es nur noch 47. Und die verbleibenden Geschäfte haben zu kämpfen. Mit dem Internethandel, mit E-Books, mit dem Standort.

So wie viele andere in der Branche musste auch die Goethe-Buchhandlung Federn lassen. "Wir haben unseren Umsatz mehr als halbiert", sagt Peter Wenning, der zusammen mit Thomas Dohme die Geschäfte leitet. Die Ladenfläche an der Nordstraße wurde stark verkleinert, im Verkauf sind heute noch acht Mitarbeiter im Einsatz. Das klingt alles andere als gut. Aber diese Entwicklung trifft nur einen kleinen Teil der heutigen Firma. Den Großteil des Umsatzes macht ein Geschäftsbereich, der als kleine Nische im Ladenlokal begonnen hatte.

Mitte der 80er Jahre hatte der damalige Inhaber und Geschäftsführer Jürgen Teubig eine juristische Abteilung in der Buchhandlung aufgebaut. Das Geschäft hatte damals noch einen Zugang an der Duisburger Straße und in der ersten Etage eine kleine Empore, wo die Fachliteratur stand. Teubig sprach Institutionen und Anwälte in der Umgebung auf dieses Angebot an, ließ sie mit Boten beliefern. Der Service kam bei den Juristen gut an. Und weil das Geschäftsfeld wuchs und die Räumlichkeiten bald sprengte, mietete die Firma Mitte der 90er Jahre Büros im Heerdter Industriegebiet an der Willstätter Straße an. Mittlerweile arbeiten dort 140 Mitarbeiter, um Firmenkunden mit Fachliteratur zu versorgen. Pro Jahr verlassen 80.000 Pakete und 360.000 Buchsendungen die Versandhalle in Heerdt.

Besucher, die ins Foyer kommen, erblicken dort neben dem Eingang eine blaue Tafel, auf der die Kunden aufgelistet sind, die 2015 hinzugewonnen wurden. Darunter sind Universitäten, Stadtwerke und große Firmen wie beispielsweise Evonik. Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt auf Nordrhein-Westfalen. Denn die Goethe-Buchhandlung hat sich einem bundesweiten Verbund angeschlossen, dem 24 Standorte angehören. Dabei hat jeder seinen eigenen Bereich.

Die Dachmarke des Verbunds sind die Schweitzer Fachinformationen, eine Firma, die den Inhabern des C.H. Beck Verlags gehören. 2005 hatte Jürgen Teubig die Buchhandlungen der Familie an die Schweitzer Fachinformationen verkauft. Bis er 2012 in den Ruhestand ging, arbeitete er als angestellter Geschäftsführer weiter. Dohme und Wenning übernahmen seine Aufgabe als Doppelspitze. Von hier aus leiten sie auch Standorte in Köln, Bonn, Chemnitz, Dresden, Halle und Leipzig.

Für Mitarbeiter aus dem Geschäft an der Nordstraße sei es schon eine große Umstellung gewesen, nun an einen Büroarbeitsplatz zu wechseln, sagt Dohme. Die Beratung von Kunden spielt im Handel mit Fachliteratur nicht so eine wichtige Rolle wie im Geschäft. Dafür steht zunehmend der Austausch von Daten im Vordergrund. Die Nachfrage nach digitalen Medien verstärkt diesen Trend.

"Wir entwickeln uns mehr in Richtung Dienstleister", sagt Wenning. Aber er ist sicher: "Das Buch wird nie aussterben." Was aus den Buchhandlungen wird, ist für die Inhaber schwer kalkulierbar. "Man hat es nicht immer in der Hand", sagt Dohme. Klar ist: Schließen nahe oder große Konkurrenten ihr Geschäft, dann bekommen das die verbleibenden Mitbewerber positiv zu spüren.

Quelle: RP
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