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Kolumne Auf Ein Wort
Gott "tickt" tatsächlich anders

Düsseldorf. Am kommenden Sonntag ist der 4. Fastensonntag, an dem uns im Evangelium in der alt-katholischen Kirche ein sehr bekanntes Gleichnis begegnet: Die Erzählung vom barmherzigen Vater (in manchen Traditionen wird diese Geschichte auch "Gleichnis vom verlorenen Sohn" genannt). Hier eine Kurzzusammenfassung: "Vater + zwei Söhne. Jüngster will Erbe. Geht weg, macht bankrott. Landet in der Gosse - kehrt um. Papa happy. Riesen Fete für den jüngeren Bruder. Älterer Bruder neidisch. Meint, er wäre zurückgesetzt. Aber der Vater liebt sie beide." (LK 15, 11-32 aus: "Und Gott chillte, Die Bibel in Kurznachrichten", Edition Chrismon).

Ja ist das denn gerecht, wie dieser Vater da reagiert? Oder doch eher "voll unfair"? Jesus zeigt seinen Jüngerinnen und Jüngern auf, wie er Gott erlebt und erfährt. Er zeigt, wie Gott für uns Menschen sein will: ein barmherziger Gott! Gott ist einer, der nicht nach menschlichen Maßstäben "korrekt" reagiert, der also nicht das tut, was wir für gerecht halten würden, sondern Gott ist einer, der barmherzig ist. Er tickt also anders, als wir es erwarten würden. Jesus zeigt Gott als einen liebenden Vater, der schon auf uns Menschen wartet, wenn wir auch noch so viele Fehler begangen haben.

In der alt-katholischen Kirche kennen wir keine Beichtpflicht, aber dennoch die Möglichkeit, im Rahmen eines Versöhnungsgottesdienstes oder bei einem Seelsorgegespräch mit einer Priesterin oder einem Priester über das eigene Leben nachzudenken und sich auch die Versöhnung, also die Vergebung der Fehler, zusprechen zu lassen. Vielleicht ist die Fastenzeit ja eine Möglichkeit, diese Chance zu ergreifen und in der Ihnen eigenen religiösen Tradition das Gespräch mit einer geeigneten Person zu suchen, um Ihr Leben zu reflektieren und im geschützten Rahmen darüber nachzudenken?

TIMO VOCKE IST PFARRER DER ALT-KATHOLISCHEN GEMEINDE DÜSSELDORF.

Quelle: RP
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