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Düsseldorf
Graffiti trifft vor allem Hausbesitzer

Düsseldorf: Graffiti trifft vor allem Hausbesitzer
Über diese immer wieder vollgesprühte Mauer ärgert sich Thomas Weidmann aus Angermund. Er fragt sich, ob es sich überhaupt lohnt, die Schmierereien für viel Geld überstreichen zu lassen. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Meist bleiben Hausbesitzer auf den Kosten für die Entfernung von Schmierereien sitzen. Denn die Täter werden selten gefasst. Experten raten, hartnäckig zu bleiben und immer wieder in einen neuen Anstrich zu investieren – auch, wenn der oft nicht lange schön bleibt. Von Stefani Geilhausen und Arne Lieb

Zum Ärger über illegales Graffiti kommen für Hausbesitzer die Kosten für die Entfernung. Wenn der Verursacher einer Schmiererei nicht gefasst wird – und das ist meist so –, müssen sie für den neuen Anstrich zahlen. Welche Summe private Eigentümer in der Landeshauptstadt im Jahr insgesamt für Schäden durch Graffiti zahlen, zählt niemand. Fest steht aber: Mehrere Unternehmen haben sich in Düsseldorf allein auf die Entfernung von Graffiti spezialisiert. Und die Experten beim Eigentümerverband Haus und Grund beraten häufig Hausbesitzer zum Umgang mit Schmierereien.

Die rechtliche Lage ist eindeutig: Versicherungen springen fast nie für Graffiti-Entfernung ein, und die Kosten lassen sich auch nicht über die Betriebskosten auf die Mieter umlegen. Viele Besitzer sind unsicher, ob sie überhaupt Geld in die Entfernung investieren sollen. Sie kostet häufig Tausende Euro, und es ist nicht gesagt, ob die Sprayer wiederkommen.

Bei der RP haben sich nach der Berichterstattung der vergangenen Tage viele Betroffene gemeldet. So auch Thomas Weidmann. Er ärgert sich täglich über die einst weiße Wand am Hof eines leerstehenden Gewerbebetriebs in seiner Nachbarschaft. Seit Jahren wird dort regelmäßig gesprayt. Mal sind es ganz persönliche Botschaften wie "Love 23.3. 2009", mal sind es offenbar Fußball-Fans auf der Durchreise, worauf die Signatur "Ultras Duisburg" schließen lässt. "Seit drei, vier Jahren ist es richtig extrem geworden", sagt Weidmann. Immer öfter kommt es vor, dass er beim Verlassen seines Hauses in der Nachbarschaft in Angermund den frischen Farbgeruch in der Nase hat.

Auch die 89-jährige Besitzerin der Immobilie leidet unter den Schmierereien. Die alte Dame könne den Anblick nicht mehr ertragen und vermeide, bei ihren Spaziergängen dort vorbeizugehen. Einmal hat sie für einen vierstelligen Betrag das Geschmiere überstreichen lassen. "Ein paar Tage später sah es schon wieder genau so aus", sagt Weidmann. Er hat seiner Nachbarin davon abgeraten, die Schmierereien noch einmal übermalen zu lassen. "Das ist rausgeworfenes Geld", meint er.

Petra Nicolay, Juristin und Beraterin bei Haus und Grund, sieht das anders. "Wir raten dazu, Schmierereien immer sofort zu entfernen", sagt sie. Denn wenn eine Wand erst einmal verwahrlost aussieht, ziehe das weitere Sprayer an. Die Beraterin weiß aber auch, dass es oft mit einem Anstrich nicht getan ist. "Oft entsteht ein Machtkampf darum, wer den längeren Atem hat." Sie empfiehlt, dann auch über einen Schutzanstrich nachzudenken. Bei schlecht einsichtigen, langen Wänden wie der in Angermund könne auch legales Graffiti helfen: "Wenn ein Künstler die Wand gestaltet, schreckt das illegale Sprayer ab."

An anderer Stelle in Angermund hat diese Methode geholfen. Der Fußgängertunnel unter der Bahnlinie wurde früher ständig beschmiert. Bis im Frühjahr 2008 Gudrun Olbertz mit Verstärkung die Wände erst weißelte und dann mit Motiven aus Angermund verzierte. "Seid keine Schweine" haben sie in eine Ecke gemalt, und diesen Appell scheinen die Sprayer zu akzeptieren. Der Tunnel ist nun weitgehend Graffiti-frei.

(RP/top/ila)
 
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