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Grand Départ 2017
Ist die Tour de France ein gutes Geschäft für Düsseldorf?

Tour de France: Das verdient Düsseldorf am Grand Départ
Düsseldorf. Teuer wird sie, die Tour de France - und das viele Geld, das Düsseldorf für sie ausgibt, wird definitiv nicht direkt wieder in die Kasse zurückfließen. Doch Experten glauben trotzdem, dass unterm Strich ein Plus für die Stadt herauskommt. Wie geht das? Von Merlin Bartel

Die Tour de France, das größte Radrennen der Welt, kommt an den Rhein. Vom 29. Juni bis zum 2. Juli findet der Auftakt, der sogenannte Grand Départ, in Düsseldorf statt. Nicht nur für Sportfans ist das ein Highlight, für die Stadt Düsseldorf ist das Event auch wirtschaftlich interessant. 7,9 Millionen Euro will die Stadt an der Tour verdienen. Kurz vor dem Start scheint dieses Ziel realistisch, denn wo ein Großteil davon – nämlich 7,65 Millionen Euro – herkommt, steht bereits fest.

Woher kommen die direkten Einnahmen der Stadt?

  • Zu einem großen Teil von den offiziellen Sponsoren der Stadt. Das sind Flughafen, Rheinbahn, Messe, Stadtwerke, DHL und Awista.
  • Auch andere Unternehmen sponsern den Grand Départ: Entweder auf einer der Veranstaltungen im Rahmenprogramm oder durch ein Sponsoring-Paket. Die Premium-Variante kostet 50.000 Euro; das kleine Paket für 5.000 Euro wurde bis Anfang Juni mehr als 50-mal erworben – auch von Privatpersonen.
  • Obwohl Zuschauen an der Strecke kostenlos ist, verdient die Stadt auch viel Geld an Tickets: Auf sogenannten Hospitality-Plätzen in VIP-Zonen über die Stadt verteilt haben 8.500 Zuschauer besten Blick auf das Rennen. An der Messe kosten Sitzplätze 675,03 Euro – Musik und Speisen inklusive. Noch sind längst nicht alle verkauft, doch auch bei den Tour-Starts der Vorjahre gab es viele Last-Minute-Käufe.

Die Tour kostet Düsseldorf 13 Millionen Euro

Für die Ausrichtung der Tour muss die Stadt Düsseldorf jedoch auch tief in die Tasche greifen – Ausgabenziel sind 13,02 Millionen Euro. Allein die Lizenzgebühr an den Veranstalter Amaury Sport Organisation (ASO) beträgt 4,5 Millionen Euro, hinzu kommen 500.000 Euro für Hospitality-Rechte, beispielsweise für das Anbieten von VIP-Bereichen. Den Großteil der Kosten macht das Sicherheitskonzept aus: Um die Strecke für Hunderttausende Besucher zu sichern, sind mehr als 2000 Helfer – darunter ausgebildetes Sicherheitspersonal – im Einsatz. Benötigt werden allein rund 110 Kilometer Absperrgitter.

Indirekte Einnahmen sollen ein Plus bringen

Macht de facto fünf Millionen Euro, die aus der Stadtkasse bezahlt werden müssen. Wird die Tour also ein Minusgeschäft für Düsseldorf? Ganz so einfach ist es nicht. Indirekt fließen durch den Grand Départ Gewerbesteuer-Mehreinnahmen für 2017 an die Stadt. Die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Deloitte & Touche hat diese in einem externen Gutachten auf 2,28 Millionen Euro beziffert. Bleibt ein Minus von mehr als 2,5 Millionen Euro. Doch das sind nur die Einnahmen, deren Höhe schon feststeht.

Wichtiger dürfte am Ende sein, wie viele Zuschauer in die Landeshauptstadt kommen. Sie lassen Geld in der Stadt – und davon profitieren Gastronomie, Hotellerie und Handel. Bei Düsseldorfer Messen wie der Boot oder dem Caravan-Salon geben die Besucher pro Tag 100 Euro aus, bei internationalen Messen wie der Medica oder der Kunststoffmesse K sind es 400 bis 500 Euro. Und auch beim Tourstart werden viele Gäste aus dem Ausland erwartet.

Im vergangenen Jahr beim mehrtägigen Grand Départ im französischen La Manche lag der Umsatz bei 22,6 Millionen Euro, 2015 in Utrecht in den Niederlanden bei 25,3 Millionen Euro. In Düsseldorf soll der Effekt laut den Wirtschaftsprüfern sogar bei 57,1 Millionen Euro liegen – langfristig, denn Touristen kommen auch noch, wenn die Radfahrer wieder weg sind. "Hotel- und Restaurantbesitzer berichteten uns nach der Tour von so vielen Touristen wie nie zuvor", sagt Jan van Zanen, Bürgermeister von Utrecht. "Und das hat sich fortgesetzt – bis heute." Auch das Medieninteresse sei seit dem Großevent gewachsen: "Seit der Tour interessierten sich internationale Journalisten für Utrecht. Wir hatten Gäste aus Australien und Kanada", erzählt der niederländische Tourdirektor Martijn van Hulsteijn.

Wie Utrecht durch die Tour de France zur Fahrradstadt wurde, erfahren Sie in unserer Bilderstrecke:

Utrecht - Fahrradstadt nach dem Grand Départ FOTO: Merlin Bartel

Für ein paar Tage wird nun auch Düsseldorf auf Fernsehbildschirmen und in Zeitungen rund um die Welt zu sehen sein. Die ARD überträgt ab dem 1. Juli live. Die Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche beziffern den Media-Wert für Düsseldorf auf 30 Millionen Euro. "Durch das Prestige-Event entstehen möglicherweise Assoziationen mit der Stadt. Diese können in konkreten Umsatz konvertiert werden, wenn sie eine Entscheidung für Düsseldorf – von Besuchern oder Investoren – beeinflussen", erklärt Calin Hertioga, Director Brand Valuation bei der Marketingagentur Interbrand. "Ein solches Großereignis bedeutet einen neuen Touchpoint. Auch nach dem Event gibt es Möglichkeiten, es touristisch zu verwerten."

Schlechtes Wetter könnte Düsseldorf einen Strich durch die Rechnung machen

Die Auswirkung des Wetters auf die Zuschaueranzahl ist jedoch nicht zu unterschätzen. Viele werden ihren Besuch spontan davon abhängig machen. Das wurde Utrecht vor zwei Jahren zum Verhängnis: Große Hitze mit Temperaturen über 30 Grad erschwerte das stundenlange Stehen. "Wir hatten keine Versicherung gegen die Hitze. Es wurden spezielle Wasserstellen, Sonnencreme und zusätzliche Ersthelfer organisiert", sagt Martijn van Hulsteijn. "Das kostete rund 100.000 Euro." Auch in Düsseldorf wird es keine Versicherung gegen höhere Gewalt geben.

Fazit: Die Rechnung kann aufgehen - wenn alles klappt

Dennoch kann der Grand Départ eine große Chance für Düsseldorf sein. Denn obwohl die direkten Ausgaben höher sein werden als die Einnahmen, wird er nach der Prognose von Experten viel Geld in die Kassen spülen und auf lange Sicht das Bild prägen, das Menschen rund um den Globus von Düsseldorf haben. Bewahrheitet sich also die Prognose von Deloitte & Touche, wird es perspektivisch ein wirtschaftliches Plus für die Stadt. "Die Tour hat sich gelohnt. Sie hat unserer Stadt Selbstbewusstsein gegeben und für Zusammenarbeit gesorgt", sagt Utrechts Bürgermeister van Zanen. "Für Jung und Alt war es ein Volksfest."

 
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