| 17.35 Uhr

Kö-Bogen II in Düsseldorf
Große Mehrheit für Ingenhoven-Tal

Kö-Bogen II: Entwurf von Ingenhoven
Kö-Bogen II: Entwurf von Ingenhoven FOTO: Ingenhoven
Düsseldorf. CDU, SPD und FDP haben den Plänen für den Gustaf-Gründgens-Platz gestern im Stadtrat zugestimmt. Die Ratsmehrheit stellt sicher, dass die Begrünung der Fassade nur mit Fachleuten umgesetzt und ganzjährig gesichert wird. Von Denisa Richters

So sehr in den vergangenen fünf Jahren bei Ratssitzungen zwischen den politischen Lagern, zwischen der schwarz-gelben Mehrheit und der rot-grünen Opposition, verbal mit harten Bandagen gekämpft wurde – bei der letzten Ratssitzung vor der Kommunalwahl am 25. Mai weichten die Fronten an einigen Stellen verblüffend auf. Besonders beim Thema Kö-Bogen II. Eine ungewohnte Mehrheit aus CDU, SPD und FDP (plus Freie Wähler) sprach sich für den Entwurf von Christoph Ingenhoven aus.

Der sieht ein "grünes Tal" aus zwei Gebäuden am Rand des Gustaf-Gründgens-Platzes vor: Eine gläserne Markt-Gastronomie-Halle mit einem auf zehn Meter ansteigenden Rasendach vor dem Dreischeibenhaus, einen 100 Meter langen Gebäuderiegel entlang der Schadowstraße mit einer abgeschrägten Fassade zum Entrée des Platzes. Somit bleibt die Sichtachse auf das denkmalgeschützte Schauspielhaus frei.

Die SPD stimmte auch einem Änderungsantrag von CDU und FDP zu. Der sieht nicht nur vor, dass der Ingenhoven-Entwurf umgesetzt werden soll, sondern schreibt vor allem auch fest, dass die Pflanzen an der terrassierten Fassade des großen Gebäudes das ganze Jahr über grün sein müssen und dafür ein Begrünungs-Experte beauftragt wird. Die Stadt soll den Investor dazu in einem städtebaulichen Vertrag verpflichten. SPD-Fraktionschef Markus Raub dankte dem CDU-Planungsexperten Alexander Fils "für die sachliche Weise" mit dem Antrag umzusetzen, was für den Ingenhoven-Entwurf nötig sei.

Allerdings warf Raub Schwarz-Gelb vor, zu lange am Siegerentwurf des Wettbewerbs von 2009 festgehalten zu haben. Die Zustimmung der SPD begrüßte FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus: "Sie springen sehr spät ins Boot, aber sie springen." Nicht ins Boot gesprungen sind die Grünen. Sie stimmten gegen den Entwurf und den Antrag. Grünen-Fraktionschef Norbert Czerwinski warf CDU und FDP "plumpe Politik" vor, man habe "überstürzt eine Debatte abgewürgt". Er forderte mehr Bürgerbeteiligung in einem geordneten Verfahren.

Planungsdezernent Gregor Bonin sicherte auf Nachfrage von Raub zu, dass für die notwendige Änderung des geltenden Bebauungsplans zwar kein öffentliches Verfahren geplant sei, man aber "eine angemessen Bürgerbeteiligung" gewährleiste.

Als es später um die Benennung des neuen Platzes ging, der im Kreuzungsbereich Berliner Allee/Tuchtinsel/Schadowstraße entsteht, blieb es wieder bei der gewohnten Mehrheit aus CDU und FDP. Schwarz-Gelb hatte beantragt, den Platz nach Jan Wellem zu benennen. Auf dem früheren Jan-Wellem-Platz stehen inzwischen die Libeskind-Bauten. Der SPD-OB-Kandidat Thomas Geisel hatte vorgeschlagen, diesen Platz nach dem verstorbenen OB Joachim Erwin (CDU) zu benennen. "Sie wollen doch nur verhindern, dass es ein Joachim-Erwin-Platz wird", sagte Grünen-Fraktionschef Norbert Czerwinski.

Der scheidende SPD-Ratsherr Günter Wurm bewies erneut Humor. "Ich versteh' Ihre Sorge, dass Sie nicht wissen, was morgen ist", sagte er in Richtung Schwarz-Gelb. Es könnte ja einer auf die Idee kommen, den Platz nach einer "Freiheitskämpferin oder einem verstorbenen OB" zu benennen. Allerdings ergebe sich bei dem Jan-Wellem-Platz an dieser Stelle ein Problem: Wenn Besucher Düsseldorfs erst dorthin geführt werden, dann vors Rathaus – auf den Marktplatz, wo es zwar keinen Markt mehr gibt, dafür ein Jan-Wellem-Denkmal. "Wer soll das verstehen?", so Wurm. Sein Vorschlag: Das Denkmal auf den neuen Jan-Wellem-Platz "translozieren", also versetzen. Parteiübergreifendes Gelächter war ihm sicher und ein Kompliment von der Sitzungsleiterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann: "Wenn ich Sie überlebe, werde ich mich dafür einsetzen, dass nicht nur eine Straße nach Ihnen benannt wird, sondern Sie auch ein Denkmal bekommen."

Quelle: RP
 
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